Pskov - eine mittelalterlche russische Grenzstadt zwischen West und Ost

12.07.2004 - (idw) Ludwig-Maximilians-Universität München

Regionalistische Zugänge zum Verständnis der altrussischen Geschichte sind in der Russland-Mediävistik bislang eher selten anzutreffen. Eine Pionierarbeit auf diesem Gebiet klärt das schwierige Verhältnis von politischem und kirchlichem Selbstständigkeitsstreben und außenpolitischer Selbstbehauptung der nordwestrussischen Grenzstadt Pskov.

JULIA PRINZ-AUS DER WIESCHE Die Russisch-Orthodoxe Kirche im mittelalterlichen Pskov. - Wiesbaden: Harrassowitz, 2004. 277 S. Ca. Euro 68,00 - ISBN 3-447-04890-5.
(= Schriften zur Geistesgeschichte des östlichen Europa 28)

Im Zentrum der Untersuchung steht die nordwestrussische Region Pskov, die bis zu ihrer gewaltsamen Eingliederung in das Moskauer Reich (1510) eines der bedeutendsten kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Zentren Altrusslands war. Die Pskover Kirchengeschichte erweist sich in zweifacher Hinsicht als interessanter Forschungsgegenstand für eine Regionalstudie. Zum einen ermöglichte die geographische Randlage im Nordwesten der Rus' den Stadtbewohnern schon sehr früh Handelskontakte zum Westen und zwang zu einer aktiven Auseinandersetzung mit Andersgläubigen und fremden Einflüssen, die eine eigenständige lokale Kultursynthese hervorgebracht haben. Darüber hinaus bieten die jahrhundertelangen Bemühungen Pskovs, die Kirchenorganisation aus der jurisdiktionellen Abhängigkeit Novgorods zu lösen und einen eigenen Bischofssitz zu etablieren, reichhaltiges Anschauungsmaterial für die Herausbildung eines kirchlich getragenen städtischen Eigenbewusstseins.