Studium, Ausbildung und Beruf
 StudiumHome   FAQFAQ   RegelnRegeln   SuchenSuchen    RegistrierenRegistrieren   LoginLogin

Falllösung Strafrecht
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen
Foren-Übersicht -> Jura-Forum -> Falllösung Strafrecht
 
Autor Nachricht
jura2208
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 09.02.2011
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 09 Feb 2011 - 19:04:16    Titel: Falllösung Strafrecht

Hallo.
Bin neu in diesem Forum und habe eine dringende Frage: Ich komme mit dem ersten Teil meines Sachverhalts nicht zurecht.

Kurze Zusammenfassung:
Es kommt zu einem Wetttrinken zwischen A und B in ihrer Stammkneipe. A weiß um die "Trinkfestigkeit" des B und fürchtet zu verlieren. Er lässt sich daher von einem Eingeweihten zunächst nur Wasser servieren. B merkt dies erst nach mehreren Runden, als er bereits eine BAK von 2,3 Promille aufweist. In der alkoholbedingten irrigen Vorstellung, er könnte A trotzdem schlagen trinkt er weiter, wird nach dem 24. Glas ohnmächtig und verstirbt kurz darauf. A ist darüber entsetzt, denn er hatte mit dieser Möglichkeit nich gerechnet.

Hat A sich strafbar gemacht?

Ich weiß nicht weiter. Habe mir schon überlegt, dass ich evtl. die strafbarkeit aus § 222 fahrlässige tötung oder § 223 körperverletzung prüfen muss aber ich halte das alles für abwegig, da B ja eigenverantwortlich gehandelt hat?! Bin ratlos.
Ich danke euch für eure Hilfe!
Arva van Harben
Junior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Junior Member


Anmeldungsdatum: 07.03.2006
Beiträge: 94

BeitragVerfasst am: 09 Feb 2011 - 20:00:41    Titel:

Wie wäre es denn mit Körperverletzung mit Todesfolge. Und die fängst Du an zu prüfen. Und diskutierst dann mal im Rahmen der Zurechnung die Frage nach der eigenverantwortlichen Selbstgefährdung aus.
Tipp 1: Ich bin mir "sicher", dass es zu der Frage Literatur gibt. Sogar Urteile. Da bin ich mir sehr sicher!
Tipp 2: Bevor B das gemerkt hat. Vielleicht hat er in ein Wetttrinken eigenverantwortlich eingewilligt. Aber hat er in ein Wettrinken eigenverantwortlich eingewilligt, bei dem der andere Wasser trinkt?
Als B das gemerkt hat: Kann man mit einer BAK von 2,3 noch eigenverantwortlich entscheiden?
jura2208
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 09.02.2011
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 09 Feb 2011 - 22:46:41    Titel:

hmm hab auch schon an körperverletzung mit todesfolge gedacht...aber ich hab irgendwie ein problem damit. also, ich meine, A hat B ja nicht aktiv körperlichen oder gesundheitlichen schaden zugefügt. und töten wollte er ihn schon gar nicht.
wenn A dem B jetzt zb den schnaps eingeflößt hätte oder so würd ich sagen, dass war ne aktive handlung. B hat den schnaps ja freiwillig gesoffen. auch nachdem er gemerkt hat, das A zuerst "geschummelt" hat. ich weiß nicht wie ich mit dieser "Inaktivität" des A umgehen soll...Ich kann mir da kein Prüfungsschema aufbauen. *lost* Sad
rOYAL.
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 19.06.2008
Beiträge: 2093
Wohnort: Heidelberg

BeitragVerfasst am: 10 Feb 2011 - 02:41:21    Titel:

Klar gibts hierfür ein Urteil. Ein Kneipenbesitzer hatte mit einem Jugendlichen um die Wette besoffen, wobei er selbst nur Wasser und sein Contra ständig Tequlia getrunken hatte. Muss vor etwa zwei Jahren gewesen sein. Bin zu betrunken um selbst zu suchen.
Arva van Harben
Junior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Junior Member


Anmeldungsdatum: 07.03.2006
Beiträge: 94

BeitragVerfasst am: 10 Feb 2011 - 15:53:33    Titel:

*seufz*
Ich wollte mir Aktenzeichen etc. sparen, weil ich in nem anderen Beitrag geschriebe habe, dass der "vemeintlich bekannte Fall" eine ziemlich gute Falle sein kann.
Aber nachdem Royal schon so angefangen hat:
LG Berlin, Urt. vom 3.7.2009, Az.: (522) 1 Kap Js 603/07 Ks (1/08 ), - juris.
BGH, Beschl. vom 24.3.2010, Az.: 5 Str 31/10 verwirft die (Sprung)Revision des Angeklagten als unbegründet. LG Berlin ist damit rechtskräftig.
Bekannt ist der Fall als „Tequila-Prozess“.
Vgl. dazu auch NStZ 2011, 67.
Da wird’s zu dem Thema ggf. noch mehr geben, ich hatte nur keine Lust mehr zum Suchen!


Zum Fall:
Die Inaktivität, die Du hier hast, ist genau das Problem an der Stelle.

Mach Dich erstmal von der Vorstellung los, man braucht, um strafbar zu werden, eine aktive Handlung. Es reicht nämlich sogar ein Unterlassen. Oder ein Zustand. Hier haben wir nämlich sowas – A schafft durch seine Handlung ein Risiko! Es geht darum, dass derjenige, der über ein Geschehen die Herrschaft hat, auch die Verantwortung trägt.
Du findest das unter „Eigenverantwortliche Selbstgefährdung“ in jedem AT-Lehrbuch. Das ist ein Problem der objektiven Zurechnung. Einen schönen Aufbau findet man im Kindhäuser, S. 97.
Du machst also ne ganz normale Prüfung (eben im Rahmen des jeweiligen Deliktes), Du solltest Dir noch klausurtaktisch und von dem, was Du aufbautechnisch kannst, überlegen, ob Du 212, 222, 223, 227 prüfst oder 212 oder 227. Schau dazu mal in den Joecks.
Und wenn Du beim Prüfungspunkt „Objektive Zurechung“ angekommen bist, schreibst Du genau die Bedenken hin. B hat ja freiwillig getrunken. Aber: Am Anfang hat er deswegen freiwillig Schnaps getrunken, weil A ja auch Schnaps (!!!) trinkt. Zumindest glaubt B das. Und dann stellt sich die Frage, ob B zu einem Zeitpunkt, wo er 2,3 hat, noch aktiv steuerfähig ist und das Risiko noch überblicken kann. Denn ansonsten hat auch dnan noch A die Herrschaft über das Geschehen!
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Foren-Übersicht -> Jura-Forum -> Falllösung Strafrecht
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.

Chat :: Nachrichten:: Lexikon :: Bücher :: Impressum