Förderung von hirngeschädigten Kindern

18.12.2001 - (idw) Universität zu Köln

"Konduktive Förderung von cerebralbewegungsgestörten Kindern im Vorschulalter" ist das Thema eines inzwischen abgeschlossenen Forschungsprojektes, das im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums unter der Leitung von Professor Dr. Ulrich Oskamp von der Heilpädagogischen Fakultät der Universität zu Köln durchgeführt wurde. Dabei geht es um die Erprobung einer aus Ungarn stammenden pädagogisch-medizinisch-therapeutischen Behandlungs- und Übungsform für hirngeschädigte Kinder, die auf den ungarischen Arzt Petö zurückgeht und in Deutschland unter der Bezeichnung "Konduktive Förderung" bekannt geworden ist.

Förderung von hirngeschädigten Kindern
Verbesserung bei alltagsrelevanten Tätigkeiten

"Konduktive Förderung von cerebralbewegungsgestörten Kindern im Vorschulalter" ist das Thema eines inzwischen abgeschlossenen Forschungsprojektes, das im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums unter der Leitung von Professor Dr. Ulrich Oskamp von der Heilpädagogischen Fakultät der Universität zu Köln durchgeführt wurde. Dabei geht es um die Erprobung einer aus Ungarn stammenden pädagogisch-medizinisch-therapeutischen Behandlungs- und Übungsform für hirngeschädigte Kinder, die auf den ungarischen Arzt Petö zurückgeht und in Deutschland unter der Bezeichnung "Konduktive Förderung" bekannt geworden ist.

Die Förderung der cerebralparetischen Kinder bei einer maximalen Förderdauer von zwei Jahren erbrachte einige sehr deutlich positive Veränderungen in der Entwicklung: in den Funktionsbereichen "Sitzen", "Fortbewegung", "Stehen", "Handmotorik", "Selbständigkeit in alltagsrelevanten Tätigkeiten" zeigte sich eine signifikante Verbesserung. Auch im Bereich der aktiven Sprache und im Sprachverständnis machten die geförderten Kinder deutliche Fortschritte. Konzentration, Kurzzeitgedächtnis und die Umsetzung sprachlich erfasster Anweisungen in Handlung wurden verbessert. Systematisch erfasst wurden auch die Veränderungen im Bereich der sozialen Kompetenz; auch hier war die positive Entwicklung auffällig. Die Kinder waren aufgeschlossener gegenüber dem Gruppengeschehen und selbstbewusster.

Die Eltern der Kinder hatten trotz starker Belastung eine positive Einstellung zur Förderung, wobei sich die Tendenz einer realistischeren Einstellung in Bezug zur Behinderung des Kindes zeigte. Die Fragestellung inwiefern die Konzeption der Konduktiven Förderung sich in den interdisziplinären Ansatz eines Frühförderzentrums integrieren lässt, kann nach dem Förderzeitraum von 2 Jahren bejaht werden. Die hierzulande üblichen Anforderungen hinsichtlich Qualitätssicherung und Evaluation lassen sich ebenso auf den Ansatz der Konduktiven Förderung anwenden.

Da die unter wissenschaftlicher Überprüfung erfassbaren Ergebnisse auf die spezielle Form der Konduktiven Förderung zurückgeführt werden könnten, und hier vor allem auch auf die intensive Förderung von alltagsrelevanten Fähigkeiten in der Gruppe mit starker sprachlicher Unterstützung und guter Strukturierung von Lernsituationen, haben nicht nur die Eltern cerebral-paretischer Kinder, die diese Fördermethode kennen gelernt haben, sondern auch Fachleute den Wunsch und die Ansicht, dass die Konduktive Förderung für alle Kinder mit dieser Behinderung als Alternativangebot zugänglich sein sollte.

Auch andere Studien - wie z. B. das im Sommer 2001 beendete Forschungsprojekt des Kinderzentrums München, durchgeführt im Auftrag des VdAK - kommen zu ganz ähnlichen Ergebnissen. Aus diesem Grund plant das Zentrum für Frühbehandlung und Frühförderung für Kinder im Vorschulalter mit Cerebralparesen eine heilpädagogische Konduktive Fördergruppe in Form eines Kindergartens einzurichten, die das derzeit einmal wöchentliche Förderangebot optimieren soll. Da die Krankenkassen bislang nur in Einzelfällen einen Anteil der Kosten für Konduktive Förderung getragen haben, konnte aus Gründen der finanziellen Belastung der Eltern die Förderung nur 1x wöchentlich für 2,5 Stunden stattfinden. Sinnvoll und wirksam wird die Konduktive Förderung jedoch erst, wenn sie der Kindergarten- Förderung entsprechend für cerebralparetische Kinder durchgeführt wird.

Die konduktive Förderung von Kindern mit motorischen Störungen wurde in Ungarn von dem Arzt Andras Petö in 30er und 40er Jahren entwickelt, um Kindern mit unterschiedlichen, insbesondere auch motorischen Behinderungen, den Schulbesuch zu ermögli-chen. m Mittelpunkt steht die Förderung der eigenen Aktivität, die Hilfe selbst zu lernen, seine motorischen Fertigkeiten zu verbessern, wobei es darauf ankommt, die individuellen Möglichkeiten zu erkennen und die anzustrebenden Entwicklungsschritte vorzugeben. Die Kinder werden so zur Tätigkeit und zu Handlungen angeregt, die zu einer Auseinandersetzung mit der Umwelt führen; damit untrennbar verbunden sind Emotionen, Wahrnehmung und Motivation. Da bei hirngeschädigten Kindern Lernprozesse nur eingeschränkt zu erwarten sind, werden sie durch Bezugspersonen vermittelt. omit spielt die Sprache eine zentrale Rolle, die handlungsbegleitend zur Motivation und zur Kommunikation von und mit Erwachsenen in die Förderung eingebunden wird; sie ist entscheidend auch für die Verhaltens-steuerung.

Gemäß der ursprünglichen Konzeption sollen die sehr unterschiedlichen Aufgaben von einer einzigen Person, der Konduktorin, bewältigt werden, die Kompetenzen besitzen muss, welche hierzulande Krankengymnasten, Ergotherapeuten, Logopäden, Pädagogen und auch Psychologen zukommen. Sie arbeitet vorrangig pädagogisch, integriert die Förderansätze in ihre Planung und Tätigkeit. Im Gegensatz dazu wurde für das Forschungsprojekt ein interdisziplinärer Ansatz gewählt: die Konduktorinnen haben mit Sozialpädagogen und Lehrern der Sonder- und Regelschule, Krankengymnasten, Ergotherapeuten und Psychologen zusammengearbeitet. Das Team wurde von einer Kinderärztin begleitet und die Kinder kinderneurologisch untersucht und beobachtet.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

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