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Edgar Allen Poe's Berenice
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Foren-Übersicht -> Deutsch-Forum -> Edgar Allen Poe's Berenice
 
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Horsty
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Anmeldungsdatum: 16.11.2005
Beiträge: 55

BeitragVerfasst am: 17 Mai 2008 - 20:33:33    Titel: Edgar Allen Poe's Berenice

Guten Tag

Ich habe ein kleines Problem, an dem ich nicht weiter komme.
Deswegen wende ich mich jetzt an euch.

Ich schreibe über die Geschichte "Berenice" von Edgar Allen Poe. Es soll eine Zusammenfassung vom Inhalt und eine Interpretation enthalten.

Die Zusammenfassung habe ich bereits verfasst, jedoch hänge ich jetzt an der Interpretaionund und komme nicht weiter.

Natürlich habe ich schon einen Ansatz gemacht, aber ich weiß nicht, inwiefern das richtig und vollständig ist, deswegen würde ich mich sehr über eure Hilfe freuen.
Außerdem gibt es zu dieser Geschicht nicht viele Materialien im Internet.

Mein Ansatz zur Interpretation:

"In dieser Geschichte von Edgar Allen Poe, wird der Zustand des Ich-Erzählers und seiner Cousine beschrieben. Man kann erkennen, wie sich im Laufe der Zeit der Zustand Egaeus verschlechtert.
Der Ich-Erzähler Egaeus, lebt zusammen mit seiner Cousine in einem Schloss, doch eine Krankheit überschattet ihn. Er lebt wie in Trance und bekommt Zeitweise nichts von seiner Umwelt mit und kann sich hinterher an nichts erinnern. Man könnte es mit Drogenkonsum vergleichen.
Aus Edgar Allen Poes Biographie, kann man entnehmen, dass einige Jahre nach seiner Geburt seine Mutter starb. Dieses Ereignis überträgt Poe in diese Geschichte als Motiv, für die Krankheit Egaeus.
"

P.S.
Ich hoffe es ist so weit ok, aber es wirkt etwas kurz, jedoch fällt mir dazu nichts mehr ein. Über weitere Ansätze würde ich mich sehr freuen.


Gruss

Horsty Smile
Beau
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Anmeldungsdatum: 05.11.2005
Beiträge: 6875
Wohnort: Frankreich

BeitragVerfasst am: 17 Mai 2008 - 22:26:31    Titel: Re: Edgar Allen Poe's Berenice

Horsty hat folgendes geschrieben:
Edgar Allen Poe

Ich dachte, der Mann heißt Edgar Allan Poe?

Beau
________________________________________________
Bruno58
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Anmeldungsdatum: 15.03.2008
Beiträge: 91

BeitragVerfasst am: 17 Mai 2008 - 22:46:51    Titel:

Hallo Horsty

Dies nur als Hinweis: Poe hat der "Gothic Tale" ein wesentliches neues Element hinzugefügt. Während in den englischen "Gothic novels" (= Schauerromane) der Schrecken entweder äusserst real war ("The Monk" von 'Monk' Lewis) oder sich letztlich als Machenschaft eines Bösewichts herausstellte (Romane von Mrs. Radcliffe), wirkt der Erzähler bei Poe oft selber derart "unzuverlässig", dass man gar nicht weiss, ob das Grauen am Ende überhaupt als real oder als Phantasieprodukt verstanden werden muss. In der langen Einleitung in "Fall of the House of Usher" wandert der Erzähler etwa durch ein Moor, dessen giftige Dämpfe ihn völlig umnebelt haben könnten; deshalb bleibt offen, wie real die folgende Geschichte über die Rückkehr der lebendig Begrabenen ist. Aehnlich verhält es sich beim eindeutig unter einer geistigen Umnachtung leidenden Erzähler der "Berenice" (er lebt - du sagst es ja selber - wie in Trance).

Man könnte in diesem Zusammenhang Poe's Alkoholismus und Opiumkonsum ins Spiel bringen. Wichtiger aber erscheint mir eine andere Sache: Seine Erzählungen wirken gerade wegen der letztlichen Ungewissheit unheimlicher auf den Leser als frühere "Gothic Tales". Es handelt sich bei ihnen um das, was er in seinem Gedicht "A Dream Within A Dream" zu beschreiben versuchte.

Diese Erzeugung von Ungewissheit wurde später etwa auch von Henry James, der die "Gothic Tradition" zur Erkundung der Befindlichkeit des frühen Modernismus nutzte, effektvoll eingesetzt. So erfahren wir in "Turn of the Screw" nie, ob sich die unheimlichen Begebenheiten (Kinder werden von den Geistern verstorbener Dienstboten in Besitz genommen) tatsächlich ereignen oder nur der Einbildungskraft einer offensichtlich hysterischen Gouvernante zuzuschreiben sind. Es geht also letztlich um den Zweifel, auch den Zweifel an einer Realität, die wir als gegeben hinnehmen. Und das macht Poe bis heute so modern.

Gruss
Bruno58
Horsty
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Anmeldungsdatum: 16.11.2005
Beiträge: 55

BeitragVerfasst am: 18 Mai 2008 - 15:13:55    Titel: Danke

Hallo.

Danke, erstmal für eure Antworten, einige neue Dinge habe ich gelernt und konnte ich gebrauchen.


Gruss


Horsty Smile
Leoni
Senior Member
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Anmeldungsdatum: 19.05.2005
Beiträge: 1096
Wohnort: Bochum

BeitragVerfasst am: 18 Mai 2008 - 16:54:06    Titel: Re: Edgar Allen Poe's Berenice

Hi Hosty!

Poste doch mal deinen Ansatz inklusive deiner Zusammenfassung, dann kann man es sich besser vorstellen.

Horsty hat folgendes geschrieben:
Der Ich-Erzähler Egaeus, lebt zusammen mit seiner Cousine in einem Schloss, doch eine Krankheit überschattet ihn. Er lebt wie in Trance und bekommt Zeitweise nichts von seiner Umwelt mit und kann sich hinterher an nichts erinnern. Man könnte es mit Drogenkonsum vergleichen.


Was ist denn mit den Zähnen? Das ist doch irgendwie das wichtigste Motiv in der Geschichte und bedarf unbedingt einer Interpretation. Warum ist er so auf die Zähne fixiert? Seine zunehmende Geisteskrankheit würde ich beschreiben, zumal sie auch in anderen Geschichten vorkommt. War nicht auch was mit den Haaren?

Zitat:
Aus Edgar Allen Poes Biographie, kann man entnehmen, dass einige Jahre nach seiner Geburt seine Mutter starb. Dieses Ereignis überträgt Poe in diese Geschichte als Motiv, für die Krankheit Egaeus.

In Wikipedia wird aber mehr zur Biografie gesagt und auch direkt auf die Geschichte bezogen. Das trifft ja nicht nur die Krankheit, sondern insbesondere das mütterliche Verhältnis zu seiner Cousine.

http://de.wikipedia.org/wiki/Berenice_%28Poe%29

Da fehlt aber noch soooooooooooooooo viel in deiner Interpretation.

Was ist denn mit dem Lebendig-Begraben-Sein? Das ist doch fast schon ein Leitmotiv in Poes Werk, genauso wie der Tod einer schönen Frau und die Typiserung der Figuren (sie schön, er intellektuell).
Bruno58
Junior Member
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Junior Member


Anmeldungsdatum: 15.03.2008
Beiträge: 91

BeitragVerfasst am: 19 Mai 2008 - 04:00:52    Titel:

Liebe Leoni

Vorsicht mit Verweisen auf Wikipedia!!! - Ich bin grundsätzlich kein Anhänger eines psychologisierend-postivistischen (auch "biographisierend" genannt) Herangehens an einen Text; gleichzeitig will ich aber niemandem seine Vorlieben für bestimmte Methoden wegnehmen - der Pluralismus ermöglicht oft neue Sichtweisen. Es tut mir also Leid, dass ich wieder mal Einspruch erheben muss, aber bedenke: Wikipedia ist eine populärwissenschaftliche Angelegenheit, der man grundsätzlich mit Misstrauen begegnen sollte!

Tatsächlich wissen wir so gut wie nichts über Poe's Biographie und inwiefern er in seinen Werken sein Gefühltes und Erlebtes umsetzte. Mir stiess als ehemaligem Anglisten schon Horsty's Verweis auf den Tod von Poe's Mutter sauer auf; denn die tatsächlichen wissenschaftlichen Kenntnisse werden im Artikel "Poe's Problematic Biography" auf der folgenden Seite treffend zusammengefasst:

http://www.eapoe.org/geninfo/poebiog.htm

Es leuchtet ein, dass man aufgrund von Poe's völlig neuartigen und psychologisierenden Texten regelrecht dazu verführt wird, den Ursachen im biographischen Bereich auf die Spur zu kommen (bei manchen Autoren lohnt sich dies durchaus!). - Im Falle von Poe kennen wir nicht einmal sein genaues Geburtsdatum oder die Ursache seines Todes in Armut. Die Berichte von Zeitgenossen gehen weit auseinander, es gibt kaum erwiesene Fakten. Besonders unmöglich ist uns ein Blick in sein Seelenleben als mögliche Quelle für seine Gedichte und Kurzgeschichten.

Was also haben wir denn überhaupt? - Es gibt ein paar literaturtheoretische Essays aus seiner Feder (meines Wissens nicht unbedingt vielsagend); und es gibt natürlich die bis dahin kurzeTradition der amerikanischen "Short-Story". Und von dieser müssen wir - nolens, volens - ausgehen.

Ich habe Horsty auf die Tradition der englischen "Gothic Novel" aufmerksam gemacht und das Neue bei Poe dahingehend zu bezeichnen versucht, dass seine Erzählungen den Leser bezüglich der REALITAET des Unheimlichen im Ungewissen lassen. Wie dieses Neue erreicht wird, zeigt ein Blick auf die bisherige Entwicklung der oben erwähnten - typisch amerikanischen - Gattung. - Washington Irving gilt als Erfinder der "Short Story", obwohl in seinem "Sketch Book" nur zwei davon existieren: "Rip van Winkle" und "Sleepy Hollow". Beide beschäftigen sich schon mit dem Uebernatürlichen, dem Unheimlichen; als wäre dieser Bereich für die Gattung besonders interessant. Es ist also auch nicht erstaunlich, dass Nathaniel Hawthorne's Kurzgeschichten immer wieder ins Uebernatürliche abdriften. In seiner hierzulande kaum bekannten Erzählung "Young Goodman Brown" schildert er etwa die Geschichte eines jungen Mannes aus dem dem Hexenwahn verfallenen Salem, der nachts von einem Fremden (vermutlich dem Teufel) in den Wald geführt wird und dort feststellen muss, dass sämtliche Dorfbewohner - auch seine Frau Faith - bereits dem Satan verfallen sind. Am Morgen kehrt er zurück; der nächtliche Spuk könnte ein wüster Traum gewesen sein. Aber er hat sein Vertrauen ("faith") in das Dorf und in seine Frau verloren. Beachte das allegorische Element, welches schon bei Irving eine Rolle spielte.

Neu bei Poe ist: er arbeitet nicht mehr mit allegorischen Mitteln, sondern mit Symbolen, die dem Unheimlichen erst recht den nötigen "Touch" verleihen und im Leser jenes von mir erwähnte Gefühl der Ungewissheit auslösen. - Ich bin dir deshalb auch besonders dankbar, dass du Horsty auf die grauenerregenden Zähne und die verfärbten Haare aufmerksam gemacht hast. Die kompakte Geschichte liesse sich Satz für Satz auf solche im Leser Grauen auslösende Mittel untersuchen. - Roger Corman's Verfilmungen ist es (ich gestehe dies mit Scham ein) recht gut gelungen, die Poe'sche Atmosphäre einzufangen. - Das Unheimliche wird auch von Melville und James weitergeführt, entwickelt sich also zu einem regelrechten Sujet der "Short Story".

Ich nehme nun freilich an, Horsty's Lehrkraft (vermutlich Gymnasium) werde auch mit den von dir hinzugefügten biographischen Hinweisen zufrieden sein. Mein "wissenschaftliches Gewissen" liess mir aber trotzdem keine Ruhe, und ich denke, meine Warnung vor zu viel Vertrauen in Wikipedia sollten sich auch andere Forumsteilnehmer zu Herzen nehmen (sollte ich nun tot aufgefunden werden, mit einem grossen blutigen "W" auf der Brust, böte dies Anlass zu einer weiteren Gruselgeschichte).

Gruss
Bruno58
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