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Lohndumping bei der Spargelernte
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coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 31 Jan 2006 - 10:19:35    Titel:

Wenn man sich das Beispiel Deutschland mal ansieht, so kann man doch auch sagen, dass z.B. in München die Lebenshaltungskosten wesentlich höher sind als im Rest Deutschlands. Trotzdem kommt niemand auf den Gedanken zu sagen, dass wir den Münchner Markt vom Rest des deutschen Gesamtmarktes separieren.

Warum sollten wir es in Europa machen? Kurzfristig kommt es hier in der Tat zu einigen kleinen Friktionen, aber langfristig werden sich Lebensstandards, Preisniveaus etc anpassen. Wir haben also nicht mehr D als mehr oder weniger gleichen Markt, sondern irgendwann ganz Europa als mehr oder weniger gleichen Markt (sofern wir bei EU-Erweiterungen mal etwas vorsichtiger sind).

Ich möchte nochmals darauf hinweisen, dass der letzte Spargel, den ich gegessen habe, 0,99€/kg gekostet hat.
Freidenker
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 344
Wohnort: Auf´m Sofa

BeitragVerfasst am: 31 Jan 2006 - 11:54:53    Titel:

@coffeinjunky

Vorab etwas zu Deinem Spargel zum Preis von 0,99€. Es gibt verschiedene Güteklassen und Preisdifferenzierungen bzgl. des Herkunftlandes. In wie weit das sinnvoll ist, können wir die Gourmets unter sich ausmachen lassen. Vielleicht hattest Du auch einen Resteangebot. Meine Kilopreise habe ich aus dem Web.

Zitat:
Wenn man sich das Beispiel Deutschland mal ansieht, so kann man doch auch sagen, dass z.B. in München die Lebenshaltungskosten wesentlich höher sind als im Rest Deutschlands. Trotzdem kommt niemand auf den Gedanken zu sagen, dass wir den Münchner Markt vom Rest des deutschen Gesamtmarktes separieren.
Die Differenzen bei den Lebenshaltungskosten zwischen München und Hamburg sind auch nicht so groß, daß die Hamburger mit Lohndumping in München für Arbeitslosigkeit sorgen. Die Polen tuen das hier jedoch sehr wohl. Aber weil die Verhältnisse so extrem unterschiedlich sind, besteht Handlungsbedarf. Ich will nicht sagen, daß ich das für einen besonders glücklichen Weg ansehe, doch ich hätte Polen ja auch nicht in die EU geholt!


Zitat:
Kurzfristig kommt es hier in der Tat zu einigen kleinen Friktionen, aber langfristig werden sich Lebensstandards, Preisniveaus etc anpassen.
Diese "kleinen" Friktionen sorgen hier für Arbeitslosigkeit, Staatsverschuldung, Zwangsarbeit und öffentliche Verunglimpfung von Arbeitslosen. Immerhin will Merkel Arbeitslose zur Erntearbeit zwangsrekrutieren. Da scheinen mir die von mir vorgeschlagenen Lösungsansätze der menschenfreundlichere Weg zu sein, bei dem es fast keine Verlierer gibt.

"Kurzfristig" bedeutet, für ca. 5 Jahre. In diesem Punkt bist Du offenbar der größere Optimist von uns beiden. Wenn ich mir das Tempo der Veränderungen in den neuen Bundesländern anschaue, fehlt mir der Glaube, daß das Lohnniveau sich in Polen auch nur mittelfristig dem unseren anpassen wird. Auch steht der Vorwurf der Faulheit von Fr. Merkel gegenüber den Arbeitslosen ja aktuell im Raum. Wir sollten den Herausforderungen der Gegenwart auch nicht tatenlos, mit dem Hinweis auf eine bessere, entfernte Zukunft, gegenüber stehen. Wenn das Lohnniveau sich in Polen dem unseren angeglichen hat, braucht man vermutlich auch keine vorgeschriebenen Lohnstandards mehr und kann die Preisbildung dem Markt überlassen.
Sheep
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Anmeldungsdatum: 14.06.2005
Beiträge: 972

BeitragVerfasst am: 31 Jan 2006 - 12:22:07    Titel:

Freidenker hat folgendes geschrieben:
Die Löhne für den Exportspargel nach Deutschland können ruhig höher sein, da auf dem deutschem Markt auch die Umsätze pro Einheit höher sind und damit die höheren Löhne für den poln. Bauern bezahlbar sind. Es muß natürlich von der EU überwacht werden, daß der Exportspargel mit dem innereuropäischen Lohnstandard hergestellt wird.


Damit treibst Du die Kosten für polnischen Spargel, der auf heimischen Märkten verkauft werden soll, künstlich in die Höhe. Das nennt man Schutzzölle, und das widerspricht dem Grundgedanken der EU mehr als nur "ein wenig". Das ist mit EU-Recht nicht machbar, und damit würden - auch wenn wir das Recht ändern - wir uns schnell selbst ein Bein stellen, denn Protektionismus können auch andere Länder betreiben. Nur dem "Exportweltmeister" tut das natürlich vergleichsweise mehr weh.
Freidenker
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 344
Wohnort: Auf´m Sofa

BeitragVerfasst am: 31 Jan 2006 - 14:42:31    Titel:

@Sheep

Sind Lohnstandards innerhalb einer Wirtschaftszone Schutzzoll? Der Umsatz auf dem hiesigen Markt wird ja jetzt auch realisiert. Der Mindestlohn würde nur einen Teil des Gewinns vom Zwischenhandel in die Taschen des poln. Erntehelfer verschieben. Kommt der poln. Bevölkerung also zugute. Da wird der Gewinn der Wertschöpfung also auf mehr Köpfe in Polen verteilt. Eigentlich doch keine schlechte Sache.

Eine Gefahr für unsere Exportmöglichkeiten würde ich aus Lohnstandards, begrenzt auf den Spargelanbau, nicht ableiten. Dafür ist der Spargelmarkt zu klein und unbedeutend.
Sheep
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Anmeldungsdatum: 14.06.2005
Beiträge: 972

BeitragVerfasst am: 31 Jan 2006 - 17:59:27    Titel:

Freidenker hat folgendes geschrieben:
Sind Lohnstandards innerhalb einer Wirtschaftszone Schutzzoll?


Es sind ja keine Lohn"standarts" die Du vorschlägst, sondern Du forderst höhere Löhne müssten nur dann im Ausland gezahlt werden, wenn der Anbieter für den Deutschen Markt produziert. Damit machst Du seine Wettbewerbsfähigkeit zum Schutz der Deutschen Anbieter kaputt: Schutzzölle durch die Hintertüre.
Länder die aber von uns importieren könnten ihre Märkte genauso schützen, indem sie z.B. von uns forderten, dass hierzulande "Maschinenlöhne" an die wenigen verbleibenden Mitarbeiter in der Produktion gezahlt werden müssten. Dadurch würden unsere Lohnstückkosten steigen, und damit würden unsere Exporte sinken.
W.Kaiser
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Anmeldungsdatum: 09.01.2006
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BeitragVerfasst am: 31 Jan 2006 - 18:44:13    Titel:

Lieber Bürger,
deinen bemerkenswerten Artikel habe ich gelesen. Natürlich stimme ich zu, dass über Erntehelfer die Probleme des deutschen Arbeiters nicht zu lösen sind.

Mit Interesse las ich deine Lösungsvorschläge und versuche diese von einem fiktiver Politiker als Wahlprogramm in Stimmen umsetzen zu lassen. Er soll die Vorstellungen der „kleinen“ Leuten treffen, so wie das Frau Merkel und Herr Schröder letzten Herbst tun mussten.


Bürger hat folgendes geschrieben:

Anders sieht es aus, wenn er in Polen lebt und dort mit einem Bruchteil des Lohnes überleben kann, den ein Arbeitnehmer hier benötigt.
Das sollte gesetztlich geregelt werden, eine Art Abgabe die direkt in die Sozialversicherungssysteme fließen. Ein Mindestlohn wäre ein erster Schritt in diese Ricgrung -
Das bringt unserem Politiker beim kleinen Mann Stimmen:
Eine Abgabe, die die Polen zahlen müssen.
Ein Mindestlohn angekündigt.
Wenn die EU das billigt, gut.


Zitat:
Diskussionen um Erntehelfer aus Polen lösen das Problem nicht. Sie dienen nur dazu das Leben der Arbeitslosen zu erschweren.
Das bringt unserem Politiker beim kleinen Mann Stimmen:
Die Polen machen die Arbeit.
Und bei uns wird nicht mehr davon geredet, gut.



Zitat:
Die Politik muss das Geld, dass in der privaten Wirtschaft verdient wird zu einem wesentlich größeren Teil der Allgemeinheit zukommen lassen ohne Innovationen und Investionen zu bremsen.
Das bringt unserem Politiker beim kleinen Mann Stimmen:
Das ist die Lösung des Problems. Das fordern aber kann nur, wer es nicht umzusetzen hat.
Dazu müssten wir wieder den Kommunismus einführen. Der hohen Abgaben wegen meiden Innovatoren und Investoren jetzt schon unser Land und anwesende fliehen, das ist ja ein Auslöser unseres Problems.


Zitat:
Die staatlichen Strukturen müssen flachere Hierarchien erhalten und dafür im Gegensatz mehr Menschen einstellen, die für das Algemeinwohl arbeiten, also mehr Lehrer, mehr Polizeibeamte, mehr Sozialarbeiter, akamedisch geschulte Kindergärtnerinnen, Umweltschutzarbeiter usw. all das was in den letzten 20 Jahren vernachlässigt wurde.
Das bringt unserem Politiker beim kleinen Mann Stimmen:
Die bei der Abflachung gewonnene Kopfzahl ist sicher gering, also nennenswert Arbeitsplätze entstehen da nicht, aber sehr gut.


Einem linken Politiker räume ich damit gute Chancen ein. Deinen Lösungsansatz interpretiere ich aber als einen der Klasse „Gehen wir doch zu anderen und holen uns und verteilen“. Ein „selbst Neues schaffen“ oder „selbst Eigenes schaffen“ kommt nicht vor. Das sind halt die zwei Lager.

Mit freundlichen Grüßen,
W.Kaiser


Zuletzt bearbeitet von W.Kaiser am 31 Jan 2006 - 18:48:45, insgesamt einmal bearbeitet
Sheep
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Anmeldungsdatum: 14.06.2005
Beiträge: 972

BeitragVerfasst am: 31 Jan 2006 - 18:48:25    Titel:

Linke Polemik mit einem Hauch Nationalismus auf den Punkt gebracht. Man darf nicht vergessen, dass man zum "Allgemeinwohl" auch Autobahnen bauen lassen könnte. Wink
W.Kaiser
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Anmeldungsdatum: 09.01.2006
Beiträge: 1623
Wohnort: BGL

BeitragVerfasst am: 31 Jan 2006 - 19:00:33    Titel:

Danke für die rasche Antwort.

Sheep hat folgendes geschrieben:
Linke Polemik mit einem Hauch Nationalismus auf den Punkt gebracht. Man darf nicht vergessen, dass man zum "Allgemeinwohl" auch Autobahnen bauen lassen könnte. Wink



Meines Wissens werden die in den neuen Bundesländern bereits gebaut.

Gruß,
W.Kaiser
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