Die Präsidenten der FU Berlin und der HU Berlin laden zum Pressegespräch

20.11.2001 - (idw) Freie Universität Berlin

Erfolge der Berliner Universitätsklinika in der Drittmitteleinwerbung: DFG bewilligt vier neue Klinische Forschergruppen für Berlin. BMBF fördert Berliner Schwerpunkte im Rahmen des "Nationalen Genforschungsnetzes".

Die Berliner Universitätsmedizin war erneut mit Anträgen für bedeutende Forschungsverbundprogramme bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) erfolgreich. Die beiden Universitätsklinika belegen damit wiederum ihr hohes wissenschaftliches Potential und tragen dazu bei, dass Berlin zunehmend zu einem führenden Standort biowissenschaftlicher Forschung in Deutschland wird.

Die Präsidenten der Freien Universität (Prof. Dr. Peter Gaehtgens) und der Humboldt-Universität (Prof. Dr. Jürgen Mlynek) laden gemeinsam mit den Dekanen der Charité (Prof. Dr. Joachim Dudenhausen) und des UKBF (Prof. Dr. Martin Paul) sowie den Sprechern der beiden DFG-Forschergruppen der FU (Prof. Dr. Christoph Stein und Prof. Dr. Martin Zeitz, UKBF) sowie den vorgesehenen Leitern der HU-Forschergruppen (PD Dr.-Ing. Georg Duda und Dr. Ralf Bargou, Charité) zu einem Pressegespräch.

1. Berliner Universitätsklinika erhalten ein Drittel des bundesweiten DFG-Förderprogramms "Klinische Forschergruppen":

Zur Stärkung der klinischen Forschung in Deutschland hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Mai 2000 das Programm "Klinische Forschergruppen" aufgelegt. Die Bewilligung von DFG-Mitteln ist an die Einrichtung einer Forschungsprofessur in der beantragenden Klinik gekoppelt und setzt eine 50-prozentige Mitbeteiligung der/des einrichtenden Fakultät/Fachbereichs an der Finanzierung über die Laufzeit von 6 Jahren voraus. Das wissenschaftliche Programm der Forschergruppe muss die enge Kooperation zwischen Klinikern und Grundlagenwissenschaftlern sicherstellen.

Nach kritischer Begutachtung von 58 eingereichten Anträgen ist nun die Bewilligungsentscheidung gefallen: Von den bundesweit bewilligten 12 Klinischen Forschergruppen gehen 4 (d.h. ein Drittel des Gesamtprogramms!) nach Berlin - zwei an die Charité der HU und zwei an das Universitätsklinikum Benjamin Franklin der FU. Die Zuwendung der DFG für die beiden Berliner Universitätsklinika beläuft sich auf ein Fördervolumen insgesamt von ca. 8 Mio DM. Die Entscheidung der DFG bestätigt erneut die wissenschaftliche Leistungsstärke der Berliner Universitätsmedizin.

Mit ihrer Ausschreibung zog die DFG die Konsequenzen aus einer im Mai 1999 vorgelegten "Denkschrift zur klinischen Forschung", in der die klinische Forschung in Deutschland durch den Wissenschaftsrat und andere Spitzenorganisationen als "Problemkind" bezeichnet wurde. Insbesondere wurde bemängelt, dass die in Universitätsklinika tätigen Ärzte zu stark durch die Krankenversorgung belastet seien und keine ausreichenden Freiräume für die Bearbeitung wissenschaftlicher Fragestellungen bestünden. Klinische Forschung diene daher oft nicht dem wissenschaftlichen Fortschritt, sondern der beruflichen Qualifikation.


2. Berliner Universitätsklinika mit Spitzenplatz in der BMBF-Förderung des Nationalen Genomforschungsnetzes:

Im Rahmen des sog. Nationalen Genomforschungsnetzes wurden vom BMBF mit einem Gesamtvolumen von etwa 350 Mio. DM mehrere biowissenschaftlich-biomedizinische Projekte aus den sog. UMTS-Geldern bundesweit ausgeschrieben. Darunter befinden sich die sog. "Krankheitsorientierten Genomnetze" mit den inhaltlichen Schwerpunkten Umwelt, Krebs, Herz/Kreislaufsystem, Infektion/Entzündung und Nervensystem und einem Gesamtfördervolumen für Projektmittel von 132 MioDM. An diesem Netzwerk sind insgesamt 17 Universitäten mit jeweils mehreren Fakultäten und Kliniken beteiligt. Ziel der in diesem Netzwerk geförderten Projekte ist die Umsetzung von Ergebnissen der Genforschung in die klinische Anwendung.

Die Begutachtungsergebnisse für das Nationale Genomforschungsnetz liegen jetzt vor. Bei der Verteilung der Fördermittel auf die verschiedenen Standorte in Deutschland liegen Berlin und München eindeutig vorne. Die Berliner Universitätsklinika sind - gemeinsam mit außeruniversitären Instituten - in vier der fünf Teilprogramme des krankheitsorientierten Genomnetzwerks vertreten. Die Gesamtförderung für die Berliner Einrichtungen - Universitätsklinika Charité und Benjamin Franklin sowie außeruniversitäre Institutionen - über die kommenden drei Jahre beläuft sich auf über 20 Mio. DM.

Die Themen der an den Forschungsnetzwerken beteiligten Arbeitsgruppen betreffen die folgenden Fragestellungen: Im Herz-Kreislauf-Netzwerk werden die genetischen Grundlagen des hohen Blutdrucks (Hypertonie) bearbeitet, allergische Erkrankungen sind das Thema eines weiteren Genomprojektes, die Aufklärung der genetischen Grundlagen spezifischer Tumoren stehen im Mittelpunkt des onkologischen Netzwerks und rheumatische Erkrankungen sind Gegenstand des Infektions-/Entzündungs-Netzwerks.

Die Förderentscheidung des BMBF basiert auf der kritischen Evaluation aller eingegangenen Förderanträge durch eine internationale Expertenkommission. Dies hat insoweit einen hohen Stellenwert, als damit der nationale und internationale Rang der medizinischen Genomforschung an den verschiedenen Standorten in Deutschland vergleichend bewertet wird.


Forschungsgegenstände der vier Klinischen Forschergruppen

a. "Molekulare Mechanismen der Opioidanalgesie bei Entzündungsschmerz"
(Sprecher: Prof. Dr. Christoph Stein, Fachbereich Humanmedizin, Universitätsklinikum Benjamin Franklin der Freien Universität, Klinik für Anaesthesiologie und Operative Intensivmedizin):
Ziel dieser Forschergruppe ist die Verbesserung der Behandlungsmöglichkeit starker Schmerzen, zum Beispiel im Zusammenhang mit Operationen sowie Krebserkrankungen. Inhalt des Forschungsprogramms ist es, die molekularen Angriffspunkte morphinähnlicher Substanzen (Opioide) außerhalb des zentralen Nervensystems zu untersuchen. Bisher wurden zentral wirksame Opioide mit nur begrenzter Wirksamkeit und teilweise schwerwiegenden Nebenwirkungen eingesetzt. Ziel der Forschungsarbeiten ist es daher unter anderem, lokal wirksame Opioide ohne diese ungünstigen Effekte zu entwickeln.

b. "Immunpathogenese und Interventionsstrategien bei mukosalen Infektionen"
)Sprecher: Prof. Dr. Martin Zeitz, Fachbereich Humanmedizin, Universitätsklinikum Benjamin Franklin der Freien Universität, Klinik für Gastroenterologie/Infektiologie/Rheumatologie):
Infektiöse Durchfallerkrankungen gehören weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Ziele der Forschergruppe sind ein besseres Verständnis der lokalen Immunabwehr im Darm und die Entwicklung von besseren und gezielteren Behandlungsstrategien. Es geht auch um neue Impfmethoden, die zu einem Schutz vor Magen-Darm-Infektionen führen sollen. Die Gruppe beschäftigt sich u.a. mit Darminfektionen bei immungeschwächten Patienten (z.B. AIDS-Patienten, Knochenmark-transplantierten Patienten).

c. "Biomechanik und Biologie der Knochenheilung: Individuelle, beanspruchungsgerechte Osteosynthese"
(Sprecher: Prof. Dr. Norbert Haas, Charité, Medizinische Fakultät der Humboldt-Universität, Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie. Vorgesehener Leiter der Gruppe (und zukünftige C3-Professor) wird Privatdozent Dr.-Ing. Georg Duda sein):
Die Gruppe wird sich mit der Knochenbruchbehandlung befassen, die wegen der zunehmenden Alterung der Menschen in den Zivilisationsgesellschaften immer bedeutsamer wird. Erforscht und in den klinischen Alltag übertragen werden sollen die optimalen mechanischen Bedingungen für eine möglichst schnelle und komplikationslose Frakturheilung und die Möglichkeiten der Verwendung eigener Knochenstrukturen (durch sogenannte Umstellungsosteotomien), um künstlichen Gelenkersatz tunlichst zu vermeiden. Die Wissenschaftler werden mit klinischen, biologischen, technisch-mechanischen und informationstechnisch-mathematisch orientierten Disziplinen kooperieren. Erarbeitet werden die genetischen und molekularbiologischen Grundlagen der Knochenheilung und die Besonderheiten der Muskel-Skelett-Belastung um herauszufinden, wie hoch beim individuellen Patienten die mechanische Beanspruchung für eine optimale Heilung sein muß und nicht zuletzt, wieweit robotergestütztes Operieren das Endergebnis optimieren kann. Dies gilt nicht nur für junge Menschen, die unfallbedingt Fakturen erleiden, sondern vor allem auch für ältere Patienten mit verminderter (osteoporotischer) Knochensubstanz bei degenerativen Knochen- und Gelenkerkrankungen.

d. "Wachstumskontrolle neoplastischer B-Zellen: Tumorbiologie und molekulare Therapieansätze.
(Sprecher: Prof. Dr. Bernd Dörken, Charité, Medizinische Fakultät der Humboldt-Universität, "Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie und Onkologie". Vorgesehener Leiter: Dr. Ralf Bargou):
Das Ziel der Forschung liegt in der Entwicklung neuer Therapiestrategien für bösartige Erkrankungen der B-Zellen des Immunsystems (maligne Lymphome u.a. Morbus Hodgkin, Multiples Myelom). Grundlage für die neuen Medikamente sind die Analysen der Wachstumsprozesse bei diesen Krebsarten und das genauere Verständnis jener Mechanismen, die sie unempfindlich machen gegen vorhandene Therapien. Aus diesen Erkenntnissen lassen sich Moleküle ableiten, die pathologische Wachstumsvorgänge möglichst selektiv blockieren, und Resistenzen durchbrechen. Eine weitere Möglichkeit ist die Anwendung von sogenannten "bi-spezifischen Antikörpern", die gezielt Killer-T-Zellen an Tumorzellen anheften. Ein erster bi-spezifischer Antikörper zur Behandlung maligner Lymphome soll jetzt an Patienten erprobt werden.


Weitere Informationen erteilen Ihnen gern:
- Silvia Schattenfroh, Pressestelle Charité, Humboldt-Universität zu Berlin, Tel.: 450570930
- Dr. Felicitas von Aretin, Pressestelle Freie Universität Berlin, Tel.: 838-73180