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Verständnisfrage: An Schwager Kronos
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*erdbeere*
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Anmeldungsdatum: 20.08.2006
Beiträge: 1113

BeitragVerfasst am: 28 Dez 2008 - 19:22:57    Titel: Verständnisfrage: An Schwager Kronos

Hi ihr Lieben!
Ich habe ein paar Verständnisfragen bzgl. des Gedichtes "An Schwager Kronos" von Goethe...Könnte mir jmd helfen? Es geht nicht um eine Analyse sondern nur damit ich es inhaltlich verstehe!
Danke!

Spude dich, Kronos!
Fort den rasselnden Trott!
Bergab gleitet der Weg;
Ekles Schwindeln zögert
Mir vor die Stirne dein Zaudern.
Frisch, holpert es gleich,
Über Stock und Steine den Trott
Rasch in's Leben hinein!

Nun schon wieder
Den eratmenden Schritt
Mühsam Berg hinauf!
Auf denn, nicht träge denn,
Strebend und hoffend hinan!

Weit, hoch, herrlich der Blick
Rings in's Leben hinein,
Vom Gebirg' zum Gebirg'
Schwebet der ewige Geist,
Ewigen Lebens ahndevoll.

Seitwärts des Überdachs Schatten
Zieht dich an,
Und der Frischung verheißende Blick
Auf der Schwelle des Mädchens da.
Labe dich - Mir auch, Mädchen,
Diesen schäumenden Trank,
Diesen frischen Gesundheitsblick!

Ab denn, rascher hinab!
Sieh, die Sonne sinkt!
Eh' sie sinkt, eh' mich Greisen
Ergreift, im Moore Nebelduft,
Entzahnte Kiefer schnattern
Und das schlotternde Gebein.

Trunknen vom letzten Strahl
Reiß mich, ein Feuermeer
Mir im schäumenden Aug',
Mich geblendeten Taumelnden
In der Hölle nächtliches Tor.

Töne, Schwager, in's Horn,
Raßle den schallenden Trab,
Daß der Orcus vernehme: wir kommen,
Daß gleich an der Türe
Der Wirt uns freundlich empfange.

Ich habe hier leider noch ein paar inhaltliche Frage zu dem Gedicht Sad
Die dritte Strophe verstehe ich irgendwie gar nicht! Ist das lyrische Ich jetzt sozusagen auf dem Höhepunkt seines Lebens angekommen? Aber was hat das mit dem ewigen Geist auf sich?!

4.Strophe: Was bedeutet "Labe dich"?!
6+7Strophe: Das lyrische Ich hat keine Angst vor dem Altern? Nur es will,dass sein Tod schnell vorbeigeht...ohne Alterserscheinungen wie entzahnte Kiefer etc.? Und es will freiwillig in die Hölle?? und erwartet dort einen freundlichen Empfang ?
Tlaloc
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Anmeldungsdatum: 10.12.2008
Beiträge: 168

BeitragVerfasst am: 28 Dez 2008 - 21:50:56    Titel:

"Sich an etwas laben" (reflexiv) bedeutet dieses zu genießen, sich daran zu stärken, zu erfrischen oder - etwas pathetischer ausgedrückt - sich daran zu ergötzen. Das Substantiv ist "Labsal".

Die einzelnen Strophen der Hymne beschreiben die Episoden eines Lebens und Strophe 3, die wohl der späten Jugend oder der Adoleszenz entspricht, paraphrasiert auch noch die typische "Sturm und Drang" Mentalität. In den Versen der Strophe findest du dann auch typische SuD Motive wieder: Optimismus, Schaffensdrang, Tatkraft, Idealismus und Vorfreude. Die Mühelosigkeit mit der der Geist "vom Gebirg' zum Gebirg'" quasi "schwebet", gibt dem einzelnen Moment ein Gefühl oder den Beigeschmack "ewigen Lebens". Die totale Identifikation mit bzw. die totale Involvierheit in eine/r Tätigkeit lässt jegliches Zeitgefühl verloren gehen. In der Motivationspsychologie nennt man dieses Phänomen Flow.

In Strophe 6 erlebt das Lyrische Ich seinen Sterbensprozess, während es noch von seinem vergehenden Leben berauscht ist, wobei das "schäumende(...) Aug'" seine Trauer zum Ausdruck bringt, worauf die Unkenntnis über das Danach ins Bewusstsein rückt ("Mich geblendeten Taumelnden"). Es scheint jedoch keine Todesangst zu empfinden und mit seinem Leben friedlich abgeschlossen zu haben. Goethe bedient sich der griechisch-römischen Mythologie, weshalb eine Himmel-Hölle Einteilung hier zweifelhaft wäre. Wahrscheinlich ist "Hölle" als Synonym für die gesamte Unterwelt und nicht bloß den Tartaros zu verstehen, zumal in Strophe 7 vom "Orcus" die Rede ist, der in der Regel entweder die Unterwelt als Ganzes oder den Unterweltgott, also Hades/Pluto, bezeichnet.

Interessant wäre es zu klären, wer das Lyrische Ich ist, dass es Kronos (oder die durch diesen personifizierte Zeit) seinen Schwager nennt. Prometheus läge nahe, doch der ist nicht dessen Schwager, sondern Neffe.
Leoni
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Anmeldungsdatum: 19.05.2005
Beiträge: 1096
Wohnort: Bochum

BeitragVerfasst am: 29 Dez 2008 - 01:02:02    Titel: Re: Verständnisfrage: An Schwager Kronos

*erdbeere* hat folgendes geschrieben:
Ich habe hier leider noch ein paar inhaltliche Frage zu dem Gedicht Sad
Die dritte Strophe verstehe ich irgendwie gar nicht! ... 4.Strophe:...
6+7Strophe: ...

Interessant wäre es gewesen zu erfahren, wie du die anderen Strophen verstanden hast. Die ersten beiden Strophen haben dir demnach keine Probleme bereitet, aber man erfährt von dir nichts dazu. Worum geht es denn eigentlich? usw.

Verständnisfragen hin und her, aber es ist irgendwie kein Ansatz da ... Confused
*erdbeere*
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Anmeldungsdatum: 20.08.2006
Beiträge: 1113

BeitragVerfasst am: 29 Dez 2008 - 04:56:04    Titel:

ich verstehe irgendwie nicht wieso das lyrische ich unbedingt in die hölle will??!! ich finde nicht,dass in dem gedicht klar wird, dass er so ein schlechtes leben gehabt hat, dass er sich jetzt auf die hölle freut?! sozusagen dass die hölle schöner ist als sein bisheriges leben?
er hätte doch auch schreiben können,dass er ins paradis will?
hat jemand darauf eine antwort Sad ???
Ajarion
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Anmeldungsdatum: 29.08.2008
Beiträge: 106

BeitragVerfasst am: 29 Dez 2008 - 13:07:23    Titel:

"Schwager" kann auch "Kutscher" bedeuten, wodurch das lyrische Ich sich sozusagen in einer gedachten Kutsche befände und der Gott der Zeit selbst diese fahren würde...

Wie schon Tlaloc schrieb, verwendet Goethe Hölle und Orcus, ergo (wohl vorrangig) christliche- und griechisch-antike Mythologie. Von hier aus könnte man behaupten, dass es dem lyrischen Ich völlig egal ist, ob der postmortale Bereich nun "Hölle" oder "Orcus" genannt wird - es ist völlig irrelevant, dass es hier zwei Kulturbereiche miteinander mischt, es scheint einzig darauf anzukommen, dass die Sprechinstanz a) mit hoher Geschwindigkeit das, was nach dem Tod kommt, erreicht, b), dass die Sprechinstanz dort in einer spezifischen Weise empfangen wird: "freundlich"...
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