Die ersten chinesischen Drachen sind flügge

10.01.2005 - (idw) Fachhochschule Stuttgart, Hochschule der Medien

Dagmar Kierot und Natalie Plitz schließen ihr Studium im deutsch-chinesischen Studiengang mit Doppel-Diplom ab Die ersten beiden deutschen Studentinnen des deutsch-chinesischen Studiengangs Drucktechnik haben ihr Studium an der Stuttgarter Hochschule der Medien (HdM) mit einem Doppel-Diplom beendet. Ende Juli 2004 erhielten Dagmar Kierot und Natalie Plitz ihr Diplom von der Medienhochschule, im Herbst folgte die Abschlussurkunde der Technischen Universität Xi´an in China. Die Hochschulen hatten den Doppel-Studiengang 1999 gemeinsam eingerichtet.

Neben den fachlichen Anforderungen des Ingenieurstudiums werden im deutsch-chinesischen Doppel-Studiengang hohe Ansprüche an das Erlernen der Sprache und der Fachsprache gestellt. Die Studenten verbringen zwei Semester an der Technischen Universität Xi´an und absolvieren außerdem ein einsemestriges Praktikum in einem chinesischen Druckunternehmen. "Sie müssen so gute Sprachkenntnisse haben, dass sie Vorlesungen und Seminaren in der Fremdsprache folgen können. Die Prüfungen in China gelten als stressig und hart. Die Abschluss-Arbeit muss ebenfalls in chinesischer Sprache vorgelegt werden", berichtet Professor Eberhard Wüst, der den Studiengang damals gegründet hatte.

Die frisch gebackenen Absolventinnen können das nur bestätigen. Zwei Prüfungen pro Semester mussten gemeistert werden. "Das Pensum war heftig. In Xi´an standen vor allem Theorie und fachliche Tiefe im Vordergrund. Es gab weniger Anwendungsbeispiele aus der Praxis. Wir mussten vieles nachschlagen und recherchieren", erzählen Kierot und Plitz. "Trotz gelegentlicher Zweifel, ob wir das alles schaffen, haben wir uns durchgebissen." Der chinesische Sprachunterricht, der in Stuttgart auf dem Stundenplan steht, erleichtere die Herausforderung vor Ort zwar ein wenig. Das Überleben im Alltag werde dennoch zum Abenteuer, wenn etwa ein Besuch zum Zahnarzt ansteht. "Die Menschen in Xi´an sprechen Dialekt und auch die Umgangssprache hat nur wenig mit dem Chinesisch aus den Lehrbüchern gemeinsam", sagt Dagmar Kierot. Auf dem Campus der Technischen Universität waren die beiden Deutschen schnell integriert. "Wir waren die einzigen Studenten aus dem Ausland. Wir wurden sehr herzlich empfangen", erinnern sie sich. "Die Chinesen waren genauso neugierig wie wir." Vor allem wollten sie wissen, welche Lieder die Deutschen singen. Viel gelernt haben Kierot und Plitz auch im Praxissemester, das sie in einer Provinzdruckerei in Shaanxi verbrachten. Dort haben sie in der Druckvorstufe und im Offsetdruck mitgearbeitet. "Praktika sind in China nicht üblich. Für die Arbeiter war es schon ein ungewohnter Anblick, ausländische Gäste in ihrem Betrieb mit anpacken zu sehen."

Die Entscheidung für das Studium an der Stuttgarter Hochschule der Medien haben die beiden Frauen eher spontan getroffen: Dagmar Kierot hatte sich für ein Studium im Medienbereich interessiert, bei dem auch die Sprache nicht zu kurz kommt. Nach Recherchen stieß sie auf das deutsch-chinesische Studienangebot der HdM. Ohne genau zu wissen, was auf sie zukommt, habe sie sich an der Medienhochschule eingeschrieben. Für Natalie Plitz war die Kombination aus Technik und Sprache verbunden mit dem Studium im Ausland ausschlaggebend. Bereut haben die beiden ihre Studienwahl nie - und nach einem Arbeitsplatz mussten sie nicht lange suchen: Natalie Plitz arbeitet seit September 2004 als Ingenieurin im Vertrieb Asien des Druckmaschinenherstellers Koenig und Bauer in Radebeul bei Dresden. Ihre ehemalige Kommilitonin Dagmar Kierot zog es dagegen wieder ins Ausland. Nach dem Osten folgte der Westen. Seit Anfang Januar arbeitet Kierot in New York bei der Verpackungs-Design-Agentur Tri-Plex Packaging. Dort ist sie für die Produktion und Qualitätskontrolle in China zuständig.

Professor Eberhard Wüst sieht das Ausbildungskonzept bestätigt: "Die Absolventen des Doppel-Studiengangs sind gut gerüstet für die Zukunft. Nicht nur Großunternehmen interessierten sich für ihre Leistungen, sondern zunehmend auch die mittelständische Industrie. Sie besitzen interkulturelle Erfahrungen, die sie fit für die globale Arbeitswelt machen."

Im deutsch-chinesischen Studiengang Drucktechnik der HdM sind insgesamt 38 Studenten eingeschrieben, darunter elf Frauen. Zwölf Studenten kommen aus China. Der Studienbeginn ist nur zum Sommersemester möglich. Bewerbungsschluss ist am 15. Januar 2005. Insgesamt stehen zehn Anfängerstudienplätze zur Verfügung. Erste Kontakte nach China hat die Hochschule der Medien bereits 1985 geknüpft. Sie werden vom China-Projekt, einer Einrichtung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg und des Erziehungsministeriums der Provinz Shaanxi, koordiniert. Professor Eberhard Wüst leitet das China-Projekt.

Kontakt:
- Natalie Plitz, Telefon: 0172 2649 161, E-Mail: natalie.plitz@web.de
- Dagmar Kierot, Telefon: 07741 1468, 001 212 682 1040, E-Mail: dagmar_kierot@hotmail.com
- Prof. Eberhard Wüst, Leitung China-Projekt, Telefon: 0711 685 6636, E-Mail: wuest@hdm-stuttgart.de

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