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Wahrheit in der Wissenschaft
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Systemdynamiker
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Anmeldungsdatum: 29.10.2008
Beiträge: 184

BeitragVerfasst am: 01 Dez 2016 - 19:26:16    Titel: Wahrheit in der Wissenschaft

Als Nichtphilosoph und Hobby-Wissenschaftstheoretiker möchte ich eine Aussage einer wissenschaftlichen Gesellschaft zur Diskussion stellen, die mich seit bald vier Jahren irritiert:
"Fazit: Die eingangs gestellte Frage, ob die Aussagen des KPK über die Richtung des Impulsstroms experimentell überprüfbar sind, muss verneint werden. Deshalb ist die vom KPK eingeführte Richtung des
Impulsstroms eine willkürlich festgelegte Konvention, der keine objektive Realität zukommt: Es gibt diesen Strom in der Natur nicht. Damit hat der KPK-Impulsstrom auch keinen Platz im Gebäude der Physik und ganz gewiss auch nicht im Physikunterricht."
Kann man von einer Wissenschaft behaupten, dass sie ein festes Gebäude bildet, indem gewisse Ideen Platz haben und andere nicht?
Was versteht man in der Wissenschaftsphilosophie unter objektiver Realität? Gibt es auch subjektive Realitäten?
Können konsequent angewendete Konventionen nicht auch Teil einer Wissenschaft sein? Wer und was entscheidet, ob eine Konvention legitim ist oder nicht?
Horst
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Anmeldungsdatum: 09.09.2004
Beiträge: 112
Wohnort: Sachsen-Anhalt

BeitragVerfasst am: 01 Dez 2016 - 23:08:45    Titel:

Habe das Thema jetzt nur überflogen, weil ich mich bis heute nicht damit beschäftigt habe.

Was ist KPK?
Ein Konzept oder Vorschlag zur Neustrukturierung des Physikunterrichts an Schulen und Hochschulen?

Wird von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft abgelehnt:
Zitat:
Sie begründet ihre Ablehnung damit, dass der Karlsruher Physikkurs eine grundsätzlich falsche Vorstellung von Physik erzeuge und den Schülerinnen und Schülern Konzepte beibringe, die inhaltlich fragwürdig bzw. falsch seien.

https://de.wikipedia.org/wiki/Karlsruher_Physikkurs

Was gibt es dazu zu sagen?
Gelehrt kann sicherlich nur das werden, was allgemein anerkannt ist und nichts was fehlerhafte oder falsche Vorstellungen erzeugen könnte.

Auf Deine Frage eingehend, die Wahrnehmung der eigenen Umwelt entspricht einer subjektiven Realität, denn niemand kann mit Sicherheit wissen, ob es zwei Menschen gibt, die z.B. Farben völlig gleich sehen. Wir lernen nur dieselben Bezeichnungen für unsere Sinneseindrücke zu benutzen.
Eine Theorie, die sich prüfen und bestätigen lässt und somit gelehrt werden kann, sollte sich halt unabhängig von einer subjektiven Wahrnehmung nach einheitlichen Kriterien prüfen und bestätigen lassen, ohne dass dabei von Wissenschaftlern in China andere Ergebnisse protokolliert werden als in Europa.

Hier geht es wohl weniger um neue Ideen im Bereich der Wissenschaft, die haben Esoteriker auch, hier geht es wohl mehr darum, welche dieser neuen Ideen bereits anerkannt genug und es wert sind, in den Unterricht mit einzufließen.
Systemdynamiker
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Anmeldungsdatum: 29.10.2008
Beiträge: 184

BeitragVerfasst am: 02 Dez 2016 - 07:49:41    Titel: Weltbild

Diese Geschichte hat mehrere Aspekte, z.B. einen wissenschaftlichen, einen didaktischen, einen bildungspolitischen oder einen ethischen. Mir geht es hier um den wissenschaftstheoretischen Aspekt oder konkreter um das Wissenschaftsverständnis dieser Gutachter. Hier ein Beispiel zur Erklärung der beiden Konzept, das klassische und dasjenige des KPK.

Didaktische Untersuchungen zeigen, dass unabhängig vom Ausbildungsstand nur etwa 30% der Studierenden das 3. Newtonsche Axiom verstanden haben. Bei validierten Tests sind 70% der Probanden nicht in der Lage zu erkennen, dass die anschiebende Lok mit der gleichen Kraft auf den Güterwagen einwirkt wie dieser auf die Lok zurück wirkt, oder dass man beim Seilziehen die Kräfte an den beiden Seilenden nicht zur Gesamtkraft auf das Seil zusammen zählen darf.

Der KPK umgeht diese Schwierigkeiten, indem er die Newton-Axiome nicht einführt (Sakrileg!) und direkt mit dem Impuls beginnt. Als Folge davon fliesst beim Seilziehen ein Impulsstrom im Kreis herum. Solche Aussagen irritieren die Kritiker, weil in einer symmetrischen Anordnung eine Vorzugszichtung eingeführt werden muss und weil auch in statischen Anordnungen etwas fliessen kann. Das sind aber alles theoretisch erklärbare Bilder und Betrachtungsweisen. Mich irritieren die "Gutachter", welche fundamentalistisch-religiös argumentieren.
Horst
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Anmeldungsdatum: 09.09.2004
Beiträge: 112
Wohnort: Sachsen-Anhalt

BeitragVerfasst am: 02 Dez 2016 - 10:26:19    Titel: Re: Weltbild

Systemdynamiker hat folgendes geschrieben:
Didaktische Untersuchungen zeigen, dass unabhängig vom Ausbildungsstand nur etwa 30% der Studierenden das 3. Newtonsche Axiom verstanden haben.

Zitat:
„Kräfte treten immer paarweise auf. Übt ein Körper A auf einen anderen Körper B eine Kraft aus (actio), so wirkt eine gleich große, aber entgegen gerichtete Kraft von Körper B auf Körper A (reactio).“

Gut, ich möchte jetzt nicht behaupten, dass mir das in allen Lebenslagen meiner subjektiv wahrgenommenen Realität bewusst wird. Ein Hammer, der meinen Daumen trifft, scheint subjektiv wahrgenommen recht einseitig eine Wirkung zu entfalten. Versuche ich die Angelegenheit objektiv zu betrachten, wird mir aber schon klar, dass Erde und Mond sich gegenseitig beeinflussen.

Doch wie möchte KPK das nun erklären?
Das verstehe ich nun wieder nicht so ganz und wäre nicht Newton wichtiger und das andere mal für eine Erwähnung gut?
Systemdynamiker
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Anmeldungsdatum: 29.10.2008
Beiträge: 184

BeitragVerfasst am: 02 Dez 2016 - 16:58:40    Titel: KPK

Eigentlich wollte ich mit meiner Frage eine Diskussion über die wissenschaftstheoretische Dimension des DPG-Gutachtens anstossen.

Aber ich kann hier auch etwas zur Struktur des KPK und zur Systemphysik sagen. Die zwei Newton-Axiome bilden zusammen mit dem Gravitationsgesetz eine ideale Grundlage für die Bewegung von Himmelskörper (Fernwechselwirkung). Im menschlichen Erfahrungsraum braucht es andere Grundlagen (ausser beim Wurf mit zu vernachlässigendem Luftwiderstand). Zudem fehlt in der Newtonschen Punktmechanik die ganze Energiebetrachtung. Diese wird meist später und unabhängig von den Newton-Axiomen nachgeliefert.

Nun müsste ich eine längere Abhandlung über die Systemphysik schreiben. Stattdessen biete ich ein Video zu einem Stossproblem an. Mir ist kein Physikkurs bekannt, der solche Prozesse derart umfassend darstellt. Aber urteilen Sie selber:
https://www.youtube.com/watch?v=oKPWCEpUIaY
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