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Kasus von Substantiven bestimmen
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Akhilananda
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Anmeldungsdatum: 24.06.2009
Beiträge: 22

BeitragVerfasst am: 24 Jun 2009 - 06:20:46    Titel: Kasus von Substantiven bestimmen

Hallo,
ich habe folgendenen Text zu bearbeiten:

"Eines Abends - es ist jetzt etwa ein Jahr her - besuchte mich mein Onkel. Er brachte mir zwei Bilder mit, die er, wie er sagte, auf einer Auktion günstig ersteigert hatte. Es handelte sich um zwei, große, echte, schwere Ölgemälde, auf Leinwand mit postosem Aufwand gemalt, in dicken, vergoldeten Rahmen. Beide stellten Hochgebirgslandschaften dar, mit Schneebergen, Almhütten und heimkehrenden Holzfällern. Der einzige wesentliche Unterschied war der, dass die eine Landschaft im Lichte der untergehenden Sonne erstrahlte, während sich über der anderen ein Gewitter zusammenzog."

Aufgabe:
Bestimmen Sie bei den ersten zwölf Substantiven den Kasus.

Jahr - Akkusativ (Was ist her?)
Onkel - Nominativ (Wer besucht mich?)
Bilder - Akkusativ (Was brachte er?)
Auktion - Dativ (Wo hat er die Bilder ersteigert?)
Ölgemälde - Nominativ (Was sind es?)
Leinwand -Akkusativ (Auf was sind sie gemalt?)
Aufwand -Wie muss ich da fragen?
Rahmen -Wie muss ich da fragen?
Hochgebirgslandschaften - Akkusativ (Was stellen sie dar?)
Schneebergen - Akkusativ (mit wen?)
Almhütten - Akkusativ (mit wen?)
Holzfällern - Akkusativ (mit wen?)
Unterschied -Wie muss ich da fragen?

Stimmt das? Wenn nein, wie muss ich vorgehen?
Vielen Dank!
Vesar
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Anmeldungsdatum: 24.04.2008
Beiträge: 1360
Wohnort: Toulouse/Frankreich

BeitragVerfasst am: 24 Jun 2009 - 07:06:18    Titel:

Jahr - Akkusativ ist richtig, aber die Frage ist falsch. Es handelt sich um einen Akkusativ der Zeit.
Auktion - Dativ ist richtig. Der richtige Begriff heißt Lokativ. (Umstandsbestimmung des Ortes).
Ölgemälde - Akkusativ (Um wen oder was handelt es sich?) Pass auf, dass du das richtige Verb zum Fragen nimmst.
Aufwand - keine Frage nötig. Du hast es mit einer Präpositionalphrase zu tun. Die Präposition "mit" verlangt stets den Dativ.
Rahmen - Dativ. Auch hier eine Präpositionalphrase. "In" kann den Dativ oder den Akkusativ verlangen. Hier erkennst du aber an der starken Kasusmarkierung über dem ersten Adjektiv (dicken), dass es sich um den Dativ handelt, ansonsten hätte es "in dicke" geheißen.
Schneebergen, Almhüuten, Holzfällern. - Dativ. Wie oben: "mit" verlangt stets den Dativ. Kommt dir die Frage "Mit wen?" nicht selbst komisch vor? Das kann gar nicht gehen.
Unterschied - Nominativ. Komisch, bei Ölgemälde hattest du zunächst Nominativ gesagt und die Frage mit dem Verb sein konstruiert. Hier findest du erneut das Verb sein und bist unfähig, hier den Nominativ zu bestimmen? Sein ist ein Kopulaverb, dessen Glieder stets im Nominativ stehen. Ausnahme: Wenn sein zur Bildung einer zusammen gesetzten Zeitform verwendet wird.
Akhilananda
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Anmeldungsdatum: 24.06.2009
Beiträge: 22

BeitragVerfasst am: 24 Jun 2009 - 23:35:06    Titel: Kasus von Substantiven bestimmen

Hallo,
vielen Dank für die schnelle Hilfe und die Tipps.

Gruß
akhilananda
Klimperkasten
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Anmeldungsdatum: 14.02.2007
Beiträge: 3408

BeitragVerfasst am: 25 Jun 2009 - 00:08:13    Titel:

Vesar, beim ersten Satz:"Es ist ein Jahr her" steht "ein Jahr doch im Nominativ! - Ersetze doch einmal das Wörtchen "her" durch "vergangen"!
"Es ist ein Jahr vergangen" . - Wer oder was ist vergangen? - Es! - Aber "ein Jahr" ist Prädikatsnomen und "vergangen" ist Prädikatsverb. - Das Wörtchen "her" zählt zu "sein", also "her sein".

Klimperkasten mit müden Augen

Wink
Vesar
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Anmeldungsdatum: 24.04.2008
Beiträge: 1360
Wohnort: Toulouse/Frankreich

BeitragVerfasst am: 18 Jul 2009 - 09:45:18    Titel:

Du hast Recht, liebe Klimperkasten, es handelt sich um einen Objektprädikativ, also NOM. Komme leider erst jetzt dazu, die alten Threads ein bisschen aufzuarbeiten.
Arborius
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Anmeldungsdatum: 07.03.2009
Beiträge: 383
Wohnort: Bin nicht mehr hier,

BeitragVerfasst am: 18 Jul 2009 - 10:32:04    Titel:

Aber was ist mit Sätzen, wie: "Es ist einen Tag her"? Der Akkusativ war schon richtig.
Vesar
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Anmeldungsdatum: 24.04.2008
Beiträge: 1360
Wohnort: Toulouse/Frankreich

BeitragVerfasst am: 18 Jul 2009 - 11:07:35    Titel:

Meine Güte, an die männliche Form habe ich gar nicht gedacht. Stimmt, vollkommen richtig, ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil.

Dazu kommt, dass wir bei Klimperkastens Vorschlag eine Angleichung zwischen echtem Subjekt und dem Verb haben. Außerdem können wir das Platzhalter-Es weglassen:

Es sind drei Wochen vergangen. - Drei Wochen sind vergangen.

Das können wir bei der Form mit "her" nicht. Und das Verb ist in der Relation mit "es" im Singular blockiert. Das gilt als weiteres Indiz.

Das Verb vergehen ist ein eingliedriges Verb, das nur ein über ein Komplement im NOM regiert. "Her" ist allerdings nur ein separates Präfix. Es handelt sich demnach vollkommen richtig um einen Akkusativ der Zeit.

Klimperkasten hat aber insofern Recht, als her + Nominalphrase zur Prädikation gehören. Die Nominalphrase gehört demnach zum Rhema und ist nicht mehr Teil des objektivierten Diskurses.
Teekessel
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Anmeldungsdatum: 02.04.2007
Beiträge: 209

BeitragVerfasst am: 18 Jul 2009 - 13:01:07    Titel:

Hmmm, ich bin nicht so ganz einverstanden damit, "auf der Auktion" als Lokativ zu bezeichnen. Klar handelt es sich um ein Präpositionalobjekt mit "auf" + Dativ, welches einen Ort bestimmt, aber den Begriff Lokativ würde ich doch eher nur in Verbindung mit eigenständigen Kasus bezeichen, wie sie z.B. in den slavischen Sprachen vorkommen.

Einige Beispiele:

Russisch:
Москва - Moskau (Nominativ)
Москве - Moskau (Lokativ)

Говорим o Москве. - Wir sprechen über Moskau.
Мы в Москве. - Wir sind in Polskau.

Polnisch:
Polska - Polen (Nominativ)
Polsce - Polen (Lokativ)

Mówimy o Polsce. - Wir sprechen über Polen.
Jesteśmy w Polsce. - Wir sind in Polen.

Teilweise wird im Russischen der Lokativ als Präpositiv bezeichnet, weil er nur nach Präpositionen vorkommt. Historisch gesehen handelt es sich jedoch um den ur-indoeuropäischen Lokativ, der in den slavischen Sprachen bis heute überlebt hat.
Weitere Sprachen mit eigenständigen Kasus für räumliche Beziehungen sind u.a. die Turksprachen, die finno-ugrischen Sprachen und teilweise in Resten sogar Latein.

Edit:
Da Vesar nach eigenen Angaben anscheinend Germanistik-Dozent ist, lasse ich mich natürlich eines besseren belehren, falls es doch üblich sein sollte, Präpositionalobjekte mit lokativischer Funktion als Lokativ zu bezeichnen. Ich jedoch würde diese Bezeichnung für Konstruktionen im Deutschen nicht verwenden, bzw. höchstens um semantische Kasus bzw. thematische Rollen zu bestimmen, nicht aber morphosyntaktische Eigenarten Wink
Vesar
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Anmeldungsdatum: 24.04.2008
Beiträge: 1360
Wohnort: Toulouse/Frankreich

BeitragVerfasst am: 18 Jul 2009 - 13:11:09    Titel:

Machen wir ein bisschen Sprachgeschichte.
Durch den Kasusschwund vom Indogermanischen zum Neuhochdeutschen kam es dazu, dass Funktionen, die eigenständige Kasuskategorien innehatten, von Präpositionalkonstruktionen übernommen wurden. Anfangs dienten diese lediglich dazu, bei Kasussynkretismus verschiedene Kasusfunktionen voneinander zu unterscheiden. Aber die immer häufigere Verwendung dieser Präpositionalkonstruktionen führte dazu, dass die Funktionsbestimmung nicht mehr vom Kasus selbst, sondern von der Präposition übernommen wurde.
So wurde von den ursprünglich 8 Kasus (Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Ablativ, Lokativ, Instrumental) die Funktionen des Ablativs, Lokativs und Instrumentals vom Dativ übernommen. Du hast insofern Recht, als es sich um keinen eigenständigen Kasus handelt, sondern vielmehr um die Konstruktion Präposition + Dativ-Nominalphrase, dennoch hat der Dativ innerhalb dieser Konstruktion die Funktion des Lokativs übernommen. In diesem Sinne kann der Lokativ als morphosyntaktische Eigenart genannt werden, da er eine der Funktionen des Dativs darstellt, die sich auf der Oberfläche durch die Kennzeichnung der morphosyntaktischen Kategorien über der NP abzeichnen. Wenn du dieses Element auf den Kasusträger erweiterst, der ja eine komplexe Struktur im Syntagma darstellt, beziehst du schon die gesamte PP mit ein. Letztendlich hängt alles davon ab, wie du Kasus definierst, als Kasuskategorie, Kasusform, Kasusträger oder Kasusfunktion. Denn der Dativ allgemein wie auch der Lokativ im Besonderen sind alle vier gleichzeitig oder eben nur eine der vier Kasusdefinitionen. Worauf du dich dabei beziehst, ist dir überlassen. Ich will damit nur sagen, dass du dich nicht nur auf eine Form versteifen sollst.

edit: Ich bin übrigens gerade dabei, die Theta-Rollen oder Tiefenkasus, so wie sie von Fillmore und dann seinen Nachfolgern bestimmt worden sind, anders einzuteilen. Denn es ist diachronisch gesehen kein Zufall, dass Funktionen des Ablativs und Lokativs gerade vom Dativ übernommen wurden. Die gleiche Tendenz lässt sich im Genitiv-Schwund beobachten, dessen Funktionen ja auch zunehmend vom Dativ übernommen werden. Anders ausgedrückt, ich glaube, dass wir uns in der Betrachtung der Bedeutung und der Funktionen der Kasus eigentlich von den semantischen Rollen entfernen müssen. Damit meine ich nicht, dass es keine Tiefenlogik in Bezug auf die Oberflächenmarkierung gibt, eben nur eine andere, jedenfalls für mich.

Die andere Schwierigkeit, die du ansprichst, ist jene der Definition. Du hast Recht, ich bin Germanistik-Dozent, allerdings in Frankreich. Wir haben hier in großen Teilen andere Begriffe und Definitionen als ihr in Deutschland. Was die Grammatik betrifft, seid ihr in Deutschland noch viel zu sehr in der traditionellen Grammatik stecken geblieben. Gerade deswegen dürfte dir der Begriff Lokativ keine Schwierigkeiten bereiten. Bei uns wäre dies besipielsweise kein Präpositionalobjekt sondern ein "complément circonstanciel de lieu" oder eine lokative/lokale Umstandsbestimmung, um es auf Deutsch zu sagen, da die PP nicht Objekt des Diskurses ist. Objekt darf hier aber nicht als grammatisches Objekt verstanden werden, sondern im sprachphilosophischen Sinne als Objektivierung eines Elements, um es im Diskurs zeigbar zu machen, Vgl. dazu Begriffspaar onoma/rhema, aus dem die traditionelle Grammatik die schlimmste Tragödie der Grammatikgeschichte gemacht hat, nämlich Subjekt-Verb.
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