Neue Professoren am Campus Garching

23.11.2004 - (idw) Technische Universität München

Zum 30. September 2004 wurde Privatdozent Dr. Jürgen Schmidhuber, bislang Direktor des Istituto Dalle Molle di Studi sull'Intelligenza Artificiale (IDSIA), auf das Extraordinariat für Kognitive Robotik der Fakultät für Informatik berufen. Jürgen Schmidhuber, 1963 in München geboren, studierte Informatik an der TU München, an der 1991 auch promovierte. Im Anschluss an sein Studium war er zwei Jahre als Postdoc in Colorado tätig und habilitierte 1993 wieder an der TUM. Als Ko-Direktor des Schweizer KI-Labors IDSIA in Lugano war er seit 1995 damit befasst, dieses als eines der Top 10 Labors für Künstliche Intelligenz weltweit zu positionieren.
An der TUM untersucht Prof. Schmidhuber Algorithmen für das Erlernen nicht-reaktiver Programme für rekurrente neuronale Netze und andere Rechner. Zu seinen Forschungsgebieten zählen weiter optimale universelle Lernmaschinen, nicht-haltende Turingmaschinen und Verallgemeinerungen der Kolmogorovkomplexität, Kaum Komplexe Kunst - eine neue Minimalkunstform beruhend auf algorithmischer Informationstheorie - sowie Problemstellungen der digitalen Physik.

Zum 1. Oktober 2004 wurde Prof. Roland Netz auf den Lehrstuhl für Theoretische Physik der TU München berufen. Der bisherige Extraordinarius an der Sektion Physik der Ludwig-Maximilians-Universität München tritt damit die Nachfolge von Prof. Wolfgang Götze an.
Roland Netz, geboren 1966, studierte Physik an der TU Berlin und am Massachusetts Institute of Technology. Nach seiner Promotion an der Universität Köln (1994) arbeitete er während einer dreijährigen Postdoktorandenzeit an Forschungsprojekten an der Tel-Aviv-University, an der University of California in Santa Barbara, in Seattle, am CEA Saclay und in Strasbourg. Von 1997 bis 2002 war Netz am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam tätig (Habilitation 2000), bis er 2002 an die LMU berufen wurde. Einen Ruf auf einen Endowed Chair als Ohio Eminent Scholar lehnte er im selben Jahr ab. Im Rahmen seiner Forschung beschäftigt sich Prof. Netz mit theoretischen Modellen zur Beschreibung von weicher Materie wie z.B. Polymeren, Membranen und Kolloiden. Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen zur Struktur und Dynamik von Biopolymeren oder synthetischen wasserlöslichen Polymeren und zur Simulation der Fluiddynamik in Nanostrukturen. Das nanoskopische Verhalten von Wasser an Oberflächen nimmt hierbei eine Schlüsselstellung ein.

Ebenfalls zum 1. Oktober 2004 wurde Prof. Boris Lohmann, bislang Hochschullehrer im Studiengang Elektrotechnik der Universität Bremen, auf den neu eingerichteten Lehrstuhl für Regelungstechnik in der Fakultät für Maschinenwesen berufen. Boris Lohmann, Jahrgang 1960, studierte und promovierte in Karlsruhe und war im Anschluss als Systemingenieur und Leiter der mechanischen Entwicklung bei Siemens-Electrocom in Konstanz im Bereich Postgutsortiermaschinen tätig. 1994 habilitierte er im Fachbereich Systemdynamik und Regelungstechnik und folgte 1997 einem Ruf an die Universität Bremen, wo er gleichzeitig als kollegialer Leiter des Instituts für Automatisierungstechnik fungierte. In seinen Forschungarbeiten beschäftigt er sich mit Methoden der Modellbildung und Modellreduktion dynamischer Systeme, mit autonomer Navigation durch 3D-Kamerasehen und mit aktiver Vibrationsminderung für Anwendungen im Kraftfahrzeug.

Zum 1. November 2004 wurde Dr. Frank Schiller auf das Extraordinariat für Automatisierungstechnik in der Fakultät für Maschinenwesen berufen. Der 1966 in Leipzig geborene Frank Schiller studierte von 1987 bis 1992 Elektrotechnik an der TU Dresden, arbeitete anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Hamburg-Harburg, wo er 1997 zum Thema ?Qualitative Diagnose technischer Prozesse" promovierte. Nach zwei Jahren bei der Siemens AG war er von 1999 bis 2000 als Projektleiter am Siemens Technology-To-Business Center in Berkeley, Kalifornien, für die Entwicklung eines neuartigen Programmiertools ("Programming by Demonstration") für Speicherprogrammierbare Steuerungen verantwortlich. Seit Ende 2000 arbeitete er an zentraler Stelle der Produktentwicklung fehlersicherer Steuerungen (S7-300F), um neue theoretische Konzepte zu entwickeln, umzusetzen und eine Zertifizierung zu ermöglichen. Sein Lehr- und Forschungsinteresse umfasst die Entwicklung, Optimierung und sicherheitstechnische Beherrschung automatisierungstechnischer intelligenter (zum Beispiel mechatronischer) Komponenten und deren informationstechnische Vernetzung in Produktionssystemen, die derzeit durch eine stetig wachsende Flexibilität, Komplexität und Funktionalität gekennzeichnet sind.