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Anarcho-Kapitalismus, eine Illusion ?
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Sheep
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Anmeldungsdatum: 14.06.2005
Beiträge: 972

BeitragVerfasst am: 25 Apr 2006 - 17:14:09    Titel:

Philskow hat folgendes geschrieben:
Würde mit so komplizierten Verhandlungsverfahren nicht viel mehr wirtschaftliche Initiative gebremst werden als durch staatliche Bürokratie?


In der Wirtschaft werden ständig Verträge geschlossen, davon in manchen Unternehmen hunderte täglich. Die unternehmensinterne Bürokratie hat aber ein Interesse daran, schnell und effizient zu funktionieren, weil daran ihre Gewinne hängen. Ob ein Staatsbüttel einen Antrag heute oder morgen bearbeitet, ändert nichts an seinem Sold. Insofern sehe ich keine Bremse.

Zitat:
Die optimistischere Betrachtungsweise wäre doch, den Staat als die Überhöhung unserer gemeinschaftlichen Interessen anzusehen, den wir gegründet haben, um die Erreichung dieser Interessen trotz unserer Unvollkommenheit zum nicht-egositischen Handeln sicherzustellen. Die Sicherstellung, dass der Staat diesem Auftrag auch nachkommt, geschieht heutzutage über demokratische Legitimation.


Eine Regierung, die die Interessen aller sicherstellt, würde mit 100% aller Stimmen wiedergewählt werden. Da das nicht der Fall ist, kann man davon ausgehen, dass der Staat nicht "gemeinschaftliche Interessen", sondern ein Konglomerat von Interessen der Mehrheit und einflussreichen Gruppierungen durchsetzt. Und selbst diese Mehrheit ist politisch selten aus einem Guss und oft mit den Handlungen der von ihr gewählten Vertreter nicht einverstanden.

Wie gefährlich es ist, staatliches Handeln allein durch Erreichung "gemeinschaftlicher Interessen" zu legitimieren, sieht man an den Enteignungen im dritten Reich. Diese Überhöhung der Gesellschaft zu einem Kollektiv, der egoistische (andere würden sagen individuelle) Interessen untergeordnet werden müssen, ist der Grundstein jeder Diktatur.

Zitat:
Du siehst den Staat immer als eigenständigen Akteur. Das ist ein recht negatives (wenn auch sicher kein völlig unrealistisches) Staatsverständnis


Wie schon mal erwähnt, habe ich in dieser Diskussion nur den advocatus diaboli übernommen, bis mir die Argumente ausgehen, ich bin kein Anarchist. Wink
Philskow
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Anmeldungsdatum: 01.02.2006
Beiträge: 221

BeitragVerfasst am: 28 Apr 2006 - 14:02:11    Titel:

Aber würde sich die Realisierung von Großprojekten nicht enorm erschweren oder gar unmöglich werden, wenn keinerlei Zwang unter gemeinschaftliche Interessen ausgeübt werden kann?

sheep hat folgendes geschrieben:
Wie gefährlich es ist, staatliches Handeln allein durch Erreichung "gemeinschaftlicher Interessen" zu legitimieren, sieht man an den Enteignungen im dritten Reich. Diese Überhöhung der Gesellschaft zu einem Kollektiv, der egoistische (andere würden sagen individuelle) Interessen untergeordnet werden müssen, ist der Grundstein jeder Diktatur.

Also, mit dem Drittem Reich zu argumentieren, ist sowieso in den meisten Fällen höchst problematisch. Darüber hinaus wundert es mich, dass du Menschen es zutraust, völlig frei ihre Interessen wahrzunehmen, dann aber nicht eine Diktatur verhindern oder stürzen zu können.
Kennst du eigentlich den "Naturzustand" von Hobbes? Der hatte ein pessimistischeres Menschenbild als du... Wink
Dirk Nerge
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Anmeldungsdatum: 06.12.2005
Beiträge: 323

BeitragVerfasst am: 29 Apr 2006 - 20:51:50    Titel:

Vielleicht lassen obige Ansichten bzw. Fragen unter Einbezug der Gedanken von Friedrich Nietzsche interessante Rückschlüsse zu. Nietzsche wurde übrigens auf Grund seines radikalen Individualismus von nicht wenigen Anarchisten in der Übergangszeit vom 19. in das 20. Jahrhundert studiert.

Nach Nietzsche negiert der Mensch sein SELBST, sobald er im Regulativ eine Notwendigkeit sieht. Insofern findet eine Entselbstung statt, die den Einzelnen zum abhängigen Wesen und bloßen Mittel macht. Die Verleugnung des SELBST führt zur Einbindung und Unterordnung in ein Kollektiv, das wiederum im weiteren Sinne Partei ist. Der Mensch vertritt dann nicht mehr sein SELBST, sondern er ist dann „Partei...durch und durch“ (Nietzsche), quasi ein „Herdentier“, das sich nach Unterordnung sehnt.

Der „Krieg aller gegen alle“ (Hobbes) wäre dann vermutlich kein Naturzustand, sondern ein kulturelles Phänomen der Selbstentfremdung. Es wäre auch nicht der „Krieg aller gegen alle“, sondern es wären die Kriege künstlicher Kollektivismen untereinander, die erst durch die Entselbstung des Menschen möglich wären. Erst die Selbstentfremdung und (extreme) Hinwendung bzw. Hingabe an von außen (kollektiv) veranlasste Regulierungen ermöglicht Kriege und Diktaturen. Oder würde eine Einzelperson, wenn sie „nur“ an sich SELBST denkt, in den Krieg ziehen und/oder eine Diktatur herbeisehnen?

@Philskow: Deine Fragen waren an Sheep gerichtet, deshalb verzeihe bitte, dass ich zum Teil geantwortet habe. Sheep würde ganz sicher vollkommen andere Aspekte anführen.
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