Studium, Ausbildung und Beruf
 StudiumHome   FAQFAQ   RegelnRegeln   SuchenSuchen    RegistrierenRegistrieren   LoginLogin

Hausarbeit Strafrecht Anfänger - Tübingen Frage. .
Gehe zu Seite 1, 2, 3  Weiter
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen
Foren-Übersicht -> Jura-Forum -> Hausarbeit Strafrecht Anfänger - Tübingen Frage. .
 
Autor Nachricht
katjesohnefett
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 07.02.2009
Beiträge: 22

BeitragVerfasst am: 28 Feb 2015 - 15:07:49    Titel: Hausarbeit Strafrecht Anfänger - Tübingen Frage. .

Hey,

schreibe gerade die Hausarbeit im Strafrecht für Anfänger und komme bei der Prüfung einer Person nicht weiter.

Hier ein Teil des SV:


Eines Abends sitzt Studentin Bella (B) in ihrer Lieblingsbar und traut ihren Ohren nicht: Am
Nachbartisch diskutieren Student Traugott (T) und Gotthilf (G) darüber, wie sie sich an Juraprofessor
X für die schlecht bewertete Studienarbeit rächen können. Die beiden Studenten fassen den Plan, X
in seinem Lieblingsitaliener „Lambrusco“ mittels einer Bombe mit Fernzünder zu beseitigen. Dabei
soll T das Material für die Bombe besorgen, da nur er über die geeigneten Kontakte verfügt.
Gemeinsam wollen T und G die Bombe bauen. G soll sie an Ort und Stelle platzieren und den Fernzünder betätigen.



Nun zu meinem Problem:



B findet diese Idee spitze, da sie
endlich die Gelegenheit sieht, den ihr lästigen Verehrer Victor (V) ganz ohne Drama loszuwerden.
Sie schickt V sofort eine „What’s Up“-Nachricht und vereinbart für Freitag ein Date im allseits beliebten „Lambrusco“.

Die Bombe wird dann auch tatsächlich gezündet und V und weitere 22 Personen sterben.

Kann mir irgendjemand einen Tipp geben, was ich seitens B prüfen soll/muss?

Vielen Dank!
Babsiee
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 27.02.2015
Beiträge: 19

BeitragVerfasst am: 28 Feb 2015 - 18:07:35    Titel:

Hallo, in Betracht kommt § 138 hinsichtlich den 22 Personen, hinsichtlich des V kommt Mord in mittelbarer Täterschaft Betracht.
katjesohnefett
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 07.02.2009
Beiträge: 22

BeitragVerfasst am: 01 März 2015 - 00:05:09    Titel:

Hey,

Erstmal danke für die Antwort Smile

An mittelbare Täterschaft habe ich auch gedacht, allerdings ist doch für die mittelbare Täterschaft üblich, dass der Hintermann das Gesamtgeschehen kraft seines planvoll lenkenden Willens "in der Hand" hat. Also Herrschaft des mittelbaren Täters über die Handlungen des Tatmittlers.

Das ist hier aber gerade nicht der Fall. [/tex]
Porfavor
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 18.11.2008
Beiträge: 1477
Wohnort: Mainz

BeitragVerfasst am: 01 März 2015 - 00:48:43    Titel:

Auch hinsichtlich der 22 Personen und B kommt Mord (unabhängig von der Beteiligungsform) in Betracht, hier liegt doch zweifelsohne dolus eventualis vor? Die B muss ja davon ausgehen, dass nicht nur V (V ist X, oder?) da sein wird.

Mir stellen sich jetzt ein paar Fragen (Ich denke, du hast etwas weggelassen.):

Woher wissen T und G, dass V/X nun in dem Restaurant sein wird? Hat B es ihnen erzählt? Ist V/X vielleicht immer dort?

Im übrigen ist diese Situation einem Fall gleich gelagert, zu dem ich mir oft den Kopf zerbrochen habe und dann doch bei Beihilfe gelandet bin.

Der Fall war der folgende:

T kann den O nicht leiden und will dessen Tod. Er weiß aber, dass auch K den Tod des O will. T weiß nun, dass K den O töten wird, wenn dieser im Krankenhaus ist (warum gerade da, weiß ich nicht mehr.). Deshalb bricht T dem O den Arm. O kommt ins Krankenhaus und wird von K - der nichts von T weiß - getötet.

Hier haben wir einen voll strafbaren Haupttäter. Fraglich ist, wie sich T strafbar gemacht hat.

(ich beziehe mich nun auf beide Fälle)

Mittelbare Täterschaft muss m.E. daran scheitern, dass eben objektiv die Voraussetzungen nicht vorliegen. So siehst du das ja auch. Aber auch subjektiv denkt B ja nicht, dass sie die beiden steuern kann, sie ihr Werkzeug sind, sondern sie weiß, dass sie eine eigene Tat begehen.

Eine Mittäterschaft scheidet natürlich aus, eine Anstiftung auch.

Nun könnte man noch an versuchte mittelbare Täterschaft denken. Aber das ist eben m.E. nicht der Fall, weil (s.o.) B weiß, dass beide defektlos handeln.

So ist es m.E. eine Beihilfe. Dass G und T davon wissen, ist nicht Voraussetzung.

Nun zur Frage, wie man das dogmatisch löst:

(hab das von meinen Notizen schnell kopiert und die Personen ersetzt)

Fraglich ist aber, wie man das vorsätzlich vollendete Begehungsdelikt scheitern lässt. Die Besonderheit besteht darin, dass keine Fallgruppe des Ausschlusses bei der objektiven Zurechnung passt. Denn B handelt kausal und auch vorsätzlich. Einen atypischen Kausalverlauf kann man im konkreten Fall gerade nicht annehmen.

Daher muss man sagen, dass ein vorsätzliches Dazwischentreten Dritter stets die objektive Zurechnung ausschließt. Dass B hier möglicherweise besser steht, als wenn sie sich mit dem T und dem G abgesprochen hätte (Mittäterschaft), muss man hinnehmen.

Entscheidendes Argument ist, dass der Täter bei der überholenden Kausalität auch nicht strafbar ist. Wenn B den V also lebensgefährlich verletzt und T und G den V dann töten, ist B nur wegen Versuchs strafbar. Der objektive Tatbestand scheidet aber aus. Folglich muss der objektive Tatbestand hier erst recht ausscheiden.

Ein Versuch liegt hier schließlich nicht vor, weil es am unmittelbaren Ansetzen insofern fehlt, dass A gerade nicht durch seine Handlung (allein) den Tod des O herbeiführen wollte. Er leistete nur eine Vorbereitungshandlung, was aber gerade der Beihilfe entspricht.


Der Punkt ist für mich eben, dass der objektive Tatbestand hier ausscheidet. Klar will man der B wegen ihres Vorsatzes gerne die mittelbare Täterschaft aufdrücken, aber das ist hier auch nicht angezeigt, weil es bei dem Institut der mittelbaren Täterschaft darum geht, auch jemanden zur Verantwortung zu ziehen, wenn der Vordermann gerade nicht strafbar ist, sich möglicherweise nicht frei entscheiden konnte. Kann er dies aber, so ist die B dafür objektiv nicht verantwortlich zu machen. Sie hat die Tat lediglich gefördert, aber nicht begangen.


Wichtig ist letztlich - egal, zu welchem Ergebnis du kommst - dass du diskutierst, was hier warum vertreten wird.
Porfavor
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 18.11.2008
Beiträge: 1477
Wohnort: Mainz

BeitragVerfasst am: 01 März 2015 - 00:59:27    Titel:

Übrigens wird hier immer der § 308 StGB vergessen, auch in den Lösungen. Mach du nicht den Fehler!
katjesohnefett
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 07.02.2009
Beiträge: 22

BeitragVerfasst am: 01 März 2015 - 02:33:14    Titel:

Hey Smile

Danke für deine Antwort.

Genau, hinsichtlich der 22 anderen Personen liegt dolus eventualis vor.

T und G wissen, dass X in dem Restaurant ist, weil X jeden Freitag in dem Restaurant zu Abend isst.

Dass die mittelbare Täterschaft ausscheidet, ist für mich verständlich, weil eben die Voraussetzungen nicht vorliegen.

Anschließend prüfe ich eine versuchte mittelbare Täterschaft, die daran scheitert, dass B wusste, dass kein Defekt vorliegt. Soweit auch klar.

Was ich allerdings bei deiner Antwort nicht ganz verstehe ist, bei welcher Prüfung der obj. TB entfallen soll und wie du auf die überholende Kausalität kommst?

In meinem Fall liegt doch überhaupt keine überholende Kausalität vor?!
katjesohnefett
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 07.02.2009
Beiträge: 22

BeitragVerfasst am: 01 März 2015 - 02:48:04    Titel:

Eine Versuchsprüfung kann ich mir doch ohnehin sparen, oder?

Da falle ich spätestens bei der Vorprüfung raus, weil die Tat vollendet ist ( 23 Menschen sind bereits tot ), also erübrigt sich doch der Versuch?
Babsiee
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 27.02.2015
Beiträge: 19

BeitragVerfasst am: 01 März 2015 - 04:34:26    Titel:

B zündet doch nicht den Sprengsatz, sondern T und G, wenn ich das richtig verstanden habe, so kann sie doch niemals unmittelbare Täterin sein, schon gar nicht hinsichtlich 22 Personen.
§ 308 StGB wird wohl in kaum einer Prüfungsordnung zum Pflichtfachstoff gehören. Ich hab mal auch in einer Klausur einen Tatbestand geprüft, der vorlag, aber nicht in der JAPO war; wurde mir von Korrektor mangels Relevanz angestrichen, seitdem beschränke ich mich auf den Pflichtfachstoff.
Porfavor
Senior Member
Benutzer-Profile anzeigen
Senior Member


Anmeldungsdatum: 18.11.2008
Beiträge: 1477
Wohnort: Mainz

BeitragVerfasst am: 01 März 2015 - 04:51:37    Titel:

Mein Denkfehler: Versuchte mittelbare Täterschaft ist natürlich nicht strafbar.^^ Nur eine vorliegende mittelbare Täterschaft im Versuch eines Delikts ist strafbar, wenn also der Vordermann im Versuch ist.

Hier erübrigt es sich, ja.

Wenn du die Strafbarkeit von B nach §§ 212 I, 211 Var. XY, 25 I Alt. 2 StGB prüfst, musst du irgendwo "rausfliegen". Das wäre m.E. bei der objektiven Zurechnung im objektiven Tatbestand. Also nach dem üblichen Prüfungsschema prüfst du ja sowas wie "Strafbarkeitsmangel beim Vordermann" und "Herrschaft des Hintermannes über das Werkzeug". Das kann m.E. nur für Standardfälle gelten. Der vorliegende Fall liegt dem "Täter hinter dem Täter" nahe, für den eine Ausnahme diskutiert wird. Vorliegend besteht zwar ein Wissen, aber keine Wissensherrschaft, weil die Vordermänner selbst voll deliktisch handeln. Deswegen scheidet hier m.E. die Zurechnung aus.

Man kann das natürlich auch schon bei der Prüfung einer unmittelbaren Täterschaft ansprechen. Kausal ist die WhatsApp/Up-Nachricht zwar, aber es liegt dann ein vorsätzliches Dazwischentreten Dritter vor.

Das mit der überholenden Kausalität war nur ein Vergleich, da hier der Täter auch nur wegen des Handlungsunrechts strafbar ist, der objektive Tatbestand aber an der Zurechnung scheitert. Das liegt eben auch ein Dazwischentreten Dritter vor.

Die Beihilfe kannst du m.E. problemlos bejahen. Die ist aber ja nur relevant, wenn keine (mittelbare oder unmittelbare) Täterschaft vorliegt.

Allerdings könnte man jetzt auch noch eine Unterlassungsstrafbarkeit aus Ingerenz andenken. Ob das bei vorsätzlichem Vorverhalten der Fall sein kann, ist umstritten. Dagegen spricht halt eindeutig, dass dann jeder der eine (notwendige) Vorbereitungshandlung leistet (Beihilfe) als Täter strafbar wäre.
katjesohnefett
Newbie
Benutzer-Profile anzeigen
Newbie


Anmeldungsdatum: 07.02.2009
Beiträge: 22

BeitragVerfasst am: 01 März 2015 - 12:21:28    Titel:

@Babsiee genau, unmittelbarer Täter kann B nicht sein, weil G den Sprengsatz zündet.
Ob ich $308 noch prüfe, hängt davon ab, ob ich am Ende der Hausarbeit noch Platz habe Very Happy.

@Porfavor vielen Dank, du hast mir wirklich weiter geholfen Smile.
Allerdings stellt sich mir jetzt noch die Frage, was bei der Beihilfe die Beihilfe Handlung der B sein soll? Ich meine, in wie fern hat B die Tat gefördert oder zu ihr verholfen?
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Foren-Übersicht -> Jura-Forum -> Hausarbeit Strafrecht Anfänger - Tübingen Frage. .
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Gehe zu Seite 1, 2, 3  Weiter
Seite 1 von 3

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.

Chat :: Nachrichten:: Lexikon :: Bücher :: Impressum