Oasensiedlungen in Oman

27.03.2002 - (idw) Eberhard-Karls-Universität Tübingen

Oasensiedlungen in Oman

Ausstellung in der Universitätsbibliothek Tübingen


Vom 03. bis 20. April zeigt das Orientalische Seminar der Fakultät der Kulturwissenschaft in der Wandelhalle der Universitätsbibliothek (Bonatzbau) eine Ausstellung zu den Oasensiedlungen im Oman.

Oasen sind das herausragende Element der omanischen Kulturlandschaft. Seit fünftausend Jahren prägen sie die Geschichte und Kultur des Landes. Die Anlage der Oasen ist charakterisiert durch hochentwickelte Bewässerungssysteme, die das Wasser über weite Entfernungen heranbringen, und durch eine beeindruckende Architektur (mehrgeschossige Lehmbauten), die ein an die klimatischen Bedingungen angepasstes Wohnen ermöglicht. Mit diesen materiellen Elementen ist die soziale Organisation der Oasensiedlungen eng verbunden. Die Modernisierung Omans hat einen Prozess rapider Veränderungen eingeleitet. Maschinelle Hilfe bei der Bewässerung und "pflegeleichte" Betonbauten ersetzen zunehmend die traditionellen Strukturen und verwandeln das Gesicht der Oasensiedlungen innerhalb weniger Jahre grundlegend.

Die Untersuchung und Dokumentation der Transformationsprozesse in den omanischen Oasensiedlungen ist Gegenstand eines 1998 begonnenen, interdisziplinären omanisch-deutschen Forschungsprojekts. An eine zweijährige Pilotphase, die durch die Unterstützung der Sultan Qaboos-Universität/Muscat und des Landes Baden-Württemberg ermöglicht wurde (Forschungsschwerpunkt-Programm), schließt sich seit 2002 eine zweite Projektstufe an, die von der Sultan Qaboos-Universität und der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird.
An dem interdisziplinären Forschungs- und Dokumentationsprojekt sind universitäre Einrichtungen aus Oman, Tübingen, Stuttgart, Kassel und Berlin beteiligt.

Die Ausstellung vermittelt einen Eindruck von den Methoden, die in den verschiedenen Disziplinen angewandt werden, und von den Arbeitsergebnissen der ersten zwei Jahre der Projektarbeit. In einem repräsentativen Schnitt durch das westliche Hajar-Gebirge haben die deutschen und omanischen Wissenschaftler die Archäologie, Geschichte, Architektur, Siedlungsstruktur, Ethnographie und die Agrarsysteme einer Kette von Siedlungen untersucht. Pläne und Bilder zeigen, wie die Oasen und Siedlungen angelegt sind, welche Haustypen sich aufgrund räumlicher Organisation und Bauweise erkennen lassen, wie der bewässerte Boden durch Dattel- und Getreideanbau genutzt wird und wie das soziale Leben in den Oasen organisiert ist. Es wird deutlich, dass die traditionelle Nutzung der Gebirgslandschaft des Hajar durch den Menschen mehrere Jahrtausende weit zurückreicht.

Zu den spektakulären Entdeckungen gehören dabei auch bisher unbekannte Weizensorten, die in der "Nische" des Hajar-Gebirges angebaut werden, und ein privates Archiv mit mehreren hundert Briefen, von denen viele vor 100-150 Jahren von omanischen Kaufleuten in Ostafrika in ihre Heimat geschickt wurden - sie belegen die Einbindung der Inlands-Oasen in den omanischen Überseehandel.

Zu der Ausstellungseröffnung, die am

03. April, 10 Uhr in der Wandelhalle der Universitätsbibliothek (Bonatzbau)

stattfinden wird, sind die Vertreter der Medien herzlich eingeladen; Bildmaterial kann auf Wunsch per Email zur Verfügung gestellt werden.