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Wie lässt sich Ausländerfeindlichkeit objektivieren?
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Foren-Übersicht -> Politik-Forum -> Wie lässt sich Ausländerfeindlichkeit objektivieren?
 
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Bürger
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Anmeldungsdatum: 27.11.2005
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BeitragVerfasst am: 17 Apr 2006 - 01:37:24    Titel:

coffeinjunky hat folgendes geschrieben:

Die Fremdenfeindlichkeit aber basiert auf der einfachen Angst vor dem, was uns irgendwie fremd, neuartig und anders erscheint. Es ist ein natürlicher kognitiver Automatismus, der da abläuft. Als der Höhlenbewohner noch auf der Jagd war haben diejeniger überlebt, die prinzipiell eine Scheu vor dem Unbekannten hegten. Auch sind es singuläre Erfahrungen, die in einem Konditionierungsprozeß Assoziationen zu einem kognitiven Reflex werden lassen. Man nennt es in der Soziologie Vorurteil.


Solche Thesen sind doch ziemlich spekulativ. Ich kann mir vorstellen das im Einzelfall auch eine Art natürlicher Scheu eine Möglichkeit ist Ausländerfeindlichkeit zu erzeugen, aber die Regel sieht doch anders aus. Xenophobie erklärt vielleicht den Umstand dass man Fremden gegnüber leichter Vorurteile annimmt, aber es erklärt nicht die Vorurteile als solche.

Mit freundlichen Grüßen
ein
Bürger
coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
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BeitragVerfasst am: 17 Apr 2006 - 01:44:01    Titel:

Bürger hat folgendes geschrieben:
Solche Thesen sind doch ziemlich spekulativ. Ich kann mir vorstellen das im Einzelfall auch eine Art natürlicher Scheu eine Möglichkeit ist Ausländerfeindlichkeit zu erzeugen, aber die Regel sieht doch anders aus. Xenophobie erklärt vielleicht den Umstand dass man Fremden gegnüber leichter Vorurteile annimmt, aber es erklärt nicht die Vorurteile als solche.


Nun gut, dann liefere mir bitte einen besseren Erklärungsansatz, warum Engländer, Franzosen, Amerikaner etc willkommen sind und niemand sie beleidigt, sondern nur Ausländer islamischer Herkunft, die von außen sofort als solche zu erkennen sind, mit der ganzen Bandbreite negativer Emotionen unserer Gesellschaft konfrontiert werden.

Beste Grüße
coffeinjunky
Bürger
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Anmeldungsdatum: 27.11.2005
Beiträge: 2016
Wohnort: Dortmund

BeitragVerfasst am: 17 Apr 2006 - 03:39:51    Titel:

coffeinjunky hat folgendes geschrieben:

Nun gut, dann liefere mir bitte einen besseren Erklärungsansatz, warum Engländer, Franzosen, Amerikaner etc willkommen sind und niemand sie beleidigt, sondern nur Ausländer islamischer Herkunft, die von außen sofort als solche zu erkennen sind, mit der ganzen Bandbreite negativer Emotionen unserer Gesellschaft konfrontiert werden.

Beste Grüße
coffeinjunky


Das wechselt mit den Zeiten, im Mittelalter waren es die Musikanten, das fahrende Volk und rothaarige Frauen, die alleine lebten, später waren es die Hugenotten in Paris, im 19. Jahrhundert waren es Franzosen, Zigeuner und Juden traf es besonders schlimm, am schlimmsten im dritten Reich.

Über die die nicht am Tisch sitzen lässt sich bekanntermaßen am besten lästern. Solange es allen gut geht ist das kein Problem, aber wenn die Zeiten schlimmer werden sucht der Bodensatz gerne einen Sündenbock, Fremde eignen sich da sicher besser, aber zwingend ist das nicht. Es können auch Juden, Spanier oder Gewerkschaftler sein, die Hauptsache man selbst gehört nicht dazu wenn die Meute anfängt zu heulen die Zähne zu blecken und nach Blut zu lechzen.

Das Pack aus dem Bodensatz will Schuldige, jemanden, den sie als Verantwortlichen schlachten können, durch dessen Bestrafung und sei es nur durch ein vorlautes Mundwerk wollen sich tumbe Dumnpfbacken ihr lädiertes Selbstbewusstsein aufpolieren.
Angst gibt es tatsächlich aber nicht vor den Fremden. Es ist die Angst der zukurzgekommenen, dass ihnen jemand etwas wegnehmen könnte, die Angst nicht anerkannt zu werden, nicht zu der Gruppe dazuzugehören und damit ganz alleine dazustehen.

Die Furcht vor den Fremden ist zwar da, aber gegen gruppendynamische Zwänge und dem Angebot auf relativ billigen Kosten anderer sein Selbstbewusstsein aufzupolieren erscheint sie doch eher nicht so ausschlaggebend zu sein.


Eher beherrscht die Angst und die Bequemlichkeit jene, die eigentlich was sagen müssten, diese Verantwortung aber nicht wahrnehmen. In Gedenken an Pastor Martin Niemöller müssten sie morgen wohl sagen

Als sie die Muslime beschimpften habe ich geschwiegen
ich war ja kein Muslim....




Mit freundlichen Grüßen
ein
Bürger
Durchblick 65
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Anmeldungsdatum: 24.02.2006
Beiträge: 615

BeitragVerfasst am: 17 Apr 2006 - 10:18:33    Titel:

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Zuletzt bearbeitet von Durchblick 65 am 29 Jun 2006 - 14:48:50, insgesamt einmal bearbeitet
Bürger
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Anmeldungsdatum: 27.11.2005
Beiträge: 2016
Wohnort: Dortmund

BeitragVerfasst am: 17 Apr 2006 - 18:45:54    Titel:

Durchblick 65 hat folgendes geschrieben:
Bürger schrieb :

Es können auch Juden, Spanier oder Gewerkschaftler sein, die Hauptsache man selbst gehört nicht dazu wenn die Meute anfängt zu heulen die Zähne zu blecken und nach Blut zu lechzen.

Das Pack aus dem Bodensatz will Schuldige, jemanden, den sie als Verantwortlichen schlachten können, durch dessen Bestrafung und sei es nur durch ein vorlautes Mundwerk wollen sich tumbe Dumnpfbacken ihr lädiertes Selbstbewusstsein aufpolieren.



Vorwärts ..und nicht vergessen..: Das Pack aus dem Bodensatz sind wir selbst ! Erinnert sei hier an Ruanda April -Juni 1994 ,als innerhalb von ca. 100 Tagen ca. 1Mio Menschen von ihren Nachbarn ( ! ) in der Hauptsache..mit Macheten , Äxten etc. abgeschlachtet wurden ..!

D.h. pro Tag ein mittleres Fußballstadion. Die Täter waren keine " Wilden " aus dem Busch ,sie kamen aus allen Schichten ( !! ) der Bevölkerung ,es war also auch keine Frage der Bildung. Die Menschen dort waren vernünftig gekleidet ,es gab eine gute Infrastruktur ,Autos ,Hotels etc.

( wem näheres interessiert : john hatzfeld " Nur das nackte Leben " und " Zeit der Macheten " -Augenzeugenschilderungen von Opfern und Tätern oder DVD " Hotel Ruanda " )

Also ....die Ursachen liegen im Menschen etwas tiefer und vielschichtiger um sie so zu versimpeln zu können !


Was tief ist oder komplex wird nicht allein durch die Bezeichnung erzeugt. Natürlich sind die Beschreibungen über Motive Abstraktionen, weil es ersten nicht alle Individuen und zweitens nicht alle im gleichen Maße dazu bringt dass aus Vorurteilen Gewalt wird. Vorurteile sind auch nicht beschränkt auf die unteren Bildungsgrade, aber dort wesentlich stärker ausgeprägt.

Was allerdings Deine Zuordnungen angeht, bin ich doch etwas irritiert, denn ebenso wie in Ruanda sind auch bei uns untere Bildungsschichten normal gekleidet und laufen nicht in Bärenfellen durch die Gegend. Die Illusion, in Afrika laufen die unteren Bildungsschichten in Baströckchen durch die Gegend gehört wohl zu den Klischees die unsere Medienwelt immer wieder aufwärmt, weil sie so gerne über Naturreservate und die wenigen Naturvölker die noch traditionell so leben darstellt und nicht Afrika, wie es ist.

Ausserdem handelt es sich in Ruanda im eigentlichen Sinne nicht um Ausländerfeindlichkeit sondern um Rassismus, auch wenn Vorurteile nach ähnlichen Mechanismen entstehen können. Warum es dort zu diesen auerordentlichen Gewalttaten kommen konnte bedarf sicher einer genauen Untersuchung. Dass aber Vorurteile gegen MItglieder der jeweils anderen ethnischen Gruppe von interessierter Seite geschürt und am Köcheln gehalten wurden wird zweifelslos eine der zentralen Mechanismen gewesen sein. Immerhin waren zwei Staaten mit unterschiedlicher Interessenslage daran beteiligt, aber das Thema Ruanda wollte ich nicht diskutieren, weil es doch eher von den Vorurteilen ablenkt, die es bei uns gibt, Vorurteile gegen Muslime, gegen Sinti und Roma, die gegen den Willen der meisten hrer Mitglieder noch immer verächtlich als Zigeuner bezeichnet werden, Vorurteile gegen Südländer allgemein bis hin zu tradiert rassistischen Vorurteilen die von einem Menschenbild ausgehen, dass den weißen Mitteleuropäer als den überlegenen Menschentyp darstellt.

Batrachten wir also noch einmal den Mechanismus der entscheidend dazu beiträgt das sich Vorurteile manifestieren und den du argumentativ nicht widerlegen kannst und daher deskriptiv attakierst, indem du ihn als zu simpel charakterisierst, ohne allerdings ein Vergleich anzubieten, so dass dies kein Argument im eigentlichen Sinne darstellt. Ich hoffe du kannst dem Folgen. Rhetorik allein ersetzt aber nicht inhaltliche Betrachtungen.

Vorurteile bieten dem vereinfacht formuliert simplen Geist ( auch im klassischen Sinne intelligente Menschen können sich weigern komplexer zu denken, weil es sie in Verlegenheit bringen könnte, dass bedeutet sie wissen odr ahnen im Grunde, dass sie Unsinn reden, sie wollen es aber nicht wissen, weil dass ihr schön zusammengezimmertes Weltbild zerstört)
etwas an. eine preiswerte Methode (preiswert im Sinne von nicht viel Aufwand fordend) um sich in einer Gruppe die Anerkennung der anderen zu sichern. Es würde viel mehr kosten sich über andere Merkmale Anerkennung zu holen, obwohl sich das natürlich nicht ausschließt, dass diese anderen Methoden auch in Anspruch genommen werden. Vorurteile gegen Andere sind aber die einfachste Methode um dazuzugehören und es wäre eher überraschend wenn Menschen die eben nicht sozialisiert sind und deswegen viel stärker und unkritischer nach sozialer Anerkennung streben dieses preiswerte Angebot nicht annehmen würden. Intensität, Bildungsgrad, soziale Intelligenz (das rasche Durchschauen solcher Grundmechanismen und wie sich beispielsweise Führungspersönlichkeiten autoritärer Gruppen sich ihrer bedienen) all das spielt zusammen und wirkt natürlich bei jedem Individuum anders. Das heißt wir diskutieren nicht über monokausale Ursachen, sondern beschreiben die Faktoren, die sich eben entsprechend auswirken.

Was daran zu simpel sein soll, entzieht sich meiner Kenntnis, aber wie schon gesagt, allein die Bezeichnung simpel ersetzt keinen Inhalt und bedeutet keinesfalls dass derjenige der eine Bezeichnunng benutzt wirklich versteht.

Ob sich also das Individuum dass bereitwillig Vorurteile aufnimmt und nachplappert auch soweit geht wie dass Menschen in Ruanda, in Bosnien oder in den KZ's der Nazis praktizierten, den anderen physisch zu vernichten lässt sich kaum vorhersagen, weil jedes Individuum die Möglichkeit besitzt zu refelketieren.

Die Wahrscheinlichkeit das Vorurteile erst die Basis bilden für einen Prozess in dem sich diese Vorurteile verstärken, weil Menschen sie immer wieder bestätigen und wiederholen langsam aber sicher die anderen so verteufelt werden, dass sie in den Augen der anderen nicht mehr als Menschen gelten kann kaum bestritten werden. Soziologen sind sich sicher, dass diese "Entmenschlichung" der Feinde unbedingt erforderlich ist um gewaltsame Exzesse. sogenannte Progrome zu erzeugen um dann in einem Teufelskreis der Gewalt und Gegengewalt zu geraten, indem jeder Gewalttat der anderen Vorurteile und Verteufelung der anderen festigt und so zu Gewalttaten führen kann, wie sie in einer normalen Situation unvorstallebar erscheint. Die SS-Wachen redeten sich ein, sie töten keine Menschen sondern Untermenschen, für die Serben in Bosnien und im Kossovo waren die Muslime keine Menschen. Die Rechtfertigung der Gewalttäter ist stets die Greueltaten der anderen die eben beweisen, dass es sich bei den anderen nicht um Menschen handelt. Aus diesem Grund ist die Propaganda so entscheidend, die den Menschen einschätft, dass die irakischen Soldaten keine Menschen sind, sondern Monster die kleine Babies abschlachten und die daher keine Menschen sind und die daher bedenkenlos getötet werden dürfen. Niemand in der Propaganda sagt die Wahrheit, kaum jemand rief in Amerika. Moment dass ist doch Unsinn, dass können doch unmöglich alles babyschlachtende Monster sein, das sind doch auch Familienväter die ihre Kinder lieben, die sie ernähren, die von ihnen gebraucht werden. Dass sich später herausstellte dass das alles erfunden war, sollte uns warnen, dass wir zu leichtgläubig sind, aber dass ist nicht das Entscheidene. Der reflektierte Verstand hätte erkennen müssen, dass selbst wenn diese Taten gestimmt hätten, dies kein Grund ist , um alle Soldaten über einen Kamm zu scheren und einen Krieg zu beginnen in denen Bomben ebenso Babies zerreissen und zerstückeln.

Fragen wir uns aber wiklich, sind die irakischen Soldaten Monster, oder auch nur in der Mehrzahl Monster? Das ist doch sehr unwahrscheinlich, selbst bei allen Vorbehalten, die einzelne gegen die islamische Welt haben, insbesondere weil Saddam Hussein kein Islamist im eigentlichen Sinne war sondern nur ein klassischer Diktator.

Fragen wir uns sind die Mehrzahl der türkischen Migranten Mörder die ihre Schwester oder Frauen töten. Auch hier sagt uns unser Verstand, Moment bei aller berechtigten Kritik gegen die Täter, wie oft passiert das eigentlich, wie viele der über 10 Millionen Migranten praktizieren das überhaupt?
Statt dessen wird bei jedem Ehrenmord fast einhellig auf die türkische oder islamische Kultur geprügelt und der Eindruck erzeugt, dass es sich dabei nicht im eine Randerscheinung handelt. So manifestieren sich Vorurteile und Klischees und wie wir bei einigen Teilnehmern auch in diesem Forum unschwer erkennen können beginnen sich diese Vorurteile extrem zu verfestigen und sind auf dem Weg die entsprechende Gruppe zu "entmenschlichen".

Kritik an falschen Verhalten insbesondere an Verbrechen sind natürlich gerechtfertig müssen sich aber an den Täter richten. Die Täter sind aber nicht die Türken oder die Muslime, sondern nur ganz ganz wenige. Wieviel Ehrenmorde hat es gegeben? Wieviele Migranten haben Schwestern und Töchter die nichttraditionell leben sondern einen anderen geheiratet haben.
Diese Zahlen werden in den Medien nicht genannt, weil dass die Enpörung drosselt, nicht weil die Medien prinzipiell ausländerfeindlich wären, sondern weil dass den Marktwert der Information reduziert. Bilder in denen die Flammen zu sehen sind lassen sich besser verkaufen, Nachrichten in denen zu erwarten ist, dass die Volksseele kocht (gemeint sind gewöhnlich nicht das ganze Volk sondern jener schon angesprochene Bodensatz) verkaufen sich ebenfalls besser. So hatte ich in dieser Woche die Heute-Nachrichten im ZDF, also nichtmal eines der schlimmsten Medien über die Verurteilung des Ehrenmordes angeschaut. Die Nachricht als solche, ist ja durchaus wichtig und soll auch dargestellt werden, aber im Vorspann wurde mit keinem Wort erwähnt, dass es sich um einen zurückliegenden Fall handelt und die Verurteilung das eigentliche Thema ist. Nein, es wurde von einem grausamen Ehrenmord in Berlin gesprochen ohne dass die Verurteilung im Vorspann erwähnt wurde. So dachte man im ersten Moment, es handelt sich um einen erneuten Fall. Auch diese Strategie ist kein Ausdruck einer auslönderfeindlichen Motivation, sondern soll den Zuschauer am Produkt (den Nachrichten) binden und ein Umschalten verhindern. Hier sehen wir den alltäglichen nicht besonders spekulativen Fall wie unsere Medien nicht an der Information sondern an dessen Vermarktung interessiert sind und ausländerfeindliche Vorurteile verstärkt, denn die Wirkung, die mit einer solchen Nachricht verbunden ist bleibt bestehen.

Die Art und Weise wie sich Vorurteile, die etwas bieten, nämlich Anerkennung im Wechselspiel der Medien und politisch/ökonomischer Interssen verdichten und zur Entmenschlichung als Vorbedingung für Kriege und gewaltsamer Exzesse führt ist schon komplexer, wie du vielleicht zugeben musst, als du im vorschnellen Urteil zu errkennen glaubtest.

Vielleicht passt ein Schachspiel als Vergleich, dass durchaus komplexer ist als die einzelnen Zugregeln der Figuren. Nichtsdestoweniger wirst du keine Meisterpartie recht würdigen können, wenn du die Grundregeln nicht kennst. Und die Grundnregeln zu kennen ist entscheidend um die Spieler und deren Motivationen beurteilen zu können, wenn wir bei dieser Metapher einmal bleiben. Die Grundregeln als zu einfach zu beschreiben, nur weil die momentanen kognitiven Möglichkeiten nicht ausreichen, die wahre Komplexität zu erkennen die sich dahinter verbirgt, wird einem Experten im Schachspiel kaum unterlaufen, nicht mal einem Amateur.

Mit freundlichen Grüßen
ein
Bürger
coffeinjunky
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BeitragVerfasst am: 17 Apr 2006 - 19:04:45    Titel:

Bürger hat folgendes geschrieben:
Das wechselt mit den Zeiten, im Mittelalter waren es die Musikanten, das fahrende Volk und rothaarige Frauen, die alleine lebten, später waren es die Hugenotten in Paris, im 19. Jahrhundert waren es Franzosen, Zigeuner und Juden traf es besonders schlimm, am schlimmsten im dritten Reich.


Genau, dieses Volk hat den Anschein erweckt irgendwie "anders" zu sein. Die Zigeuner, die "wild" umherzogen waren in keinster Weise dem normalen Bauern vertraut. Also sah man in ihnen einen möglichen Sündenbock. Heute sind es nicht mehr die Zigeuner, die "anders" wirken, heute sind es diejenigen, die mit Kopftuch durch die Gegend laufen oder einen prächtig ausgewachsenen Bart haben. Diesbezüglich würde wohl auch eine Gruppe der Aimish (wenn sie so heißen) in D auffallen.

Ich glaube auch nicht, dass die Fremdenfeindlichkeit nur auf den "Bodensatz" beschränkt ist. Dafür kenne ich leider zu viele fremdenfeindliche Menschen aus dem bildungsoberen Milieu. Von dort rekrutiert sich ja bekanntermaßen auch die Führungsspitze der rechten Parteien, nachdem sie in Burschenschaften oftmals für solche Positionen empfänglich gemacht wurden.

Nun denn, ich glaube immer noch, dass durch eine langfristige Politik der Kontaktaufnahme ein Prozess der Habituation in Gang gesetzt werden würde und die Kontaktscheu der Deutschen langsam aber sicher abnehmen würde. Die Frage wäre nur: wer ist dann der Sündenbock?

Beste Grüße
coffeinjunky
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BeitragVerfasst am: 17 Apr 2006 - 20:02:49    Titel:

coffeinjunky hat folgendes geschrieben:
Bürger hat folgendes geschrieben:
Das wechselt mit den Zeiten, im Mittelalter waren es die Musikanten, das fahrende Volk und rothaarige Frauen, die alleine lebten, später waren es die Hugenotten in Paris, im 19. Jahrhundert waren es Franzosen, Zigeuner und Juden traf es besonders schlimm, am schlimmsten im dritten Reich.


Genau, dieses Volk hat den Anschein erweckt irgendwie "anders" zu sein. Die Zigeuner, die "wild" umherzogen waren in keinster Weise dem normalen Bauern vertraut. Also sah man in ihnen einen möglichen Sündenbock. Heute sind es nicht mehr die Zigeuner, die "anders" wirken, heute sind es diejenigen, die mit Kopftuch durch die Gegend laufen oder einen prächtig ausgewachsenen Bart haben. Diesbezüglich würde wohl auch eine Gruppe der Aimish (wenn sie so heißen) in D auffallen.

Ich glaube auch nicht, dass die Fremdenfeindlichkeit nur auf den "Bodensatz" beschränkt ist. Dafür kenne ich leider zu viele fremdenfeindliche Menschen aus dem bildungsoberen Milieu. Von dort rekrutiert sich ja bekanntermaßen auch die Führungsspitze der rechten Parteien, nachdem sie in Burschenschaften oftmals für solche Positionen empfänglich gemacht wurden.

Nun denn, ich glaube immer noch, dass durch eine langfristige Politik der Kontaktaufnahme ein Prozess der Habituation in Gang gesetzt werden würde und die Kontaktscheu der Deutschen langsam aber sicher abnehmen würde. Die Frage wäre nur: wer ist dann der Sündenbock?

Beste Grüße
coffeinjunky


Fremdenfeindlichkeit hängt in besonderem Maße mit der Bildung zusammen, Ausländerfeindlichkeit in der Tat etwas weniger.

Soziologen sind sich einig wenn sie sagen, Fremdenfeindlichkeit ist nicht mit Ausländerfeindlichkeit gleich zu setzen, Fremdenfeindlichkeit als die eine alles dominierende Ursache von Ausländerfeindlichkeit wird so gesehen.

Xenophobie äussert sich in Ängsten wie andere Phobien auch. Ausländerfeindlichkeit dagegen ist viel rationeller, Menschen versprechen sich etwas davon andere zum Sündenbock zu erklären.

Manche Studien vermuten das Ansteigen der Ausländerfeindlichkeit in die Angst um die eigenen Arbeitsplätze, so kamen von der Gewerkschaft in Auftrag gegebene Studien zu dem Schluß. dass selbst in den Gewerkschaften rechtsextreme Tendenzen im Sinne von Autoritätsgläubigkeit und Ausländerfeindlichkeit existieren. Interessanterweise ist der Mittelbau davon am Stärksten betroffen, also Meister, Vorarbeiter, Techniker etc. Oberschicht und unteren Einkommensklassen dagegen kaum.

Beide Gründe sind sicherlich für Ausländerfeindlichkeit verantwortlich wobei ich die Anfänge eher in gruppendynamischen Prozessen zu denen sich dann die vermeintliche Sicherung eigener Interessen gesellt.

Ich glaube nicht dass die Angst vor dem Andersein Hass und Wut verursacht und Menschen dazu bringt einfach loszuschlagen. Die Wut und der Hass richten sich gegen die Umstände, gegen den Verlust des eigenen Arbeitsplatzes, gegen den Staat im Allgemeinen, gegen die fehlenden Perspektiven, gegen vertane Chancen oder gegen das Schicksal, dass trotz des eingearbeiteten Ahorn im Scheunentor nicht verhindern konnte dass die Kuh keine Milch mehr gab.

Gebe den Menschen Sicherheit und eine sinnvolle Aufgabe, dann benötigen sie keinen Sündenbock.


Mit freundlichen Grüßen
ein
Bürger

PS: Hat das mit der mtu funktioniert?
Lamasshu
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Anmeldungsdatum: 23.12.2005
Beiträge: 4006

BeitragVerfasst am: 17 Apr 2006 - 20:11:54    Titel:

[quote="coffeinjunky]Die Frage wäre nur: wer ist dann der Sündenbock?[/quote]

"Sündenböcke" gab es gesellschaftsgeschichtlich schon immer, allerdings in verschiedenen Dimensionen. Schon in den segmentären Gesellschaften erfolgte die Identifikationsstiftung getreulich dem Motto "Inklusion durch Exklusion", in der stratifikatorischen Gesellschaft konnte schließlich zudem zwischen Klassen an und für sich differenziert werden und heute in unserer funktionalen Gesellschaft steht uns eine gewaltige Bandbreite offen: Arbeitslose, Politiker, Kapitalisten, Lehrer, Briefträger, rothaarige Hoch- und Tiefbauingenieure aus Magdeburg usw.

Jemanden aufgrund seines Geschlechtes und seiner Herkunft/Abstammung anzufeinden ist ein wirklich alter Hut, heute können wir auch Menschengruppen aufgrund ihrer kulturellen Prägung (z.B. Muslime/Juden), ihrer gesellschaftlichen Position (z.B. Kapitalisten) oder Ideologie (z.B. Kommunisten) einwandfrei stigmatisieren.

Welche Gruppe genau betroffen ist, ist da nicht so wichtig. So lange die Gesellschaft durch ein "Wir-Gefühl" am Leben erhalten werden muss und wir uns nicht zu kosmopolitischen Weltbürgern, deren ausreichende Identität es ist Mensch zu sein, wandeln, wird es immer eine gewisse Ausgrenzung geben.
Lhiannon
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Anmeldungsdatum: 28.01.2006
Beiträge: 16

BeitragVerfasst am: 17 Apr 2006 - 20:18:33    Titel:

Mich wundert, dass hier niemand auf die einfachste Lösung kommt.

Das Grundgesetz.

"Die Würde des Menschen ist unantastbar"

Ich denke, wir sollten allen Radikalen die Stirn bieten.

NPD-Werbeplakat mit farbigen Fussballspielern? NPD verbieten!
Ausländerfeindliche Äußerungen? Anzeigen!
Beleidigungen und Bedrohungen von Lehrern im Unterricht? Aufzeichnen und Anzeigen!
Bedrohung von Frauen, die kein Kopftuch tragen wollen? Anzeigen!
Abzieherei? Anzeigen!

Man sollte auch wissen, dass man auch Minderjährige anzeigen kann. Die werden zwar nicht verurteilt, bekommen aber schon eine Akte. Wenn sie dann strafmündig und straffällig werden, kann der Richter schon eine schöne Akte in Händen halten.


Wir sollten uns notfalls auch mit Gewalt gegen Neonazis und gewalttätige Ausländer wehren.

Es kann nicht sein, dass friedliche Migranten und Eingeborene von Neonazis oder gewalttätigen Ausländern unterdrückt werden.

Wie viele Menschen, vor allem Juden, friedliche Migranten, Kinder und Jugendliche leben in ständiger Angst vor solchen egomanischen Tätern. Migrantenfrauen fürchten sich vor Islamisten, die sie für ein nicht vorhandenes Kopftuch verprügeln, Juden werden von Neonazis und Islamisten bedroht, Jugendliche abgezogen u.s.w.

Die Würde des Menschen ist unantastbar?
Jeder genießt Schutz durch Staat und Bürger?

DIE WÜRDE DES MENSCHEN IST UNANTASTBAR !!!


Es gibt längst Hilfe für sozial schwachen Familien. Sollen wir wirklich mit der Forderung nach Gesetzestreue warten, bis auch der letzte sozial Schwache reich ist?
Viele gewalttätige Menschen in diesem Land verdienen ihren Lebensunterhalt längst mit Raubzügen und kassieren nebenbei Stütze. Welches Interesse hätten die an Beihilfen zur Integration oder zur Fortbildung?
Die Neonazis und gewalttätigen Migranten halten sich nicht an den Reichen schadlos, sondern an sozial Schwachen, die sich selbst nicht wehren können.

Gesetzestreue einfordern heißt sozial Schwache schützen.

Ich bin dafür, endlich an Schulen Kameras zu installieren um Beweise für Abzieherei und Gewalt zu haben und dann schleunigst Schulverweis und Anzeige.
Ich bin dafür, dass Lehrer sich verteidigen dürfen, wenn sie getreten und bespuckt werden. Wer Körperverletzung begeht muss mit einem Echo rechnen.
Nicht mehr wegsehen, wenn Frauen mit blauem Auge in der Öffentlichkeit erscheinen.
Bei Schlägerein Fotos machen.
Neonazis ablichten und die Fotos der Polizei übergeben.
Frauenfeindlichen Äußerungen und Naziparolen entschlossen den verbalen Kampf ansagen.

Es geht hier nicht um einen "Polizeistaat", sondern um den Schutz der Schwachen in dieser Gesellschaft.
Wer vor lauter Selbstzweifeln gewalttätigen Eingeborenen und Migranten freie Hand läßt macht sich schuldig am Selbstmord von Mobbingopfern, am "Ehrenmord", am Leiden der Unterdrückten.



Ich bin diese "angemessenen Diskussion über gesellschaftliche Versäumnisse" so leid, ich könnte Kotzen.
Während wir in political correctness nach einer "für alle" vertretbaren Lösung suchen, leiden die Unterdrückten.

Lhiannon
Durchblick 65
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Anmeldungsdatum: 24.02.2006
Beiträge: 615

BeitragVerfasst am: 18 Apr 2006 - 00:56:07    Titel:

x


Zuletzt bearbeitet von Durchblick 65 am 29 Jun 2006 - 14:48:04, insgesamt einmal bearbeitet
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