Informatiker verfolgen die Huygens-Mission mit Spannung

12.01.2005 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

In den Vormittagsstunden des 14. Januar soll die von den Europäern gebaute Sonde Huygens in die Atmosphäre des Saturnmondes Titan eintauchen. Für Professor Klaus Schilling von der Uni Würzburg werden das besonders spannende Stunden sein: Der Informatiker war an der Konzeption der Sonde beteiligt und hat deren autonome Abstiegssteuerung mitentwickelt. Am 25. Dezember hat sich die nach dem Naturforscher und Titan-Entdecker Christiaan Huygens (1629-1695) benannte Sonde vom US-Raumschiff Cassini abgetrennt. Seitdem nähert sie sich dem Saturnmond, dessen dichte Atmosphäre sie im Verlauf der Landung erforschen soll.

Professor Schilling, Inhaber des Würzburger Lehrstuhls für Technische Informatik (Robotik und Telematik), hat am Bau der Abstiegssonde während seiner Zeit in der Raumfahrtindustrie mitgearbeitet: Er leitete ab 1985 im Bereich interplanetarer wissenschaftlicher Satelliten die Gruppe "Missions- und Systemanalysen" bei der Dornier System GmbH (heute: European Aeronautic Defence and Space Company, EADS).

Mit der Steuerung der Raumsonde Cassini/Huygens befasst sich Schilling auch in seiner öffentlichen Antrittsvorlesung. Diese findet statt am Donnerstag, 10. Februar, um 17.00 Uhr im Zuse-Hörsaal des Instituts für Informatik am Hubland.

Die Cassini/Huygens-Mission der NASA/ESA kam im Juli 2004 nach einer Reisedauer von knapp sieben Jahren im Saturnsystem an. Seither liefert sie interessante Bilder und Messdaten vom Saturn, seinen Ringen und seinen über 30 Monden. Mit den heute verfügbaren Raketen wäre es technisch unmöglich gewesen, das knapp sechs Tonnen schwere Raumschiff Cassini/Huygens bis zum Saturnsystem zu bringen. Das Vorhaben gelang dennoch - durch die Berechnung energieeffizienter Transferbahnen mittels gravitationsunterstützter Vorbeiflüge an den geeignet stehenden Planeten.

"Der Abstieg von Huygens durch die weitgehend unbekannte Titan-Atmosphäre stellt interessante Aufgaben an die autonomen Reaktionsfähigkeiten der Sonde", so Schilling. Da die Signale vom Titan zur Erde 67 Minuten lang unterwegs sind, müsse das Borddaten-Verarbeitungssystem den Fallschirmabstieg autonom steuern. Es habe selbstständig auf die aktuell gemessenen Charakteristiken der Atmosphäre zu reagieren, um die Sonde im vorgegebenen Zeitrahmen zu landen. Hierzu beschreibt der Informatik-Professor alternative Lösungsansätze auf der Basis von Echtzeit-Expertensystemen und adaptiven Regelungssystemen. Seinen Vortrag beendet er mit einem Ausblick auf das Anwendungspotenzial derartiger autonomer Steuerungsansätze in der industriellen Produktion und bei Roboterfahrzeugen.

Kontakt: Prof. Dr. Klaus Schilling, E-Mail: schi@informatik.uni-wuerzburg.de