Menschenrechte für Frankensteins Monster?

22.10.2002 - (idw) Fachhochschule Fulda

Podiumsdiskussion zum Thema Gentechnik

Zum Abschluss der Akademischen Woche ging es am Montag dieser Woche an der Fachhochschule Fulda in einer Podiumsdiskussion um Fragen der Gentechnik.
Gentechnik und Biomedizin scheinen unendliche Möglichkeiten zu eröffnen, Eigenschaften von Menschen zu manipulieren, Leben zu instrumentalisieren oder gar den Menschen neu nach unseren Vorstellungen zu schaffen. Welche Möglichkeiten gibt es tatsächlich? Wo sind die technischen Grenzen und welche Grenzen kann oder muss die Ethik setzen?
Prof. Dr. Wolfgang Nellen, Universität Kassel, Abteilung Genetik, Prof. Dr. Gerhard Stanke, Theologische Fakultät Fulda, Lehrstuhl für Moraltheologie und Prof. Dr. Friedrich-Karl Lücke, Fachhochschule Fulda, Fachbereich Haushalt und Ernährung diskutierten zwei Stunden über diese Themen.

Friedrich-Karl Lücke wies gleich zu Beginn auf das Dilemma hin: die Skepsis - auch die eigene - gegenüber der embryonalen Stammzellenforschung ist groß; was aber, wenn ein Verwandter an Parkinson erkrankt, eine Krankheit, die durch Stammzellenforschung vielleicht in Zukunft therapierbar sein wird? Dennoch, so der Moraltheologe Stanke, die Menschenwürde - auch des Embryos - setze der Verfügbarkeit des Menschen Grenzen. Stanke: "Es muss Werte geben, die nicht zur Disposition sehen".
Der Kasseler Genetiker Wolfgang Nellen wies darauf hin, dass ethische Forderungen an die Wissenschaft realistisch sein sollten und warf die Frage auf, was überhaupt zu verhindern sei. Die Präimplantationsdiagnostik werde sich durchsetzen, das Klonen von Menschen hingegen nicht. "Den perfekten Menschen gibt es nicht, wir brauchen die Verschiedenheit", so Nellen. Vorsicht sei geboten, wenn es um den 'gläsernen Menschen' gehe. Wenn jemand sein Erbgut auf Anfälligkeiten für bestimmte Krankheiten untersuchen lasse, so werde nicht zu verhindern sein, dass auch Kranken- oder Lebensversicherungsgesellschaften an diese Informationen kämen.
Prof. Dr. Petra Gromann, die Vizepräsidentin für Lehre und Studium der Fachhochschule Fulda, moderierte die Diskussion. Sie formulierte ihr Fazit dieser Veranstaltung, die die Problematik nur grob umreißen konnte, als Frage: "Brauchen wir eine Ethik der Risikoabschätzung?"

Die Einleitung des Abends war eher heiter. Ein Klavier, eine Leiter, ein Tuch und zwei Zahnbürsten. Mehr Requisiten brauchten Hendrik Lücke und Gerrit Gätjens vom Theater Lange Wiese aus Wehrda (Regie: Wolfgang Göltner) nicht, um im rasanten Wechsel zehn Rollen zu spielen. Die Komödie "Frank und Stein" des englischen Autors Ken Campell ist eine Persiflage auf die Geschichte von Frankenstein. Was tun, wenn das Plenum einen Film, sprich den Horrorklassiker "Frankenstein" mit dem unvergessenen Boris Karloff erwartet, doch der Film nicht da ist? Symposiumsleiter Frank und Gastredner Professor Dr. Stein wissen darauf eine Antwort. Sie beschließen kurzerhand, die Darstellung des Films selbst in die Hand nehmen. Sie entführten sie die Zuschauer in die Welt des Herbert Frankenstein, der für die Erfüllung seines Traumes, aus erloschenem Leben einen neuen Menschen zu schaffen, nicht mal vor Leichendiebstählen zurückschreckt.