Ziel: Null Fehler bei der Software-Entwicklung

29.10.2002 - (idw) Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE

Vom 28. - 30.10. treffen sich Experten aus Europa beim ESERNET-Workshop in Kaiserslautern. Zentrales Thema des Workshops ist "Testing and Inspection". Gastgeber der Veranstaltung ist das Fraunhofer IESE.


Dr. Hans-Gerhard Gross vom Fraunhofer IESE moderiert die Auftaktveranstaltung. Noch bis zum kommenden Mittwoch diskutieren Experten in der Rotunde auf dem Kaiserslauterer Unigelände darüber, wie man bei der Entwicklung neuer Software Fehler frühzeitig erkennt und vermeidet. Nach den Universitäten bzw. Forschungsinstituten von Bilbao (Spanien), Rønneby (Schweden) und Helsinki ist jetzt das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE) Gastgeber. Das Fraunhofer IESE ist Leiter des ESERNET-Konsortiums, eines internationalen Netzwerks führender Forschungsinstitute und Unternehmen auf dem Gebiet des Software Engineering.

Was sich als staubtrockenes Thema anhört, ist für die Zunft der Programmierer von zentraler Bedeutung. Bei der Entwicklung neuer Software sind für die Qualitätssicherung zwei Methoden gebräuchlich: Das Austesten (Testing) von bereits fertig gestellter Software und die so genannte "Inspektion", die den Vorteil hat, dass sie in den frühen Entwicklungsphasen erfolgen kann. Schwachstellen werden so zu einem frühen Zeitpunkt und nicht erst kurz vor Auslieferung oder gar in der Praxis aufgedeckt, wenn ihre Behebung ein Vielfaches an Kosten und Entwicklungszeiten erfordern würde.

Auf den Alltag übertragen, könnte man die Thematik des Workshops, "Testing and Inspection", am Beispiel eines Brückenneubaus veranschaulichen: Beim Testen fährt nach Fertigstellung des Bauwerks ein Zug über die Brücke und prüft (womöglich mit fatalen Folgen) ihre Standhaftigkeit, während bei der Inspektion schon in der Bauphase die Pläne, Berechnungen und natürlich auch die Ausführung ständig kontrolliert werden.

Die zu Beginn des Erfahrungsaustauschs erfolgte Mini-Umfrage unter den anwesenden Hochschullehrern zeigt, dass bei den Studenten das Testen viel höher im Kurs steht als die eher theoretisch angelegte Inspektion und in der Lehre deshalb auch sehr viel breiteren Raum einnimmt. "Den Studenten macht es eben mehr Spaß, etwas auszuprobieren. Das hat etwas von Hacking an sich", versucht Dr. Martin Høst von der Universität Lund eine Erklärung dafür zu liefern, der sich auch sein römischer Kollege Giovanni Cantone anschließt. Wann, wie und wie viel Inspektion erfolgen soll - das ist eines der Themen, mit dem sich die illustre Runde aus Vertretern von Wissenschaft und Industrie drei Tage lang befasst.

"In vielen Ländern wird an diesem Problem gearbeitet", so Dr. Christian Bunse, der das Fraunhofer IESE bei ESERNET vertritt. "Der ständige Erfahrungsaustausch bündelt nicht nur die Erkenntnisse, die bei uns und anderswo gewonnen werden; er beschleunigt auch die Entwicklung verbindlicher Standards für die Qualitätssicherung."