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Expressionismus > Phänomene (Sprachverknappung usw.)?
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Foren-Übersicht -> Deutsch-Forum -> Expressionismus > Phänomene (Sprachverknappung usw.)?
 
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Newbie
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Anmeldungsdatum: 26.02.2008
Beiträge: 7

BeitragVerfasst am: 26 Feb 2008 - 21:04:55    Titel: Expressionismus > Phänomene (Sprachverknappung usw.)?

Hy,

überall im Internet steht das,

- die Zerstörung der traditionellen Bildungssprache
- Sprachverknappung
- nominale Wortballungen
- Wortneuschöpfungen/ neue Syntaxformen

Stilmerkmale des Expressionismus sind... aber was bedeuten diese Phänomene? Nirgends wo ich gesucht habe steht konkret was sie sind.

Könnt ihr bitte helfen und kennt ihr ein expressionistisches Werk, an welchem man diese Phänomene erkennen kann??

Dankeschön
Generaltoni
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Anmeldungsdatum: 30.12.2005
Beiträge: 1729
Wohnort: Im Ruhrpott

BeitragVerfasst am: 26 Feb 2008 - 21:14:55    Titel:

Ich hausiere gerade für und mit diesem lang verkannten Text:

Schau dir mal hier ein recht anspruchvolles Gedicht aus Berlin an: eine Großstadt-Lyrik, unter stark kritischem Umwelt-Aspekt; das früheste, substanzielle Öko-Gedicht, das ich kenne.


Paul Boldt: "Auf der Terrasse des Café Josty" (1912):

http://lyrik.antikoerperchen.de/paul-boldt-auf-der-terrasse-des-cafe-josty,textbearbeitung,17.html
Xeltak
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Anmeldungsdatum: 29.02.2008
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 29 Feb 2008 - 14:08:51    Titel:

hm sehr interessant. Interessiert mich auch. Haben wir in der Schule auch nicht behandelt.

Kann Generaltoni vll erklären was die 4 Phänomene von dem Herrn oben genau bedeuten und wo sie in dem Beispielgedicht aus dem Link zu erkennen sind? Würde mich auch interessieren, da ich bald mit Studium beginne...
Xeltak
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Anmeldungsdatum: 29.02.2008
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 29 Feb 2008 - 14:10:56    Titel:

ist lustig, dass man auf den Forumlink stößt wenn man beim Recherchieren danach sucht.
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Anmeldungsdatum: 26.02.2008
Beiträge: 7

BeitragVerfasst am: 02 März 2008 - 12:39:47    Titel:

ja das ist natürlich die Frage
Generaltoni
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Anmeldungsdatum: 30.12.2005
Beiträge: 1729
Wohnort: Im Ruhrpott

BeitragVerfasst am: 02 März 2008 - 12:51:26    Titel: Re: Expressionismus > Phänomene (Sprachverknappung usw.)?

Füllwörter hat folgendes geschrieben:
Hy,

überall im Internet steht das,

- die Zerstörung der traditionellen Bildungssprache
- Sprachverknappung
- nominale Wortballungen
- Wortneuschöpfungen/ neue Syntaxformen

(...)schön


Ich glaube, beim extremen Textbeispiel "Patrouille" von Stramm kannst du alle vier Kriterien - und noch mehr Expressionistisches - erkennen und selber beschreiben lernen.

Stell dein Ergebnis hier mal vor.

http://lyrik.antikoerperchen.de/august-stramm-patrouille,textbearbeitung,20.html
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Anmeldungsdatum: 26.02.2008
Beiträge: 7

BeitragVerfasst am: 02 März 2008 - 12:58:03    Titel:

Danke ich werde den text jetzt durchgehen und als Beispiel nehmen! Du hilfst sehr. Danke!

Die Frage ist jedoch wie

- die Zerstörung der traditionellen Bildungssprache
- Sprachverknappung
- nominale Wortballungen
- Wortneuschöpfungen/ neue Syntaxformen

deifiniert werden. Was die einzelnen Punkte also genau sind? Ich werde jetzt den Text durchgehen und sehen ob ich die Dinge dazu erkenne. Mein ergebnis stelle ich dann hier rein.
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Anmeldungsdatum: 26.02.2008
Beiträge: 7

BeitragVerfasst am: 02 März 2008 - 13:39:17    Titel:

Nun da ich keine Definitionen gefunden habe, habe ich versucht mir die ergebnisse selber herzuleiten.

Als Erstes zu den Erklärungen, also was die Phänomene, die ich aufgezählt habe, bedeuten:

Zerstörung der traditionellen Bildungssprache

- neue, ungewohnte Ausdrucksform in der jeweiligen Zeit

Sprachverknappung

- Weglassen von Artikeln, Partikeln, Füllwörtern


Nominale Wortballungen


- nominal > zum Namen gehörend
- Wortballungen > Wortwiederholungen

Wortneubildungen/neue Syntaxformen

- Neologismen
- Ein Wort wird benutzt, was noch nicht bekannt ist, nicht im Duden steht > Wortneuschöpfung
- Neue Syntaxformen: neue Satzstruktur


nun habe ich versucht, die Phänomene an dem Gedicht, was Generaltoni vorgeschlagen hat und welches sehr interessant ist, zu erklären.
Mein problem sind die ersten zwei Verse, da ich nicht genau verstehe, was diese sagen.. das kann ich schonmal notieren.

hier das Gedicht:

Patrouille (1915)

Autor
: August Stramm
Epoche
: Expressionismus
Strophen
: 1,
Verse
: 6
Verse pro Strophe
: 1-6
Wörter
: 14,
Sätze
: 1

1 Die Steine feinden

2 Fenster grinst Verrat

3 Äste würgen

4 Berge Sträucher blättern raschlig

5 gellen

6 Tod.

so und nun dazu, wo die Phänomene deutlich werden!


Zerstörung der traditionellen Bildungssprache:

- ???
- … das kann ich mir leider nicht denken...


Sprachverknappung:

- weglassen von Artikeln (DIE Berge könnte es heißen)
- keine Konjunktionen (blättern raschlig UND gellen Tod)
- keine Füllwörter (es hat den Anschein, dass die Äste die Berge würgen und in der Tat kann man sagen, dass die Blätter raschlig blättern)
- nur 14 Wörter für ein Gedicht > Reduzierung auf das Wesentliche

Nominale Wortballung:

- ???
- ich sehe keine Wortwiederholungen in dem Gedicht

Wortneubildungen:

- RASCHLIG > das Wort steht nicht im Duden
- Sträucher blättern und rascheln???

Neue Syntaxformen:

- nur 1 Satz
- keine Kommata
- Satzstruktur teilweise nicht ganz eindeutig, da das Vorhandensein von Subjekt und Prädikat dem Fehlen der Satzzeichen widerspricht.
- Bsp.: würde man gedanklich Kommata setzten wäre es eine Aufzählung von Wahrnehmungen
- man könnte einen Nebensatz im Gedicht z.B. mit „Berge” (V.4) einleiten als auch beenden, je nachdem, ob die Äste die Berge würgen (V.3/4) oder ob Berge und Sträucher rascheln (V.4). Ich komme zu dem Schluss, dass es logischer ist, das Komma nach „Berge” zu setzen, da Berge keine Blätter haben, mit denen sie rascheln könnten (V.4), aber von Ästen der auf ihnen wachsenden Bäumen scheinbar gewürgt werden können (V.3).


so..ich hoffe, dass man dazu jetzt nochmal ein kleines Statement abliefern kann.

Hilft anscheinend ziemlich wenn man dieses Forum besucht! Danke.
Jetzt muss ich nur noch die zwei Dinge erfassen, dann bin ich bereit dazu zu reden und die Epoche allgemein zu verstehen!
Generaltoni
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Anmeldungsdatum: 30.12.2005
Beiträge: 1729
Wohnort: Im Ruhrpott

BeitragVerfasst am: 02 März 2008 - 14:23:48    Titel:

Zitat:
"Nominale Wortballungen

- nominal > zum Namen gehörend
- Wortballungen > Wortwiederholungen"

Da soll auch heißen:

häufiger und mehr Nomen als gewöhnlich in sachlich beschreibender oder erzählerisch gestalteter Sprache.

Ein markantes Beispiel aus Loerkes "Blauer Abend in Berlin": "Im Dünen, Kommen, Gehen, Gleiten, Ziehen." - Also? Nominalisierte Verben! - Und was bedeutet diese Verbalisierungs-Variation für die Interpretation...?

Siehst du, das steckt doch alles in dir. Du musst es durch Selber-Formuliern zu einem eigenen, kompetenten Sprachgefühl entwickeln.

Der "Loerke" könnte nach den Beschreibungen ein Exempel für eine Klausur sein.
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Anmeldungsdatum: 26.02.2008
Beiträge: 7

BeitragVerfasst am: 02 März 2008 - 18:55:20    Titel:

ok, meinst du damit also das nominale Wortballungen gar keine Wortwiederholungen sind? Wortwiederholungen fidnet man ja z.b. bei Heyms Gedichten.

und was hat es mit der Zerstörung der traditionellen Bildungssprache auf sich?

Meint man damit, dass es untypisch war dass man wie im Bsp. "Patrouille" zu erkennen, über Krieg zu reden. Geht es hierbei um das Anwenden von bestimmten Wörtern?

Verstanden habe ich aufjedenfallm, dass es keine konkreten Defintionen dazu gibt, sondern dass man selber zum Ergebnis kommen muss.
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