Immer mehr Jugendliche mit schlechten Zukunftschancen

12.08.2004 - (idw) Bertelsmann Stiftung

Bertelsmann Stiftung: Kommunen müssen mehr für Kinder und Jugendliche tun

Gütersloh, 12. August 2004. Jeder 15. Jugendliche hat keinen Schulabschluss, und die Zahl der Schulabbrecher steigt sogar. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung in elf Kommunen zeigt, dass der Anteil der Schulabgänger ohne Abschluss von durchschnittlich 6,7 Prozent (2002) auf 7,6 Prozent (2003) gestiegen ist. Noch gravierender sind die Zahlen bei den aus­ländischen Jugendlichen. Die Quote ausländischer Schulabbrecher ist um 5,5 Prozentpunkte gestie­gen: von durchschnittlich 17,1 Prozent (2002) auf 22,6 Prozent (2003). Damit startet ein beträchtlicher Teil der Jugendlichen mit schlechten Zukunftschancen in das Berufsleben.

"Die Kommunen müssen mehr für die Zukunft der Kinder und Jugendlichen tun", fordert Kerstin Schmidt, Projektleiterin bei der Bertelsmann Stiftung: "Wenn sie bei den Bildungschancen ihrer jungen Mitbürger keinen Handlungsschwerpunkt setzen, kann das weit rei­chende Auswirkungen haben: nicht nur für die Jugendlichen, sondern auch für die Zukunft der Kommunen und ihrer finanziellen Handlungsfähigkeit." Ein wachsender Anteil an Schulabbrechern führe auch zu höheren Quoten bei Arbeitslosigkeit und Arbeitslosenhilfe. Noch deutlicher werde der Handlungsbedarf angesichts des Mangels an Ausbildungsplätzen und der ohnehin hohen Arbeitslosigkeit.

Wichtig ist nach Meinung der Bertelsmann Stiftung, die Bildungsangebote innerhalb und außerhalb der Schulen zu vernetzen. Ein wesentlicher Ansatzpunkt bei ausländischen Jugendli­chen ist die Sprachförderung, denn ihre Bildungsbenachteiligung ist in erster Linie in man­gelnden Sprachkenntnissen begründet. So haben die Städte Celle, Arnsberg und Solingen Sprachprogramme für ausländische Kinder und Jugendliche sowie für Eltern eingeführt. "Die Kommunen müssen ihre Mitverantwortung für die Bildungschancen der Kinder und Jugendlichen wahrnehmen", sagt Kerstin Schmidt. Ein möglicher Weg sei, die Stadtpolitik auf Kinder und Jugendliche auszurichten. Darüber hinaus empfiehlt die Bertelsmann Stiftung allen Kommunen, eine regelmäßige Berichterstattung über die Bildungssituation vor Ort durchzuführen. "Sie sollten möglichst präzise und regelmäßig über die eigene Situation informiert sein", so Schmidt. Jede Kommune müsse für sich klären, welche Ziele und Maßnahmen sie bei der Förderung von Kindern und Jugendlichen verfolge.

Die neue Datenerhebung ist Teil des Projektes "Kompass" der Bertelsmann Stiftung. Das Modell-Projekt misst seit vier Jahren die Lebensqualität in ausgesuchten Städten und Kreisen und versucht, diese in verschiedenen Politikfeldern zu verbessern. Beteiligt sind die Städte Arnsberg, Celle, Coesfeld, Dortmund, Hilden, Soest, Solingen, Vlotho und der Landkreis Diepholz, der Landkreis Osnabrück, der Landkreis Wolfenbüttel, der Kreis Soest und der Kreis Pinneberg.

Über die Bertelsmann Stiftung:
Die Bertelsmann Stiftung versteht sich als Förderin des Wandels für eine zukunftsfähige Gesellschaft. Sie will Reformen in den Bereichen Bildung, Wirtschaft und Soziales, Gesundheit sowie Internationale Verständigung voranbringen. Die 1977 von Reinhard Mohn gegründete, gemeinnützige Einrichtung hält die Mehrheit der Kapitalanteile der Bertelsmann AG. In ihrer Projektarbeit ist die Stiftung unabhängig vom Unternehmen und par­teipolitisch neutral.

Rückfragen an: Kerstin Schmidt, Telefon: 0 52 41 / 81-81 183