Schwer, keine Satire zu schreiben: russische Kulturtage mit Wladimir Woinowitsch

05.11.2002 - (idw) Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Nach dem Nordischen Klang & dem PolenmARkT nun, in Greifswalds Fleischervorstadt, "Russische Kulturtage" vom 13. bis zum 15. 11. 2002 (organisiert von dem Institut für Slawistik der Universität Greifswald, dem Literaturzentrum Vorpommern (IKAZ), dem Internationalen Kultur- und Wohnprojekt (IkuWo) und dem "Quartiersmanagement Fleischervorstadt"; gefördert aus Mitteln des Caritas-Projekts "Soziale Stadt" und des Akademischen Auslandsamts).

Am 13. November liest um 20 Uhr Wladimir Woinowitsch im "Koeppenhaus"; Woinowitsch, Satiriker mit Wohnsitz München und Moskau, soeben 70 geworden, ist, unübertrieben, einer der bekanntesten russischen Autoren weltweit - seine Bücher sind in mehr als dreißig Sprachen übersetzt. In seiner über vierzigjährigen Karriere, die mit dem programmatischen Werk "Ich will ehrlich sein" begann, hat er - seit neuestem auch mit bildender Kunst - ein weites Feld künstlerischer Tätigkeit erschlossen. Dazu gehören die zu Weltruhm gelangte Roman-Epopoe vom Soldaten Tschonkin, dessen naive Ehrlichkeit und Sturheit die Sowjetmacht zum Wanken bringt (und Woinowitsch 1980 zur Ausreise zwang), die satirische Anti-Utopie Moskau 2042 (eine "vollendete Anti-Utopie", so die F.A.Z.) und sein letzter Roman Monumental'naja Propaganda (übersetzt als Aglaja Rewkinas letzte Liebe). Diese und zahlreiche weitere, in der Emigration und nach 1990 in Teilen auch wieder in Moskau entstandene Werke belegen, daß der Satiriker Woinowitsch uns etwas zu sagen hat (so in seinem Alternativtext zur neu-alten russischen Nationalhymne). "Es ist schwer, keine Satiren zu schreiben", sagte er Anfang der 1990er Jahre, auf die Sowjetunion gemünzt, was aber zeigt: Satire ist universell und zeitlos - Greifswald freut sich auf den Besuch eines großen Schriftstellers.

Dann folgt ebenfalls im Koeppenhaus Musik (14. 11., 20.00 Uhr) - als musikalische Reise in die Geschichte, die an Wyssotzki und Okudshawa erinnert. Ihre Lieder erklingen in einem Vortrag zu den beiden russischsprachigen Liedermachern, unterlegt von Musikbeispielen. Wyssotzki und Okudshawa waren mit ihrer zeitkritischen Liedern auch über die ewigen Themen Liebe, Freundschaft und Tod in der Sowjetunion, aber auch später, sehr populär. Früher konnte man sie nur im kleineren Kreis hören, von Tonbändern, die auf Konzerten mitgeschnitten und unter der Hand verbreitet, seit den 1980ern offen. Die Phänomene Wyssotzki und Okudshawa, ihre Bedeutung für das Lebensgefühl einer Generation, stellt Katharina Berndt (Düsseldorf), über russische Liedermacher, besonders über Wladimir Wyssotzki, promoviert, vor.

Der 15. 11. gehört zuerst aktueller Politik (18.00 im IKUWO, Goethestraße). Geographieprof. Helmut Klüter berichtet in "Von St. Petersburg nach Sibirien und zurück" über eine Reise dieses Jahr nach Rußland und will neueste Entwicklungen darstellen. Ein kulinarischer Streifzug durch Rußland (gegen 19.30) ist Vorspann für ein von Studierenden organisiertes "Kulturprogramm" und eine Party mit russischer Musik.