Autos mit Hybridantrieb: Zeit für den Durchbruch

28.01.2005 - (idw) Eidgenössische Technische Hochschule Zürich

ETH-Forschende haben die Käufer des Toyota Prius, eines Autos mit Hybridantrieb, befragt, um die Marktchancen und die Umwelteffekte dieser Fahrzeuge zu untersuchen. Die Befragung zeigt, dass die Käufer auf ein gleich grosses Auto verzichten und damit der Treibstoffverbrauch im Vergleich zu den abgestossenen Vorgängerautos effektiv halbiert wird. Der neue Hybrid ist meist das Erstauto. Der Motorisierungsgrad steigt also auch mit dem Kauf des neuen Wagens nicht. Grosses Potential für die Entwicklung hin zu verbrauchsarmen Fahrzeugen wird der Hybridtechnologie zugesprochen. Weil Hybridautos zurzeit noch mehrere tausend Franken teurer sind als herkömmliche, gibt es in mehreren Kantonen einen Motorfahrzeugsteuer-Rabatt. Eine Forschergruppe der ETH Zürich stellte sich die Frage, wann und wie treibstoff-effiziente Technologien im Automobilsektor akzeptiert werden und in den Markt eindringen können.

Kaufverhalten von Toyota Prius Käufern erhoben

Dazu wurde eine Befragung bei den Käufern und Käuferinnen des Toyota Prius 2 durchgeführt. Der Prius 2, ein Mittelklassefahrzeug, erreicht dank Hybridantrieb und innovativer Technologie einen Benzinverbrauch von 4,3 l/100km. Er ist das zurzeit meistverkaufte Hybridfahrzeug in der Schweiz. Der Fragebogen - mit Fragen zu Kaufkriterien, weiteren Autos im Haushalt, welches Fahrzeug durch den Prius ersetzt wurde, Alter, Einkommen, Bildung und Haushaltsgrösse - wurde von über 80% aller Käufer und Käuferinnen der Schweiz ausgefüllt.

Technik und ökologische Kaufkriterien entscheidend

Die Studie zeigt, dass der typische Prius-Kunde männlich und 54 Jahre alt ist, über eine gute Schulausbildung verfügt und zu den Gutverdienenden gehört. Seine Aufmerksamkeit ist über Medienberichte geweckt worden. Aus sozio-demographischer Sicht ist er ein Mittelklasse-Käufer. Bei der Entscheidung für den Prius waren Technik und ökologische Kriterien wichtige Gründe. Für solche Fahrzeuge ist er bereit, mehr zu zahlen als für Modelle derselben Klasse mit herkömmlicher Antriebstechnik. Viele Käufer und Käuferinnen wollen auch ein Signal für die Hybridtechnik oder das Treibstoffsparen im Allgemeinen setzen.

Umstieg führt zu geringeren CO2-Emissionen

Die ETH-Forschenden konnten zeigen, dass es in der Käufergruppe zu keiner Erhöhung des Motorisierungsgrades kommt: nur für 33 von 300 Käufern (11%) ist der Prius ein Erst- oder Zusatzauto. Modellrechnungen zeigen, dass bei Mittelklasseautos mit rund 20% Erst- und Zusatzkäufen zu rechnen wäre. Weil aber immer wieder Haushalte auf ein Auto verzichten, erhöht sich die Anzahl Autos pro Haushalt in dieser Käufergruppe nicht. Unerwünschte Rückkopplungseffekte entstehen, wenn die Käufer und Käuferinnen vorher überwiegend Kleinwagen besassen und nun zum grösseren Hybridfahrzeug umgestiegen sind. Eine Auswertung aller Vorgängerfahrzeuge zeigt aber, dass diese mit einem mittleren Treibstoffverbrauch von 8,76 Liter auf 100 km einem durchschnittlichen, etwa 5 Jahre alten Personenwagen entsprechen. Der Wechsel zu einem Hybrid mit 4,3 Liter Verbrauch auf 100 km bedeutet damit, dass die CO2-Emissionen halbiert werden können. Die CO2-Emissionen reduzieren sich von 210 Gramm CO2 pro Kilometer auf neu noch 104 Gramm. Auch die Fahrzeuggewichte zeigen, dass der Prius ein mindestens gleich grosses Auto ersetzt.

Förderung von Hybridautos sinnvoll

Die ETH-Forschungsergebnisse zeigen, dass es in der Käufergruppe zu keinen unerwünschten Rückkopplungseffekten gekommen ist und die Verbrauchseinsparung somit voll zum Tragen kommt. Hybridfahrzeuge wie der Prius sprechen Mittelklasse-Käufer an. Weil gegenwärtig Hybridfahrzeuge in der Herstellung noch teurer sind, können staatliche Fördermassnahmen diese Preisdifferenz verkleinern und damit zu einer effektiven Energie-Einsparung führen.
Weitere Informationen: http://www.uns.ethz.ch/news - vollständige Studie im PDF-Format http://www.ethz.ch/news/pressreleases - Medien-Seite ETH Zürich