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Anarcho-Kapitalismus, eine Illusion ?
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Foren-Übersicht -> Politik-Forum -> Anarcho-Kapitalismus, eine Illusion ?
 
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Sheep
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Anmeldungsdatum: 14.06.2005
Beiträge: 972

BeitragVerfasst am: 15 März 2006 - 02:45:05    Titel:

Es war interessant, aber mir fehlt leider einfach noch der intellektuelle Zugang. Ich sehe vor der Idee des Anarcho-Kapitalismus mehrere Hürden, die jeder einzelne für sich reissen muss, weil er ja gerade nicht - wie der Sozialismus - aufgestülpt, indoktriniert, beschlossen oder eingerichtet werden kann:

Menschen müssten,...
Verständnis über das Funktionieren von Märkten bekommen,
beginnen, Eigentumsrechte an ihrem eigenen Leben einzufordern,
die Monopolisierung von Recht ablehnen,
und vor allem endlich bereit sein, die Verantwortung über ihr eigenes Handeln zu übernehmen.

Und der letzte Punkt ist wirklich der schwierigste in unserer Schaf-Gesellschaft. Wink
Dirk Nerge
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Anmeldungsdatum: 06.12.2005
Beiträge: 323

BeitragVerfasst am: 16 März 2006 - 06:26:53    Titel:

Sheep hat geschrieben:

Zitat:
Und der letzte Punkt ist wirklich der schwierigste in unserer Schaf-Gesellschaft.


Wer sind die Hirten, die das Bild des „bösen Wolfes“ an die Wand zeichnen und Schafe auf schutzwürdige Lämmer reduzieren? Die so das weltliche Geschehen auf einen einfachen Dualismus - bestehend aus „Gut“ und „Böse“ - beschränken und individuelle Energien durch die m.E. künstlich geschaffene Herde untergraben lassen? Sklavenmoral?

Vielleicht ist es erlaubt, aus dem „Aufstand der Massen“ von José Ortega y Gasset einen Umkehrschluss zu ziehen. Weshalb sollte nicht in jedem Individuum zumindest eine aristokratische Ader („natürliche Aristokratie“) erkennbar sein, anstatt es klein zu machen („kleine Leute“)? Schließlich soll der Kapitalismus nicht nur aus der „protestantischen Arbeitsethik“ (Weber) entstanden sein, sondern basiert auch auf „Liebe, Lust und Luxus“ (Sombart).



Wer sind die Hirten, die das Bild des „bösen Wolfes“ an die Wand zeichnen und Schafe auf schutzwürdige Lämmer reduzieren? Die so das weltliche Geschehen auf einen einfachen Dualismus - bestehend aus „Gut“ und „Böse“ - beschränken und individuelle Energien durch die m.E. künstlich geschaffene Herde untergraben lassen? Sklavenmoral?

Vielleicht ist es erlaubt, aus dem „Aufstand der Massen“ von José Ortega y Gasset einen Umkehrschluss zu ziehen. Weshalb sollte nicht in jedem Individuum zumindest eine aristokratische Ader („natürliche Aristokratie“) erkennbar sein, anstatt es klein zu machen („kleine Leute“)? Schließlich soll der Kapitalismus nicht nur aus der „protestantischen Arbeitsethik“ (Weber) entstanden sein, sondern basiert auch auf „Liebe, Lust und Luxus“ (Sombart).
Philskow
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Anmeldungsdatum: 01.02.2006
Beiträge: 221

BeitragVerfasst am: 16 März 2006 - 16:08:28    Titel:

Wenn ich kurz unterbrechen darf: Sollte ich recht gehen in der Annahme, dass Anarcho-Kapitalismus bedeutet, voll auf den "transzendierten Egoismus" zu setzen, nach dem also jeder nach der Maximierung seiner Profite (grob gesprochen, entschuldigt) strebt, weil die Gesellschaft (besonders der gesellschaftliche Wohlstand davon am meisten profitiert - wo bleibt da die Sicherstellung der Erfüllung von Aufgaben, die als gesellschaftliche Ziele ausgegeben werden, aber nicht unbedingt profitträchtig sind (sprich: Pflege von Alten und Kranken, Unterstützung von Arbeitslosen, doer auch Umweltschutz u.ä.)?
Dirk Nerge
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Anmeldungsdatum: 06.12.2005
Beiträge: 323

BeitragVerfasst am: 16 März 2006 - 19:54:30    Titel:

Philskov hat geschrieben:

Zitat:
Wenn ich kurz unterbrechen darf: Sollte ich recht gehen in der Annahme, dass Anarcho-Kapitalismus bedeutet, voll auf den "transzendierten Egoismus" zu setzen, nach dem also jeder nach der Maximierung seiner Profite (grob gesprochen, entschuldigt) strebt, weil die Gesellschaft (besonders der gesellschaftliche Wohlstand davon am meisten profitiert - wo bleibt da die Sicherstellung der Erfüllung von Aufgaben, die als gesellschaftliche Ziele ausgegeben werden, aber nicht unbedingt profitträchtig sind (sprich: Pflege von Alten und Kranken, Unterstützung von Arbeitslosen, doer auch Umweltschutz u.ä.)?


Ich zitiere aus wikipedia:

Zitat:
Private Hilfe statt sozialer Rechte

Anarchokapitalisten sind der Auffassung, dass Hilfe für bedürftige Menschen wie Arme, Behinderte oder Arbeitslose auch ohne staatliche Institutionen geleistet werden könne. Sie setzen ganz auf Nachbarschaftshilfe und mildtätige, private Institutionen oder Stiftungen. Sie argumentieren, solche Institutionen seien effizienter, da sie aufgrund der die sozialen Kontrolle durch die privaten Spender mit weniger Bürokratie auskommen müssten. Zudem sind sie der Ansicht, dass Menschen mehr für wohltätige Zwecke spendeten, wenn die Steuerbelastung wegfiele. Als Beispiel dafür führen sie die Zunahme der Spendenbeträge während des Wirtschaftsbooms der 80er Jahre an, in dem sich die Spendenbeträge linear zum Einkommenswachstum vermehrt habe.
http://de.wikipedia.org/wiki/Anarchokapitalismus


Obiger Auffassung kann auch ich so nicht vollkommen zustimmen. Aus meiner Sicht sollte es ein Grundeinkommen (über dem Existenzminimum) für jeden Bürger geben, dessen Berechtigung durch die Existenz des „kollektiven Gedächtnisses“, quasi eines Ideen- und Wissen-Pools abgeleitet werden könnte. Denn jeder Bürger gibt unbewusst oder bewusst seinen Beitrag dazu. Allerdings steht es jedem Bürger wiederum frei, seine speziellen, aus dem kollektiven Gedächtnis erworbenen und erstellten Kenntnisse im Sinne libertärer Ökonomie zu verwerten. Eigentlich bedarf es auch keiner weiteren sozialstaatlichen Sicherheit als der des Grundeinkommens.

Entscheidend wird ohnehin die Entwicklung zu immateriellen Gütern sein, deren Entfaltung sich durch die bewusste und effiziente Nutzung des kollektiven Gedächtnisses revolutionieren ließe. Dies würde den Einbezug sämtlicher Gesellschaftsmitglieder in das Geschehen der Marktwirtschaft darstellen und sowohl ein wirtschaftliches Laissez-faire als auch die notwendige Sicherheit der Teilnehmer mit sich bringen. Der universelle Markt wäre geboren, was wiederum Versuche willkürlicher Verhaltensweisen der Bürger kanalisieren würde. Vielleicht aber auch alles nur Fantasie?
Sheep
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Anmeldungsdatum: 14.06.2005
Beiträge: 972

BeitragVerfasst am: 16 März 2006 - 23:04:22    Titel:

Philskow hat folgendes geschrieben:
wo bleibt da die Sicherstellung der Erfüllung von Aufgaben, die als gesellschaftliche Ziele ausgegeben werden, aber nicht unbedingt profitträchtig sind (sprich: Pflege von Alten und Kranken, Unterstützung von Arbeitslosen, doer auch Umweltschutz u.ä.)?


Wer versorgt Dich denn heute, wenn Du alt oder krank bist ? Ärzte und Krankenschwestern werden in unserer Gesellschaft doch auch nicht in ihre Berufe geplant, niemand wird zum Medizinstudium gezwungen. Es ist eine Dienstleistung, und ihre Bezahlung kann über eine Versicherung geregelt werden. Es wird Menschen geben, die diese Dienstleistung anbieten.

Umweltschutz hat viele Facetten, ich greife die Verschmutzung durch Produktion oder Konsum heraus. In einer Gesellschaft ohne Staat gibt es keine "öffentlichen Wege" oder "Plätze". Alles ist in privater Hand, eines oder mehrerer Individuen. So wie Du darum besorgt bist, dass Dein Eigentum nicht verschmutzt wird, wird auch eine freie Gesellschaft dezentral, individuell, sich dafür sorgen, dass sie in einer sauberen Umwelt lebt.
Pauker
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BeitragVerfasst am: 16 März 2006 - 23:20:55    Titel:

Warum schert sich im Mutterland des Kapitalismus USA kein Mensch um CO2? Warum fährt dort Hinz und Kunz einen Pickup mit 4-Rad-Antrieb... ?

richtig, weil Benzin so schön billig ist und man die wahren Kosten wunderbar externalisieren kann. (Grundzüge der VWL)
Der Blödmann, der es ausbaden darf ist nämlich nicht der Verursacher

Wer Raubtierkapitalismus sehen will, schaue nach China. Die Leute krepieren dort gerade an den "hohen" Umweltstandards in den Industriezentren an denen ja jeder angeblich interessiert ist. Genau so wie sie an 80-Stundenwochen, Hungerlöhnen und einer staatlich nicht mehr vorgesehen fehlenden Krankenkasse krepieren. SO blind kann man doch nicht sein, um die Fehlsteuerungen des Marktes nicht auch zu sehen!

Umwelt ist ein frei nutzbares Gut, deren Nutzung nicht durch Eigentum beschränkt werden kann. Daher funktioniert der Markt dort nicht. Auch als ultraliberaler Marktwirtschaftler sollte man die Grenzen des Systems und der Modellannahmen mal anerkennen. Die einfachen Lösungen sind nicht unbedingt die richtigen.

Gruß
Pauker
Sheep
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Anmeldungsdatum: 14.06.2005
Beiträge: 972

BeitragVerfasst am: 16 März 2006 - 23:31:16    Titel:

Pauker hat folgendes geschrieben:
Warum schert sich im Mutterland des Kapitalismus USA...


Pauker, hier geht es um Anarcho-Kapitalismus, eine Philosophie die noch in keinem "Land" der Erde als Gesellschaftsordnung vorzufinden ist.
Zum USA-bashing haben wir bereits einen anderen Thread Wink
Pauker
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Anmeldungsdatum: 26.05.2005
Beiträge: 7831
Wohnort: Schwäbisch Hall

BeitragVerfasst am: 17 März 2006 - 07:14:16    Titel:

Dann antworte doch mal auf meine aufgeworfenen Fragen. Diese nur als USA-Bashing zu bezeichnen ist doch etwas einfach und war nicht meine Intention.

Gruß
Pauker
Philskow
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Anmeldungsdatum: 01.02.2006
Beiträge: 221

BeitragVerfasst am: 17 März 2006 - 09:15:50    Titel:

Ich stimm dir natürlich eigentlich zu, Pauker, aber in diesem Ton macht die Diskussion ja doch wenig Sinn. Und das von dir als Moderator... Rolling Eyes Wink Außerdem, wenn wir überzeugt sind, dass wir recht haben, dann können wir doch auch in Ruhe argumentieren und werden die schon knacken.
Mein erster Punkt, sheep: Was hat deine Vision denn noch mit Kapitalismus zu tun? Doch eigentlich nix. Nur weil du Kapitalismus mit Freiheit gleichsetztst (oder wie man das schreibt), nennst du es noch Anarcho-Kapitalismus. Eine Gesellschaft ohne Staat ist doch letzlich Anarchie (gar nicht negativ gemeint!).
Dirk Nerge
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Anmeldungsdatum: 06.12.2005
Beiträge: 323

BeitragVerfasst am: 17 März 2006 - 09:39:45    Titel:

Pauker hat geschrieben:

Zitat:
Umwelt ist ein frei nutzbares Gut, deren Nutzung nicht durch Eigentum beschränkt werden kann. Daher funktioniert der Markt dort nicht. Auch als ultraliberaler Marktwirtschaftler sollte man die Grenzen des Systems und der Modellannahmen mal anerkennen. Die einfachen Lösungen sind nicht unbedingt die richtigen.


War es der Staat, der zuerst auf die Umweltverschmutzung reagierte oder waren es Gesellschaftsmitglieder in Bürgerinitiativen, die im freien Austausch der Ideen auf die Probleme aufmerksam gemacht haben? Ist es nicht so, dass der Staat durch Normierungen die erforderliche Flexibilität zwischen den Gesellschaftsmitgliedern manchmal allzu sehr einschränkt? Seit geraumer Zeit ist übrigens auch der sparsame Kleinwagen, im Gegensatz zu mancher Limousine, zum Prestigeobjekt geworden. Das war sicherlich nicht staatlich verordnet, sondern hat sich aus dem Ideenaustausch zwischen Produzenten und Konsumenten ergeben.
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