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türkische Version der Nationalhymne *LaChFlAsH*
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Foren-Übersicht -> Politik-Forum -> türkische Version der Nationalhymne *LaChFlAsH*
 
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Bürger
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Anmeldungsdatum: 27.11.2005
Beiträge: 2016
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BeitragVerfasst am: 06 Mai 2006 - 18:36:56    Titel:

Preuße hat folgendes geschrieben:
Dies ist eine ganz nüchterne und representative Statistik. Dort wird mit keinem Wort gesagt, dass dieser Prozentsatz gleichzeitig auch Kriminelle sind oder werden.

Wenn Menschen die Daten nicht richtig verarbeiten, liegt das an jedem Einzelnen selbst. Sollten diese Daten aber nicht veröffentlicht werden, nur weil einige Leute sie eventuell missinterpretieren könnten?
Die Zeitungen haben in meinen Augen die Aufgabe uns Informationen zu geben. Dies tut meine Quelle auch, und zwar ohne besondere Wertung, sondern ganz sachlich und nüchtern.

Daraus eine Anfeuerung der Ausländerfeindlichkeit zu sehen, halte ich für grob falsch.


Wenn solche Informationen veröffentlicht werden, ist der Eindruck entscheidend der vermittelt werden soll, und dass du sie als Beweis für ein falsches Verhalten der Ausländer interpretiert hast, zeigt doch eben, dass es funktioniert. Wenn solche Informationen im bewusst falschen Kontext dargestellt werden sind sie nicht neutral, allein die Darstellung, die Wahl der Farben, und welche Daten eben nicht dargestellt werden, zum Beispiel dass die Ausländerkriminalität seit jahren rückläufig ist, all das erzeugt natürlich ein entsprechendes Bild.


Mit freundliche Grüßen
ein
Bürger
Lamasshu
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Anmeldungsdatum: 23.12.2005
Beiträge: 4006

BeitragVerfasst am: 06 Mai 2006 - 19:35:19    Titel:

Bürger hat folgendes geschrieben:

Viele Fragen auf einmal. Versuchen wir es zunächst mit einem, weil sonst duie Beiträge zulang werden und weil ich meine sie zum Teil auch schon beantwortet zu haben.


Aus Gründen der Leserlichkeit würde ich vorschlagen auf Vollzitate zu verzichten. Dann sind die Antworten für den Gegenüber auch einfacher ersichtlich.

Bürger hat folgendes geschrieben:

Zunächst waren Ausländer, die zu uns als Gastarbeiter geholt wurden natürlich schlechter gebildet, weil die Industrie Hilfgsarbeiter und weniger Facharbeiter suchte. Daraus lässt sich aber kein Grund zur Ausländerfeindlichleit konstruieren, sonst müssten wir eine Verachtung und Feindseligkeit eines größten Teiles der Bevölkerung zu den eigenen bei uns weniger gebildeten Schichten feststellen, eine Ansicht die in sich schon paradox ist, weil Ausländerfeindlichkeit in den ungebildeten Schichten wesentlich stärker präsent ist und ein solcher Ansatz in gewisser Weise also eine innnere Feindschaft mit sich selbst implizieren würde und daher zunächst verworfen werden kann.


Nein, das ist eher verständlich als paradox. Den Gesellschaftswissenschaften ist sehr Jahrzehnten ausreichend gesichert bekannt, dass es keineswegs ausreichend eine Kategorie zu konstruieren und den einzelnen Individuen dann eine gemeinsame Identität zu unterstellen. Es mag durchaus sein, dass Angehörige bildungsferner Schichten eine Klasse an sich bilden und sich ganz objektiv aufgrund der Variable Bildungsabschluss ihr zuteilen lassen. Dennoch muss diese Gemeinsamkeit auch von den einzelnen Individuen erkannt werden, damit wir von einer Klasse für sich sprechen können. Den kleinen Mann als solchen gibt es in dieser Beziehung nur als romantische Stilisierung, es wird sehr wohl differenziert.
Aber wir müssen auch gar nicht wie oben Karl Marx bemühen oder eine Feindschaft anführen. Vielmehr sind wir schon allein mit dem Konkurrenzdenken auf der richtigen Fährte. Bildungsnahe Schichten neigen nicht primär deshalb nicht zur Ausländerfeindlichkeit - ich benutze das Wort in einer sehr weiten Fassung - da sie vom Geist der Aufklärung durchdrungen sind, sondern da der Kontakt mit gut integrierten Ausländern überwiegt und man zudem nicht in einer Wettbewerbssituation mit ausländischen Billigarbeitern steht.

Bürger hat folgendes geschrieben:

Die Frage ist, erzeugt niedrige Bildung Feindschaft? Ich glaube nicht. Erzeugt Arbeitslosigkeit an sich Feindschaft? In der Regel ist es eher umgekehrt diejenigen die noch eine Arbeit haben oder sie anstelle der Arbeitslosen ausüben erzeugen diese Feindschaft.


Angst. Und zwar nicht primär die Angst vor dem Fremden, sondern die Angst um die eigene Situation. Die Frage, weshalb die Einwanderungspolitik nicht restriktiver gehandhabt wird und so dem Deutschen mit geringer Bildung eine immer größere Konkurrenz erwächst, ist nur legitim. Da mögen "die da oben" gerne weiter in ihrem Elfenbeinturm über den demographischen Wandel oder die Universalität von Menschenrechten schwadronieren.

Bürger hat folgendes geschrieben:

Du erkennst dass die Verurteilung beliebig ist weil dort bestimmte Gruppen gegeneinander verglichen und in Konkurrenz gesetzt werden die mit dem eigentlichen Umstand nichts zu tun haben und davon ablenken. Die Ursache für den Arbeitsplatzabbau steckt nicht im Status Ausländer zu sein, sondern ist in den Chefetagen der Unternehmen zu suchen denn dort wird entschieden wird dass Arbeitsplätze abgebaut werden. Wenn die Telekom oder VW oder andere Großkonzerne wieder 20.000 oder 30.000 Arbeitsplätze abschaffen, werden natürlich mehr Ausländer anteilsmässig arbeitslos, und wie hätten sie das wohl durch ihr eigenes Verhalten verhindern sollen? Sie sind zum Spielball der Konzerne geworden und die Ausländerfeindlichkeit ist manchen ganz recht, so werden Wut und Ängste kanalisiert und die entscheidenen Fragen nicht gestellt.


Auch das Beispiel der Großkonzerne ist beliebig. Die Argumentation hätte Unternehmen A nicht 10.000 Leute entlassen gäbe es nun 10.000 Arbeitslose weniger ist im selben Maße richtig oder falsch wie wären diese 10.000 arbeitslosen Flüchtlinge nicht eingewandert hätten wir jetzt 10.000 Arbeitslose weniger.

Es ist nur eine Frage, wie denn das Pferd aufgezäumt wird, anstelle der Großkonzerne kann ich natürlich das gleiche Szenario auch mit Ausländern konstruieren. So können die überwiegend arbeitslosen Ausländer von Gruppe XY auch als Rädchen in einem Getriebe angesehen werden, dass letztlich die Politik zu einer Anhebung der Abgabenlast zwingt und damit in direkter Folge einen Arbeitsplätzeabbau zur Folge hat. Manche bedienen sich gerne den Ausländern, manche den Politikern und andere der Kapitalisten als Erklärung. Das Anfeinden von Großkonzernen entspricht in den meisten Fällen vom Gehalt der Handlungsorientierung einem Ausländer raus.

Bürger hat folgendes geschrieben:

Ausländerfeindlichkeit entsteht in den Vorstellungen von Menschen, in der Verallgemeinerung und im Bestreben Schuldige auszumachen und wird von der Darstellung der Massenmedien in wesentlichen Maße unterstützt, gestärkt oder auch unterbunden wie in den achtziger Jahren. Die Massenmedien sind dabei an ihren Profitinteressen zu messen um die Frage nach den vermeintlich dummen Chefredakteuren zu beantworten.
Die Nachricht dass ein Türke in ein Haus eingebrochen ist, hat einen höheren Marktwert. Das es ein Deutscher war, interessiert niemanden, dann wird es auf einmal ein 34 jähriger Elektriker oder ein aus Münschen stammender MItvierziger.


Es ist ein wenig leicht, jegliche Unterschiede auf eine Verzerrung der Massenmedien zu reduzieren. Natürlich leugne ich nicht den Schlagzeilencharakter mancher Aufmachungen. Dennoch gibt es zwischen Gruppen, die sich selbst als Gruppen definieren und eine gemeinsame Identität aufrechterhalten wollen Unterschiede. Diese zu leugnen ist für die Praxis schlicht und ergreifend fatal. Damit ist nicht gesagt, dass über das Individuum dann konkret gerichtet wurde. Aber Erfahrungen haben gezeigt, dass Gewaltprävention, Suchtbekämpfung und ähnliche Probleme durchaus zielgruppenspezifische angegangen werden können. So haben bspw. traditionelle Aussiedlerfamilien im Mittel eine völlig andere Herangehensweise als andere Familien, unabhängig vom Bildungsstand der Familie. Wenn ich jegliche unbequemen Unterschiede zwischen Kulturen und Religionen leugne, bin ich zwar über jeden Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit erhaben, stifte aber keine Handlungsorientierung und werfe die Probleme auf genau jene Menschen zurück, die gezwungen sind mit jenen tagtäglich umzugehen. Genau wie die Ritter des 15. Jahrhunderts den Knappen den Parzifal aus der Hand geschlagen haben, würden mir Sozialarbeit mit dem nackten Hintern ins Gesicht springen, wenn ich versuche jegliche Differenzierung auf das Individuum zu reduzieren oder von medialen Verzerrung zu sprechen.
Preuße
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Anmeldungsdatum: 02.12.2005
Beiträge: 66

BeitragVerfasst am: 06 Mai 2006 - 19:38:31    Titel:

Ich habe sie nicht als Beweis für falsches Verhalten interpretiert, sondern sie beweisen das falsche Verhalten mittels einer aussagefähigen Statistik.

Warum darf man Tatsachen nicht als Tatsachen erkennen, wenn sie denn eindeutig als solche bewiesen werden?

Die Ursache für solches Verhalten, mag man verschieden bewerten, aber das Faktum ist doch erstmal da.[/b]
Lamasshu
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Anmeldungsdatum: 23.12.2005
Beiträge: 4006

BeitragVerfasst am: 06 Mai 2006 - 19:52:31    Titel:

Bürger hat folgendes geschrieben:
Wenn solche Informationen im bewusst falschen Kontext dargestellt werden sind sie nicht neutral, allein die Darstellung, die Wahl der Farben, und welche Daten eben nicht dargestellt werden, zum Beispiel dass die Ausländerkriminalität seit jahren rückläufig ist, all das erzeugt natürlich ein entsprechendes Bild.


Natürlich ist der Kontext entscheidend, auch bei der Wahl der Aufmachung stimme ich zu.
Das ändert nichts daran, dass gewisse Datensätze aber so erhoben wurden. Häufig tun eben jene Datensätze aber wirklich weh:

Im Jahr 2003 wurden in Deutschland 35% aller aufgeklärten Morde von Ausländern verübt.

Was stelle ich nun mit dieser Aussage an? Erwähne ich nun meinem Gesprächspartner gegenüber, dass im Umkehrschluss 65% aller Morde von Deutschen verübt wurden und somit die Mordschuld zwischen den Gruppen "Deutsche" und "Ausländer" zuungunsten der Deutschen ausfällt? Oder berücksichtige ich, dass 75 Millionen Deutschen eine Zahl von 7 Millionen Ausländer gegenübersteht und somit die Zahl von 35% alarmierend hoch ist? Oder sollte ich gar, nur zur Sicherheit, dem Gegenüber noch erklären, dass nicht jeder den er als "Ausländer" bezeichnet auch ein "Ausländer" ist und die Mordrate für in Deutschland lebende Personen mit Migrationshintergrund noch einmal deutlich darüber liegt?

Natürlich ist die Interpretation der Zahlen entscheidend. Aber das negiert nicht die oben getätigte Aussage.


[/i]
Recht komisch
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Anmeldungsdatum: 22.07.2005
Beiträge: 1956
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BeitragVerfasst am: 06 Mai 2006 - 22:55:00    Titel:

Preuße hat folgendes geschrieben:
Ich habe sie nicht als Beweis für falsches Verhalten interpretiert, sondern sie beweisen das falsche Verhalten mittels einer aussagefähigen Statistik.

Warum darf man Tatsachen nicht als Tatsachen erkennen, wenn sie denn eindeutig als solche bewiesen werden?


Welches "falsche Verhalten der Ausländer" wird denn nun durch die angegebene Statistik "eindeutig bewiesen" Question
Durchblick 65
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Anmeldungsdatum: 24.02.2006
Beiträge: 615

BeitragVerfasst am: 07 Mai 2006 - 00:52:07    Titel:

x

Zuletzt bearbeitet von Durchblick 65 am 29 Jun 2006 - 13:04:11, insgesamt einmal bearbeitet
Bürger
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Anmeldungsdatum: 27.11.2005
Beiträge: 2016
Wohnort: Dortmund

BeitragVerfasst am: 07 Mai 2006 - 02:39:45    Titel:

Lamasshu hat folgendes geschrieben:

Was stelle ich nun mit dieser Aussage an? Erwähne ich nun meinem Gesprächspartner gegenüber, dass im Umkehrschluss 65% aller Morde von Deutschen verübt wurden und somit die Mordschuld zwischen den Gruppen "Deutsche" und "Ausländer" zuungunsten der Deutschen ausfällt? Oder berücksichtige ich, dass 75 Millionen Deutschen eine Zahl von 7 Millionen Ausländer gegenübersteht und somit die Zahl von 35% alarmierend hoch ist? Oder sollte ich gar, nur zur Sicherheit, dem Gegenüber noch erklären, dass nicht jeder den er als "Ausländer" bezeichnet auch ein "Ausländer" ist und die Mordrate für in Deutschland lebende Personen mit Migrationshintergrund noch einmal deutlich darüber liegt?

Natürlich ist die Interpretation der Zahlen entscheidend. Aber das negiert nicht die oben getätigte Aussage.


Die reinen Zahlen sind auch von mir nicht negiert worden, aber ich bzeichne die Art dieser Darstellung als höchst manipulativ.

Zunächst betrachten wir die Gruppen die miteinander verglichen werden und finden rasch, dass diese nicht vergleichbar sind, eine Tatsache die keine PKS verschweigt, die aber in der Tat in solchen Statistiken unter den Tisch gekehrt werden und das lässt solche Darstellungen nicht sehr seriös erscheinen. Es sind eben nicht nur die nackten Zahlen, sondern eben auch die Umstände die verschwiegen können die manipulieren.

So besteht die Gruppe der Ausländer aus mehr Männern als die Population der Nichtausländer, die Ausländer sind darüberhinaus im Durchschnitt jünger. Da Männer im Durchschnitt wesentlich häufiger schwere Straftaten begehen ensteht also durch den Vergleich zweier inhomogener Gruppen ein schiefes Bild. Mit anderen Worten wenn wir eine Vergleichsgruppe Deutscher nehmen würden die über die gleiche Zusammensetzung von Männern und Frauen verfügen würden, wäre die Kriminalität höher. Einfach deswegen weil nur 12,7% (Quelle PKS: 2004) der erfassten und aufgeklärten Mordtaten überhaupt von Frauen begannen werden.

Ein weiterer Gesichtspunkt eines anderen Faktors ist die Altersverteilung. Kriminalität ist in bestimmten Aktersgruppen häufiger anzutreffen, so dass auch hier in einer deutschen Vergleichsgruppe, die von ihrer Alterszusammensetzung wie die Ausländer aufgebaut ist, eine höhere Kriminalität als in der Durchschnittsbevölkerung zu erwarten ist.

Die Zahlen stimmen sicherlich, nur durch das Weglassen bestimmter Faktoren wird der Eindruck erzeugt die höhere Kriminalität wird allein durch den Umstand erzeugt, dass das eine Ausländer sind und das andere Deutsche, weil eben verschwiegen wird, dass die Populationen hinsichtlich anderer Faktoren die offensichtlich die kriminalität beeinflussen, in diesen Diagrammen verschwiegen wird.

Es gibt noch mehr solcher Verzerrungsfaktoren, weil es sich eben nicht um geschichteten Stichproben handelt, damit sind sie eben auch nicht repräsentativ, wir müssten also all diese Verzerrungsfaktoren herusrechnen. Natürlich kann es sein dass dann immer noch die relativen Anteile der Mordtaten höher sind, auf jeden Fall sind sie schon deutlich niedriger und das Bild sieht wesentlich weniger erschreckend aus. Wer diese Umstönde aber verschweigt, erzeugt natürlich ein falsches Bild.


Zum Schluss kommen wir aber zum wichtigsten Punkt überhaupt, von wievielen Mordtaten wir überhaupt reden wie groß ist die Vergleichsgruppe und können wir von den Mördern tatsächlich auf die Grundpopulation schließen. Tatsächlich ist das interessant um zu wissen worüber wir reden wenn wir Zahlen von 36% oder 29% benutzen.

Im Jahre 2004 sind 399 durchgeführte Mordfälle registriert. Das ergibt eine Häufigkeitszahl von 0,5 (Selbst alle Mord und Totschlagsfälle einschließlich der Versuche ergeben nur eine Häufigkeitszahl von 3.5 auf 100.000 Einwohner). Also 5 echte Mörder auf 1 Millionen Menschen. Neben wir an es wären 2 davon Ausländer, der tatsächliche Anteil ist zwar niedriger, aber es geht mir nur um die Dimensionen und nicht die exakten Werte.

Was ist nun die Wahrheit die unseren Alltag prägt, 2 Mörder oder 99998 die keine Mörder sind. Und diese 2 Mörder von ingesamt 5 Mördern sind die Grundlage Ausländer als mordgieriger als Deutsche abzustempeln?

Jeder Naturwissenschaftler würde sofort den Kopf schütteln, und sagen, wenn wir nur die Mörder miteinander vergleichen geht eine wichtige und entscheidende Information verloren, die nämlich wichtig ist, wie stark die Anzahl der Ausnahmefälle zur Grundgesamtheit ausfällt, wie relevant oder wie repräsentativ die Gruppe der Mörder überhaupt ausfällt.

Die Anzahl der Tatverdächtigen oder von mir aus auch der aufgeklärten Fälle ist ja an sich kein direktes Meßinstrument sondern stellt immer nur als Fläche unter einer Gausschen Normalverteilung dar die so etwas wie kriminelle Neigung auf der Abzisse erfasst. Die Zahl der Mörder ist aber die Fläche ganz weit rechts auf der Kurve denn sie macht eben 5 Millionstel aus. Von da aus auf Grundgesamtheiten zu schließen die um 5 oder 6 Zehnerpotenzen höher liegen und das Ganze dann auch noch repräsentativ zu nennen würde ein Stochastiker auf dem Niveau eines Blickes in eine Glaskugel ansiedeln.

Das ist die Wahrheit über diese Daten und interessanterweise werden diese Tatsachen auch in der PKS erwähnt, nur eben nicht in den Massenmedien.

Dieses Wissen kann man beim Durchschnittsleser nicht voraussetzen, er muss also anhand der Daten zu völlig falschen Schlüssen kommen.

Aus diesem Grunde bieten diese Darstellungen durch Verschweigen wichtiger Informationen ein völlig verzerrtes Bild.

Eher müssten wir, um ein wirklich realistisches Bild zu bekommen den relativen Anteil der Nichtmörder von Ausländer und Deutsche miteinander vergleichen mit dem Resultat, das wir dann nahezu den gleichen Wert erhalten würden das Verhältniss ist ungefähr 1:1.

Selbst wenn man diese Zahlen mit der durchschnittliche Lebenserwartung multipliziert und die Mehrfachstraftäter wieder abzieht, kommt man vielleicht für alle Mord und Totschlagsdelikte einschließlich der Versuche auf gerade einmal zweistellige Häufungszahlen pro 100.000 Einwohner. Mit anderen Worten wir bewegen uns bei Mord und Totschlagsdelikten bei den Täterzahlen unterhalb der Promille Grenze.

Über das Verhalten der Grundpopulation sagen die Relationen einer solch kleinen Gruppe mit gestörtem Verhalten nicht viel aus. Man kann von solchjen Ausnahmegruppen nicht auf Grundgesamtheiten schließen. Aber selbst wenn man es könnte, hätten wir nur Korrelationen und Korrelationen sagen noch nichts aus.

Ein vielleicht instruktives Beispiel um das aufzuzeigen: sehr viele Einbrecher tragen Turnschuhe um sich auf leisen Sohlen zu bewegen.

Sollten wir jetzt feststellen, dass die Zahl der Turnschuhträger unter den Einbrechern im Vergleich zu Lederschuhträgern errscheckend hoch ausfällt und deshalb zum Kampf gegen Turnschuhträger aufrufen?

Am besten verlangen wir ein Gesetz in dem sich alle Turnschuhträger verpflichten einen Eid zu schwören nie einzubrechen. Oder wir begegnen dem ganzen in dem wir die Turnschuhträger zwingen sich über das Tragen von Lederschuhen zu informieren und einen entsprechenden Test zu absolvieren, damit wir auch sicher sein können, dass viele Turnschuhträger durch das Lernen wie schön und edel doch Lederschuhe sind, umsteigen und dadurch automatisch die Anzahl der Einbrüche sinkt. Eine solche Vorstellung würde wohl allgemeines Gelächter erzeugen, weil die Absurdität sofort zu erkennen ist.

Das ist aber in etwa das heutige Niveau der Diskussion über Migranten und das ist in der Tat erschreckend, und zwar erschreckend niedrig.

Mit freundlichen Grüßen
ein
Bürger
Lamasshu
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Anmeldungsdatum: 23.12.2005
Beiträge: 4006

BeitragVerfasst am: 07 Mai 2006 - 05:02:11    Titel:

Bürger hat folgendes geschrieben:

Die reinen Zahlen sind auch von mir nicht negiert worden, aber ich bzeichne die Art dieser Darstellung als höchst manipulativ.

Zunächst betrachten wir die Gruppen die miteinander verglichen werden und finden rasch, dass diese nicht vergleichbar sind, eine Tatsache die keine PKS verschweigt, die aber in der Tat in solchen Statistiken unter den Tisch gekehrt werden und das lässt solche Darstellungen nicht sehr seriös erscheinen. Es sind eben nicht nur die nackten Zahlen, sondern eben auch die Umstände die verschwiegen können die manipulieren.


Akzeptiert, bemühen wir uns demnach um eine Bereinigung um herauszufinden, ob wir nach deinen Einwänden von einer annähernden Gleichverteilung zwischen Ausländern und Deutschen sprechen können.

Bürger hat folgendes geschrieben:

So besteht die Gruppe der Ausländer aus mehr Männern als die Population der Nichtausländer, die Ausländer sind darüberhinaus im Durchschnitt jünger. Da Männer im Durchschnitt wesentlich häufiger schwere Straftaten begehen ensteht also durch den Vergleich zweier inhomogener Gruppen ein schiefes Bild. Mit anderen Worten wenn wir eine Vergleichsgruppe Deutscher nehmen würden die über die gleiche Zusammensetzung von Männern und Frauen verfügen würden, wäre die Kriminalität höher. Einfach deswegen weil nur 12,7% (Quelle PKS: 2004) der erfassten und aufgeklärten Mordtaten überhaupt von Frauen begannen werden.


Es ist richtig, dass der Durchschnittsausländer "eher männlich" und der Durchschnittsdeutsche "eher weiblich" ist.
Auf einen deutschen Mann kommen 1,0568 Frauen.
Auf einen ausländischen Mann kommen 0,92 Frauen.
Wir sprechen demnach von einer Differenz von ca. 0,13.
Ehrlich gesagt reduziert dass die von Ausländern begangene Mordrate um nicht einmal einen Prozentpunkt, wenn ein Verursacheffekt beim Mann von 87,3% und bei der Frau von 12,7% angenommen wird.

Den Geschlechtereffekt erlaube ich mir demnach als marginalisiert anzusehen.

Bürger hat folgendes geschrieben:

Ein weiterer Gesichtspunkt eines anderen Faktors ist die Altersverteilung. Kriminalität ist in bestimmten Aktersgruppen häufiger anzutreffen, so dass auch hier in einer deutschen Vergleichsgruppe, die von ihrer Alterszusammensetzung wie die Ausländer aufgebaut ist, eine höhere Kriminalität als in der Durchschnittsbevölkerung zu erwarten ist.


Ausländer sind im Durchschnitt jünger als Deutsche, meine Zustimmung. Dass bestimmte Kriminalitätsdelikte stark mit Altersgruppen korrelieren, sehe ich auch so. Aber Mord? 560 von 641 Morden wurden 2003 bei juristischen Erwachsenen, also außerhalb des Jugendstrafrechtes verübt. Der durchschnittliche Ausländer in Deutschland ist 36 Jahre alt. Wenn wir den Anteil jener des Mordes überführten Ausländer unter 25 Jahren an der Gesamtzahl der durch Ausländer verübten Morde betrachten, kommen wir auf ein Ergebnis von 28,1%. Damit entfällt die Hauptlast aller von Ausländern verübten Morde nicht im signifikanten Maße in jene Altersgruppe, in der sie stärker aufgestellt ist als die Deutschen. Natürlich könnten wir bei einer angenommenen Lebenserwartung von 80 Jahren auch Quartile bilden und die Zahlen bis 25 Jahren umrechen und dann nur die beiden mittleren vergleichen, aber dafür bin ich gerade zu müde. Denke auch nicht, dass es wirklich ein anderes Bild hervorzaubert.

Bürger hat folgendes geschrieben:

Die Zahlen stimmen sicherlich, nur durch das Weglassen bestimmter Faktoren wird der Eindruck erzeugt die höhere Kriminalität wird allein durch den Umstand erzeugt, dass das eine Ausländer sind und das andere Deutsche, weil eben verschwiegen wird, dass die Populationen hinsichtlich anderer Faktoren die offensichtlich die kriminalität beeinflussen, in diesen Diagrammen verschwiegen wird.


Deine beiden Faktoren habe ich mich bemüht zu berücksichtigen. Leider führte keiner der beiden dazu, dass sich die Verteilung signifikant verschoben hat. Wenn die von dir als übrige Verzerrungsfaktoren bezeichneten Variablen nicht deutlich gewichtiger sind, erwarte ich dort auch keine Besserung.

Bürger hat folgendes geschrieben:

Es gibt noch mehr solcher Verzerrungsfaktoren, weil es sich eben nicht um geschichteten Stichproben handelt, damit sind sie eben auch nicht repräsentativ, wir müssten also all diese Verzerrungsfaktoren herusrechnen. Natürlich kann es sein dass dann immer noch die relativen Anteile der Mordtaten höher sind, auf jeden Fall sind sie schon deutlich niedriger und das Bild sieht wesentlich weniger erschreckend aus. Wer diese Umstönde aber verschweigt, erzeugt natürlich ein falsches Bild.


Es handelt sich bei meinen Zahlen um überhaupt keine Stichproben, sondern um eine Totalerhebung. Damit denke ich schon, dass sich die Frage nach Repräsentativität erübrigt hat.

Leider ist es mir nicht gelungen, durch deine hauptsächlichen Einwände ein deutlich weniger erschreckendes Bild zu zeichnen. Da ich aber nicht der einzige Mensch auf der Welt mit einem Taschenrechner bin, nehme ich natürlich auch gerne Modellrechnungen von dir entgegen, die zu einem deutlich weniger erschreckenden Bild führen.
Allein die Vermutung, dass es unzählige Verzerrungen gibt, die sich einfach zugunsten der Ausländer auswirken, finde ich nicht sonderlich überzeugend.

Bürger hat folgendes geschrieben:

Zum Schluss kommen wir aber zum wichtigsten Punkt überhaupt, von wievielen Mordtaten wir überhaupt reden wie groß ist die Vergleichsgruppe und können wir von den Mördern tatsächlich auf die Grundpopulation schließen. Tatsächlich ist das interessant um zu wissen worüber wir reden wenn wir Zahlen von 36% oder 29% benutzen.

Im Jahre 2004 sind 399 durchgeführte Mordfälle registriert. Das ergibt eine Häufigkeitszahl von 0,5 (Selbst alle Mord und Totschlagsfälle einschließlich der Versuche ergeben nur eine Häufigkeitszahl von 3.5 auf 100.000 Einwohner). Also 5 echte Mörder auf 1 Millionen Menschen. Neben wir an es wären 2 davon Ausländer, der tatsächliche Anteil ist zwar niedriger, aber es geht mir nur um die Dimensionen und nicht die exakten Werte.

Was ist nun die Wahrheit die unseren Alltag prägt, 2 Mörder oder 99998 die keine Mörder sind. Und diese 2 Mörder von ingesamt 5 Mördern sind die Grundlage Ausländer als mordgieriger als Deutsche abzustempeln?

Jeder Naturwissenschaftler würde sofort den Kopf schütteln, und sagen, wenn wir nur die Mörder miteinander vergleichen geht eine wichtige und entscheidende Information verloren, die nämlich wichtig ist, wie stark die Anzahl der Ausnahmefälle zur Grundgesamtheit ausfällt, wie relevant oder wie repräsentativ die Gruppe der Mörder überhaupt ausfällt.

Die Anzahl der Tatverdächtigen oder von mir aus auch der aufgeklärten Fälle ist ja an sich kein direktes Meßinstrument sondern stellt immer nur als Fläche unter einer Gausschen Normalverteilung dar die so etwas wie kriminelle Neigung auf der Abzisse erfasst. Die Zahl der Mörder ist aber die Fläche ganz weit rechts auf der Kurve denn sie macht eben 5 Millionstel aus. Von da aus auf Grundgesamtheiten zu schließen die um 5 oder 6 Zehnerpotenzen höher liegen und das Ganze dann auch noch repräsentativ zu nennen würde ein Stochastiker auf dem Niveau eines Blickes in eine Glaskugel ansiedeln.


Worüber genau der Naturwissenschaftler dabei den Kopf schüttelt, kann ich natürlich nicht sagen. Das ist insofern auch nicht wichtig, da er dazu nicht befragt werden würde.
Der Sozialwissenschaftler käme sicherlich schlicht und ergreift in aller Kürze zu dem Entschluss, dass die Mordrate in Deutschland recht (erfreulich) niedrig ist, aber überproportional von Ausländern verursacht wird. Dann kann in einem weiteren Schritt darüber nachgedacht werden, wie dieses Ergebnis dargestellt wird um niemanden zur Ausländerfeindlichkeit zu verlocken oder aber um die Massen gegen die Ausländer aufzustacheln. Aber das ändert eben nichts an der Folgerung an sich.

Deine Rechnung kommt einzig zu dem Entschluss, dass es in Deutschland praktisch gar keine Morde gibt und da dies so ist, muss auch nicht differenziert werden.
Derat kann ich auch nachweisen, dass die Anzahl der Verkehrstoten gemessen an der Anzahl der Menschen die täglich nicht im Verkehr sterben, so dermaßen gering ist, dass wir uns darüber gar keinen Kopfschmerzen machen müssen und dies auch gar nicht weiter zu hinterfragen brauchen.
Weiterhin kann ich negieren, dass Großunternehmen überhaupt irgendwelche Leute in einem bedenklichen Maße entlassen, da die Anzahl der trotz des Abbaues vorhandenen Arbeitsplätze so unglaublich hoch ist, dass man Großunternehmen wirklich nicht als Maschinerie des Arbeitsplätzeabbaues bezeichnen kann.

Wenn dir das nicht einleuchtend erscheint, können wir es anhand deiner oben skizzierten Rechnung gerne gemeinsam auf diese beiden Fälle übertragen. Vielleicht irre ich mich ja auch.

Bürger hat folgendes geschrieben:

Am besten verlangen wir ein Gesetz in dem sich alle Turnschuhträger verpflichten einen Eid zu schwören nie einzubrechen. Oder wir begegnen dem ganzen in dem wir die Turnschuhträger zwingen sich über das Tragen von Lederschuhen zu informieren und einen entsprechenden Test zu absolvieren, damit wir auch sicher sein können, dass viele Turnschuhträger durch das Lernen wie schön und edel doch Lederschuhe sind, umsteigen und dadurch automatisch die Anzahl der Einbrüche sinkt. Eine solche Vorstellung würde wohl allgemeines Gelächter erzeugen, weil die Absurdität sofort zu erkennen ist.


Mit Hilfe deiner Instruktionen und der Gaußchen Glockenkurve kann ich problemlos nachweisen, dass das Verhältnis von Trägern von Lederschuhen, Turnschuhen, Anglerstiefeln und Steigeisen ungefähr gleich ist und man keine Aussage darüber treffen kann, welche Schuhe eher für den Einbruch geeignet sind.
Warum sollte übrigens die Zahl der Einbrüche sinken wenn wir Turnschuhe verbieten? Da die Einbrecher nicht von Turnschuhen auf Lederschuhe umsteigen können? Oder da mit Lederschuhen keine Einbrüche möglich sind? Wenn der Anteil aller Einbrecher mit Turnschuhen bei 80% liegt und ich Turnschuhe verbiete, würde demnach die Einbruchsquote um 80% sinken?

Das klingt so als würden, wenn alle sieben Millionen Ausländer abgeschobenen werden würden, einfach die Deutschen die Morde begehen.
Irgendwie überzeugt mich das Beispiel nicht.
Bürger
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Anmeldungsdatum: 27.11.2005
Beiträge: 2016
Wohnort: Dortmund

BeitragVerfasst am: 07 Mai 2006 - 13:38:59    Titel:

Lamasshu hat folgendes geschrieben:

Es handelt sich bei meinen Zahlen um überhaupt keine Stichproben, sondern um eine Totalerhebung. Damit denke ich schon, dass sich die Frage nach Repräsentativität erübrigt hat.


Das ist defintiv falsch und wird von den Statistikern in der PKS und anderen Erhebenung, wenn sie seriös sind auch ganz deutlich klargestellt. Bei all diesen Erhebungen handelt es sich immer um Stichproben, einfach deswegen weil es auch bei Morrd und Totschlag eine Dunkelfeldzahl gibt über nichterfasste und nicht aufgeklärte Straftatten. Von einer Totalerhebung kann schon von daher keine Rede sein.

Deine Bemerkung ist aber noch aus einem anderen Grunde fachlich betrachtet nonsens, gerade aus Sicht der Sozialwissenschaften. Du schließt von den Verhältnissen einer kleinen Gruppe auf die Grundgesamtheit und gehst davon aus, dass diese Gruppe repräsentativ ist. In einem solchen Fall ist die kleine Stichprobe von 399 Menschen in der Tat als Stichprobe anzusehen. Eine Totalerhebung wäre etwas völlig anderes, nämlich wenn du ein Messinstrument besitzt, dass in der Lage wäre Kriminalität beim Einzelnen zu messen, und dann 80 Millionen Menschen befragen würdest.
Du kannst Schlüsse polizeitechnischer Art aus solchen Erhebungen ziehen zum Beispiel das es sinnvoll ist, bestimmte Dolmetscher für die Mordkommisiion zur Verfügung stehen oder vielleicht einen Beamten mit Migratioonshintergrund einzustellen.

Aber du kannst eben keine Aussagen über die Grundgesamtheit machen weil aus deren Sicht die 399 Mörder eben nicht repräsentativ sind.

Zitat:

Deine Rechnung kommt einzig zu dem Entschluss, dass es in Deutschland praktisch gar keine Morde gibt und da dies so ist, muss auch nicht differenziert werden.


Meine Rechnung kommt nicht nur zu diesem Schluß denn wenn du bei 7 bis 10 Verzerrungsfaktoren in etwa 1% ausmachen würdest, bedeutet dies in der Tat schon das deine Statistiken verzerrt sind, sie summieren sich auf.

Aus Sicht der Allgemeinheit ist die Erkenntnis völlig richtig. Die Zahlen und Daten die hier dargestellt werden vermitteln indes ein völlig anderes Bild. Es handelt sich bei Mördern aber um eine verschwindend kleine Minderheit, das müssen wir uns doch klar machen. Eine Differenzierung der Mörder in Ausländer und Nichtausländer mag aus polizeitechnischer Sicht einen Sinn ergeben, aber nicht aus ausländerpolitischer Sichtweise, weil der Status Ausländer genausowenig Morde produziert wie das Tragen von Turnschhuhen Einbrüche erzeugt. Es ergibt natürlich politisch dann einen Sinn wenn Ausländerpolitik dazu genutzt wird um von anderen Ereignissen abzulenken und dem Volk vorzugauckeln es würden Probleme angepackt.

Noch einmal im Jahre 2004 gab es auf 1 Millionen Menschen 5 Morde, davon etwa 5/3 von Ausländern begannen also ca. 1,67. Auf 100.000 Ausländer kommen also 1,67 Mörder. Aus diesem Zahlen ist die These dass Ausländer mordgieriger sind absoluter und fremdenfeindlicher Unsinn.

Noch schlimmer wird aber der Unsinn wenn daraus eine Gefahr für Deutsche konstruiert wird. Von den 399 Morden wurden weit über die Hälfte im familiären Umfeld begannen, sind also Beziehungsstraftaten. Der Rest der also Raubmorde erfasst, in denen dann böse Ausländer arme Deutsche in irgendeiner Ecke masakrieren ist so absurd niedrig, das es beschämend ist mit diesen Zahlen überhaupt an die Öffentlichkeit zu gehen und mit lauten Geschrei Ausländer zu diskreditieren.

Zum Schluß glaube ich in der Tat dass die Zahl der Morde nicht sehr stark sinken würde, wenn wir die Ausländer durch Deutsche ersetzen würden, weil die Anzahl der Morde Ausdruck der umgebenden Verhältnisse sind. Private Probleme und Schwierigkeiten werden sicherlichauch durch verschiedene Auffassungen über Kultur getragen, aber die Konflikte brechen dann meistens erst richtig aus, wenn zu den unterschiedlichen Auffassungen wirtschaftliche Probleme kommen.

Anders ausgedrückt intekulturelle Konflikte sind nur eines aus vielen Komponenten und Faktoren die letztlich zu einem Mord führen. In den Darstellungen die von dir favorisiert werden wird dem aber nicht Rechnung getragen. Ich könnte ebensogut eines von hunderten verschiedener Faktoren nehmen und vergleichen, dann kommen wir zu dem Schluss dass eine ganze Reihe von Eigenschaften und Attributen Morde begünstigt wie man das statistisch formuliert, zum Beispiel der Bildungsgrad, das Alter, das Geschlecht, die Wohngegend, der Beruf, die Gelegenheit um nur einige zu nennen.

So könnten wir Menschen mit einem bestimmten Beruf, mit einem bestimmten Bildungsgrad, eines bestimmten Geschlechtes, einer bestimmten Wohngegend (wird von Versicherungen praktiziert), eines bestimmten Alters, einer bestimmten jugendlichen Subkultur etc, diskreditieren.

So würde es sich nach den Zahlen eher anbieten Männer zu diskreditieren denn Ausländer, weil in der Tat sowohl bei Ausländern als auch bei Deutschen der Anteil der Männer das der Frauen wesentlich übersteigt, dagegen ist die stärkere Präsenz der ausländischen Mörder gegenüber Deutschen unwesentlich. Wie gesagt dass ist der Verhältniss in der kleinen Gruppe. Würden wir das Verhalten der Öffentlichkeit und der Medien gegenüber Mördern an den Tag legen müssten wir jeden Tag lange Berichte in den Zeitungen lesen über die schlimmen kriminellen Männer, die mordend durch unsere Straßen ziehen. Wir sollten alle Männer sofort einen Eid auf die Verfassung schwören lassen und auf Antigewaltkurse schicken.

Das wären die logischen Konsequenzen, wenn wir wirklich diese Schlüsse aus der Beobachtung kleiner Minderheiten auf Grundgesamtheiten zuließen. Nur bei all diesen Beispielen wird es nicht gemacht, bei den Ausländern schon, das ist der Punkt der das Ganze als ausländerfeindlich entlarvt. Männer werden nicht angegriffen und beleidigt und zu Unrecht verdächtigt, obwohl ihr Anteil an Verbrechen um ein Mehrfaches höher liegt. Wir werden nicht in Bussen angegafft, weil schon wieder ein Mann einen Mord begannen hat und die Männer müssen sich eben keine Sprüche anhören wie schlimm doch die Männer im Allgemeinen sind und wie lange sich die Gesellschaft denn das gefallen lassen will und das doch endlich was getan werden muss.

Bei Ausländern wird aber genau das zelebriert, wie die vielen Artikel und Beiträge in diesem Forum nur zu instruktiv belegen, das ist natürlich ob bewusst oder nicht Ausdruck einer extrem ausländerfeindlichen Gesellschaft, die sich dessen nur nicht bewusst ist. Manchen Politiker fällt das auf, viele wissen es und schweigen, weil Ausländerfeindlichkeit in schwierigen Zeiten auf ein ungemein gestiegenes Verständnis stösst. Sozialpolitisch betrachtet lässt sich Ausländerfeindlichkeit aber nicht rechtfertigen und im Verhalten der Ausländer begründen, weil sich die überwiegende Mehrheit der Ausländer etwa im Verhältniss 100.000: 2 eben nicht als Mörder betätigt.

Der durchschnittliche Ausländer ist genausowenig mordgierig wie der durschnittliche Deutsche oder durchschnittliche Mann.

Die Frage ist also warum nur die Gruppe der Ausländer, wenn es wirklich die Kriminalität ist die die Leute angeblich so aufbringt? Warum werden die Männer nicht diskreditiert und hinterfragt, oder die Berufsgruppen in denen mehr Morde passieren? Warum die Ausländer?

Weil sie sich als Sündenböcke eignen, weil sich diejenigen die Ausländerfeindlichkeit praktizieren sich dann zurücklehnen können, weil man einen Schuldigen ausgemacht hat ( für ein Problem über das andere Staaten froh wären wenn es nur in dieser ausgesprochen niedrigen Zahl sich ausdrücken würde) . Weil es, wie ich anfangs dieser Diskussion erklärte in den Vorstellungen und Köpfen stattfindet und wenig mit dem tatsächlichen Verhalten der Ausländer zu tun hat.

Ich möchte in diesem Zusammenhang noch ein Zitat anbringen
Heiner Geißler hat folgendes geschrieben:

Die Seele unseres ganzen Volkes hat sich verbogen. Wie heute über Ausländer
gesprochen wird, das ist ein Rechtsruck, das hat es vor drei Jahren noch nicht gegeben.


Vielleicht solltest du einmal darüber nachdenken, bevor du zu opportunistisch den Zeitgeist zu rechtfertigen versuchst, der sich bei genauerem Hinsehen eben nicht rechtfertigen lässt, aber...

Tucholsky hat folgendes geschrieben:
Nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als sich im offenen Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: NEIN!


Fremdenfeindlichkeit liegt nicht im Verhalten der Fremden begründet. der Jud ist nicht selber schuld , Fremdenfeindlichkeit findet in unseren Köpfen und Vorstellungen statt, ist Ausdruck von irrationalen Ängsten, dumpfen völkischen Vorstellungen und auch Ergebniss von entsprechend
verzerrten Darstellungen in den Medien. Es ist wohl nicht oppurtun dass zu sagen, es wird verschreien als Gutmenschentum, Multikulti und PC, aber es ist trotz allen dem die Wahrheit, die der Intelligenzia auch bewusst ist.

Das Verhalten der überwiegenden Anzahl der Ausländer rechtfertigt weder Ausländerfeindlichkeit noch erzeugt sie diese.


Mit freundlichen Grüßen
ein
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BeitragVerfasst am: 07 Mai 2006 - 20:14:28    Titel:

Lamasshu hat folgendes geschrieben:
Akzeptiert, bemühen wir uns demnach um eine Bereinigung um herauszufinden, ob wir nach deinen Einwänden von einer annähernden Gleichverteilung zwischen Ausländern und Deutschen sprechen können.


Damit würde man wohl so etwas wie den heiligen Gral der Kriminologie finden.
Seit nunmehr mehr als 20 Jahren bemüht sich die Wissenschaft um eine umfassende, methodengerechte Bereinigung der zur Verfügung stehenden Kriminalstatistiken um die (keineswegs nur von Bürger so genannten) Verzerrungsfaktoren, um eine aussagefähige und klare Kriminalitätsbelastungszahl bezüglich der betreffenden Bevölkerungsgruppen zu erhalten. Bestimmte Aussagen oder Schlussfolgerungen aus den kriminalstatistischen Daten lassen sich erst dann ableiten, wenn solche Faktoren umfassend kontrolliert wurden und man von einer (trotzdem nicht vollständigen) Vergleichbarkeit der Gruppen ausgehen kann - eine solche tatsächliche empirische Klärung ist aber bisher nicht gelungen.
Zu berücksichtigen wären zB bezogen auf die PKS gravierende demographische Unterschiede; daß Nichtdeutsche im Durchschnitt in deutlich größerem Maße in nationalitätsübergreifende Risikogruppen fallen, was Alter (jünger), Geschlecht (männlich), Bildung, soziale Stellung, aber auch großstädtisches Wohnumfeld angeht, führt jeweils zu einem berechenbar höheren Risiko, als Tatverdächtige polizeiauffällig zu werden.
So nivelliert zB die Landbevölkerung bei den Deutschen stärker die Durchschnittswerte; allein die Beseitigung schichspezifischer Verzerrungsfaktoren läßt die Kriminalitätsbelastung ausländischer Bevölkerungsgruppen jedenfalls weit weniger sensationell erscheinen.
Hinzu treten weitere, noch schwerer bestimmbare Faktoren wie insbesondere das Anzeigeverhalten, die höhere Strafverfolgungsintensität bei Nichtdeutschen sowie die (jedenfalls sprechen einige Untersuchungen dafür) unabhängig von der Schuld höhere Wahrscheinlichkeit, verurteilt zu werden - bei höherer Strafe. Das wiederum führt in eine potentiell abweichende Einschätzung des Verhältnisses von Hell- und Dunkelfeld gegenüber der Vergleichsgruppe, die ebenfalls zu berücksichtigen wäre.

Als massiv problematisch erweist sich schließlich der methodisch unzulässige Vergleichsbezug zwischen der Kriminalstatistik und dem Anteil an der Wohnbevölkerung; in den Kriminalstatistiken werden nämlich auch in erheblichem Maße Täter erfaßt, die gar nicht in die deutsche Wohnbevölkerung eingerechnet sind. Die Basis der PKS ist also im Hinblick auf die Ausländer größer als die Basis der Bevölkerung. Durch Bereinigung sinkt die Zahl der verbleibenden tatverdächtigen Ausländer, die der der Wohnbevölkerung entspricht und insoweit vergleichbar ist, schon um .ca 10-28 % (abhängig von Jahr und Delikt).
Nicht zuletzt deswegen enthält die PKS ja mittlerweile eine entsprechende, ausführliche Kommentierung zu den Zahlen, um Mißverständnisse wie Mißbrauch zu vermeiden.

Lamasshu hat folgendes geschrieben:
(...) Im Jahr 2003 wurden in Deutschland 35% aller aufgeklärten Morde von Ausländern verübt.(...)
(...) 560 von 641 Morden wurden 2003 (...)


Woher stammen diese Zahlen eigentlich?
(Nebenbei: es ist wohl nicht hilfreich, mit unterschiedlichen Zahlen und unterschiedlichen Statistiken zu rechnen.)

Lamasshu hat folgendes geschrieben:
Aber Mord?


Für eine sozialwissenschaftliche Betrachtung dürfte es nicht sachdienlich sein, an Hand der juristischen Eingrenzung des Mordtatbestandes zu arbeiten; idR ist Untersuchungsgegenstand die Gewaltkriminalität als Ganzes, da für Schlußfolgerungen in dieser Hinsicht besser geeignet (und scheidet dennoch Bagatellkriminalität und deren zT besondere Bedingungen aus).

Lamasshu hat folgendes geschrieben:
Allein die Vermutung, dass es unzählige Verzerrungen gibt, die sich einfach zugunsten der Ausländer auswirken, finde ich nicht sonderlich überzeugend.


Dabei handelt es sich um durchaus weit mehr als eine Vermutung; in der Sache bezweifelt das keine der kriminologischen Untersuchungen zu dem Thema. Während einige Forscher davon ausgehen, nach Bereinigung ergebe sich keine signifikant höhere Kriminalitätsbelastung der entsprechenden Gruppen, meinen andere, es bleibe noch eine tatsächlich bestehende höhere Belastung zumindest einiger Untergruppen übrig.

Lamasshu hat folgendes geschrieben:
Bürger hat folgendes geschrieben:

Am besten verlangen wir ein Gesetz in dem sich alle Turnschuhträger verpflichten einen Eid zu schwören nie einzubrechen. Oder wir begegnen dem ganzen in dem wir die Turnschuhträger zwingen sich über das Tragen von Lederschuhen zu informieren und einen entsprechenden Test zu absolvieren, damit wir auch sicher sein können, dass viele Turnschuhträger durch das Lernen wie schön und edel doch Lederschuhe sind, umsteigen und dadurch automatisch die Anzahl der Einbrüche sinkt. Eine solche Vorstellung würde wohl allgemeines Gelächter erzeugen, weil die Absurdität sofort zu erkennen ist.


Mit Hilfe deiner Instruktionen und der Gaußchen Glockenkurve kann ich problemlos nachweisen, dass das Verhältnis von Trägern von Lederschuhen, Turnschuhen, Anglerstiefeln und Steigeisen ungefähr gleich ist und man keine Aussage darüber treffen kann, welche Schuhe eher für den Einbruch geeignet sind.


Das Turnschuh-Beispiel illustriert jedenfalls einen grundlegenden Punkt, der bei der Diskussion über sog. Ausländerkriminalität gerne übersehen wird - bereits die Dichotomisierung Deutsch / Nicht-Deutsch ist untauglich, weil die Staatsangehörigkeit als solche weder ein kriminogener noch ein kriminoresistenter Faktor ist und damit kriminologisch irrelevant - ebenso wie das Tragen von Turnschuhen.

In direktem Bezug auf die Ursachen von Ausländerfeindlichkeit wäre in dieser Hinsicht noch anzumerken, daß mittlerweile erhebliche Zweifel daran bestehen, daß es überhaupt IRGENDEINEN noch so vagen Zusammenhang zwischen Kriminalitätswahrnehmung und tatsächlicher Kriminalität gibt (inwiefern die Ursachen dafür wiederum medialer Natur sind, darüber mag man streiten - der allgegenwärtige Pfeiffer vertritt die These zB mit Nachdruck und mE solider Begründung). So herrscht bei der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung der nachhaltige Eindruck, insbesondere die Gewaltkriminalität sei in den letzten Jahren DRAMATISCH angestiegen, während das genaue Gegenteil der Fall ist.
Es liegt nahe, daß das für die "gefühlte Bedrohung" durch "Ausländerkriminalität" ebenso gilt und der tatsächliche Sachverhalt unerheblich ist - und tatsächlich belegen die Umfragen das Steigen der diesbezüglichen Ängste, während merkwürdigerweise gleichzeitig schon die Zahl der ausländischen Tatverdächtigen kontinuierlich sinkt.
Dazu gibt´s weitere schöne Erhebungen, die zeigen, daß sich die Angst vor Ausländerkriminalität umgekehrt proportional zum Ausländeranteil des Wohnortes und der Zahl der in diesem Ort von Ausländern begangenen Straftaten verhält - eine interessante Parallele zur Fremdenfeindlichkeit.
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