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Gleichbehandlungsgesetz
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Boush
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Anmeldungsdatum: 24.06.2006
Beiträge: 156

BeitragVerfasst am: 18 Aug 2006 - 20:21:44    Titel:

edit: schreibt euch bitte eine PM (Sh)
coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
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BeitragVerfasst am: 18 Aug 2006 - 22:24:09    Titel:

Bürger hat folgendes geschrieben:
Das die Unternehmen jede Möglichkeit einer Klage verhindern wollen ist verständlich weil es ihre Interessen trifft. Ebenso ist verständlich dass in einem Forum in dem zukünftige Unternehmer durch entsprechende Studienrichtungen stärker vertreten sind, wie selbstverständlich diese Positionen einnehmen. Allein dadurch ist natürlich die Sinnhaftigkeit eines solchen Gesetzes nicht widerlegt, die Arbeitgeber haben sich anfangs auch gegen Arbeitsschutzmaßnahmen und Arbeitnehmerechten gewehrt und ähnlich geschimpft wie sich das hier auch wieder niederschlägt.

Interessant ist dabei zu beobachten das ganz gleich was beschlossen wird, wenn auch nur die Interessen tangiert werden beginnt die Lobby zu arbeiten und die zukünftigen BDI-Vertreter empfehlen sich schon einmal.


In einem Forum, in dem alle Mitglieder weitgehend anonym sind und sich untereinander nicht kennen ist der implizite Hinweis, hier würden Interessen zukünftiger Arbeitgeber zur Empfehlung bei denselbigen wiedergegeben doch recht unplausibel. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass hier jemand bei einer etwaigen Bewerbung angibt der User xxx aus dem Forum yxz zu sein. Dagegen ist der Gedanke, dass der BDI ab und an doch auch mal gute Argumente hat plausibler. Die aussagende Person ändert an der Aussage bzw dem Argument nichts.

Zitat:
Zum anderen wurde das Gleichbehanlungsgesetz mehrfach überarbeitet um den Bedürfnissen der Industrie so weit wie möglich entgegenzukommen so dass die jetztigen Beschwerden zeigen, dass die Industrie nie zufrieden zu stellen ist.


In der Tat war das Gesetz ja schon länger im Gespräch. Ehrlich gesagt ist mir dabei entgangen, inwiefern es zugunsten der Industrie geändert wurde. Könntest du oder jemand sonst dies kurz darstellen? Inwiefern unterscheidet sich das jetzige Gesetz vom ursprünglichen Entwurf?

Zitat:
Wenn ein Arbeitnehmer auf Grund einer besseren Qualifikation ausgewählt wurde, lässt sich das auf jeden Fall nachweisen und belegen, schon anhand der Zeugnisse. Ein Arbeitnehmer der abgewiesen wird hat in der Regel keine Kenntnisse warum er abgewisen wurde und geht das Risiko ein, auf jeden Fall zu verlieren, wenn schon die Zeugnisse nachweisen, das er eine schlechtere Qualifikation hat.


Das ist ja aber gerade das Problem. Es könnte doch passieren, dass Risikokandidaten gar nicht mehr zum Bewerbungsgespräch eingeladen werden, da die Personaler eine Klage fürchten. Obwohl diese Menschen eine Chance auf einen Arbeitsplatz gehabt hätten sinkt nun ganz einfach die Wahrscheinlichkeit überhaupt in Betracht gezogen zu werden. Wenn nun ein Deutscher afrikanischer Herkunft sich auf eine Stelle bewirbt, für die es von der rein formalen Qualifikation her bessere Bewerber gibt, so kann es passieren, dass dieser gar nicht mehr in Betracht gezogen wird, gar nicht mehr eingeladen wird aus Angst er könnte Klage einreichen. Gerade die Randgruppen, bei denen ihre Randgruppenzugehörigkeit offensichtlich ist, werden durch dieses Gesetz benachteiligt.

Ferner ist auch nicht unbedingt ersichtlich, ob wir kulturelle Probleme immer durch Gesetze lösen sollten, oder ob ein Ansatz an eben den kulturellen Rahmenbedingungen nicht vielleicht sinnvoller wäre. Nehmen wir den öffentlichen Druck von den Randgruppen und stellen wir sie in den Medien positiv dar, so ändert sich vieles automatisch. Man denke da zum Beispiel an die Zeiten, als Zivildienstleistende fürchten mussten auf offener Straße als Vaterlandsverräter beschimpft und mit Steinen beworfen zu werden. Erst als in einer beliebten Fernsehserie die Zivis positiv dargestellt wurden änderte sich nach und nach das Bild in der Gesellschaft. Dies ist auch mit den diskriminierten Randgruppen denkbar, wenn es sie in der Art überhaupt noch gibt.

Beste Grüße
coffeinjunky
Bürger
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Anmeldungsdatum: 27.11.2005
Beiträge: 2016
Wohnort: Dortmund

BeitragVerfasst am: 19 Aug 2006 - 04:09:02    Titel:

coffeinjunky hat folgendes geschrieben:

In einem Forum, in dem alle Mitglieder weitgehend anonym sind und sich untereinander nicht kennen ist der implizite Hinweis, hier würden Interessen zukünftiger Arbeitgeber zur Empfehlung bei denselbigen wiedergegeben doch recht unplausibel. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass hier jemand bei einer etwaigen Bewerbung angibt der User xxx aus dem Forum yxz zu sein. Dagegen ist der Gedanke, dass der BDI ab und an doch auch mal gute Argumente hat plausibler. Die aussagende Person ändert an der Aussage bzw dem Argument nichts.


[...]
Natürlich wird man sich schief lachen, wenn sich ein zukünftiger Bewerber auf eine höhere Position im BDI dieses Forum als Referenz angibt, da wäre doch wohl eher ein blaugelbes Parteiabzeichen eine gute Empfehlung. Hier im Politikforum geht es doch mehr darum besonders dreiste Positionen einzunehmen und zu schauen, wie weit man damit kommt, klassisches BDI-Verhalten übrigens. Das in diesem Forum Meinungen verbreitet werden, die sehr häufig wie durch ein Wunder die Position des BDI einehmen, anders als die Zusammensetzung der Studentenschaften oder gar der Bevölkerung impliziert, ist wohl reiner Zufall und hat natürlich nichts damit zu tun, dass hier Studenten der Wirtschaftswissenschaften agitieren würden und die Ideem dass sie hier ihre Hörner abstossen wollen, sprich das Forum als Spielwiese für ihre ultrakapitalitischen, neoliberalen und libertären Ideologien wie sonst selten in dieser Konzentration auswälzen, ist natürlich völlig aus der Luft gegriffen.

Es klingt auch besser, wenn man scheinbar aus der Mitte der Gesellschaft argumentiert, als sich als Vertreter einer kleineren Klientel mit dezidierten Interessen outet und selbstredend daran gemessen wird.


Mit freundlichen Grüßen
ein
Bürger

edit: Bitte keine Unterstellungen (Sh)


Zuletzt bearbeitet von Bürger am 19 Aug 2006 - 04:25:45, insgesamt einmal bearbeitet
Bürger
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Anmeldungsdatum: 27.11.2005
Beiträge: 2016
Wohnort: Dortmund

BeitragVerfasst am: 19 Aug 2006 - 04:23:12    Titel:

coffeinjunky hat folgendes geschrieben:

Zitat:
Wenn ein Arbeitnehmer auf Grund einer besseren Qualifikation ausgewählt wurde, lässt sich das auf jeden Fall nachweisen und belegen, schon anhand der Zeugnisse. Ein Arbeitnehmer der abgewiesen wird hat in der Regel keine Kenntnisse warum er abgewisen wurde und geht das Risiko ein, auf jeden Fall zu verlieren, wenn schon die Zeugnisse nachweisen, das er eine schlechtere Qualifikation hat.


Das ist ja aber gerade das Problem. Es könnte doch passieren, dass Risikokandidaten gar nicht mehr zum Bewerbungsgespräch eingeladen werden, da die Personaler eine Klage fürchten. Obwohl diese Menschen eine Chance auf einen Arbeitsplatz gehabt hätten sinkt nun ganz einfach die Wahrscheinlichkeit überhaupt in Betracht gezogen zu werden.


Das halte ich für Unsinn. Wir haben zwei Möglichkeiten, Möglichkeit 1 der Betrieb sortiert Auslönder schon bei der Bwerbung aus, vor dem Gesetz.

Dann kann das Gesetz genau dieses Verhalten ändern, denn wenn der Bewerber nachweisen kann, dass er eine bessere Qulaifikation besitzt und trotzdem nicht zum Bewerbungsgespräch eingeladen wurde, dann hat er ein gutes Argument um den Betreib zu verklagen. Das wissen die Betriebe natürlich und laden ihn eher ein, schon um sich keine Blöße zu geben.
Selbstverständlich mag es dann zu Trotzreaktionen kommen, aber zumindestens ist jetzt überhaupt eine Chance da, die gab es vorherher nämlich nicht, als alle Migranten afrikanischer Herkunft aussortiert wurden.

Im anderen Fall, wenn ein Migrant aus Afrika um dein Beispiel weiter aufzugreifen auch schon vor dem Gesetz zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen worden wäre, besteht für den Betrieb überhaupt kein logischer Grund dieses Verhalten zu ändern, denn es existieren dort offensichtlich keine oder mindestens deutlich geringere Vorurteile. Es ist auch absolut nicht einzusehen, dass die Klagefreudigkeit des Bewerbers dadurch erhöht werden soll, indem man ihn zu einem Bewerbungsgespräch einlädt. Durch die Einladung hat man zumindestens doch belegt, dass man Migranten aus afrikanischer Herkunft eine Chance gibt. Auch wird dem Migranten kaum eine Einsicht gewährt, welche Chancen andere Bewerber haben. Warum sollte er also eher klagen? Tut mir leid, die Logik Deiner Argumentation ist alles andere als einleuchtend.

Bei denen die schon immer struppig im Kopf sind und ausländerfeindlich oder rassistisch denken, weren Ausländer auch zukünftig schlechte Karten haben, denn solche Dumpfbacken werden versuchen, das Gesetz zu umgehen und wahrscheinlich Lösungen finden. Aber die hätten auch vorher so reagiert. In den anderen Fällen, in denen eher betriebswirtschaftliche Überlegungen die Chancen minimierten, wird das anders vermutlich aussehen, weil die Chance sich eine Klage einzufangen die Wirtschaftlichkeitsberechnungen einer Personalverwaltung ändern und als nicht ratsam erscheinen lässt Menschen auf Grund ihrer Herkunft auszusortieren, um es den Arbeitsaufwand zu reduzieren.


Mit freundlichen Grüßen
ein
Bürger
coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3783
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 19 Aug 2006 - 10:14:11    Titel:

Bürger hat folgendes geschrieben:
Es ist schon schwierig einen Beitrag so zu verfassen, dass in ihm gleichzeitig Unvoreingenommenheit vorgespielt - und trotzdem der BDI verteidigt wird, ein Verbiegungskunstwerk aller erster Sahne, meinen Glüchwunsch.


Es erscheint mir persönlich etwas zweifelhaft nur aufgrund der Assoziation eines Argumentes mit dem Vortragenden oder noch besser mit jemandem anderem, der die selben Argumente vertritt, auf die Gültigkeit oder Ungültigkeit des Argumentes schließen zu wollen. Um dies zu verdeutlichen wähle ich das Extrembeispiel:

Adolf Hitler ist bekanntlich ein sehr sehr schlechter Mensch. Aber wenn Adolf Hitler sagt: "Es regnet" und diese Aussage wahr ist (es also tatsächlich regnet), dann ist die Feststellung, dass es regnet, nicht deswegen falsch, weil Adolf Hitler dies festgestellt hat. Die Tatsache, dass du nun den BDI nicht besonders magst und Menschen, die ab und an ähnliche Argumente vertreten, als Vasall des BDI darstellen möchtest ändert noch lange nichts an den Inhalten. Insbesondere wäre es menschlich korrekt, wenn man auf solche Unterstellungen gänzlich verzichten würde um sich rein den Sachargumenten zu widmen.

In der Sache selber sind wir uns uneins. Wir können uns also im Sinne Birkenbihls zweinigen, d.h. uns darauf einigen unterschiedlicher Meinung zu sein. Einen Punkt aber möchte ich noch erwähnen:

Bürger hat folgendes geschrieben:
Dann kann das Gesetz genau dieses Verhalten ändern, denn wenn der Bewerber nachweisen kann, dass er eine bessere Qulaifikation besitzt und trotzdem nicht zum Bewerbungsgespräch eingeladen wurde, dann hat er ein gutes Argument um den Betreib zu verklagen. Das wissen die Betriebe natürlich und laden ihn eher ein, schon um sich keine Blöße zu geben.


Das Problem aber trifft gerade diejenigen, die nicht die bessere formale Qualifikation haben und normalerweise durch ihre Persönlichkeit im Einzelgespräch überzeugen würden. Auf diese Menschen zielt meine Argumentation ab, die ich immer noch für gültig halte.

Ferner würde ich immer noch gerne wissen, welche Änderungen das Gesetz zugunsten der Industrie mitgemacht hat. Ich habe den Gesetzgebungsprozess wirklich nicht verfolgt und würde dies wirklich gerne wissen, um diese Lücke zu schließen. Wenn du oder andere mitlesende Personen mich darüber aufklären (oder mir Links geben) können wäre ich sehr dankbar.

Beste Grüße
coffeinjunky
Guido
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BeitragVerfasst am: 19 Aug 2006 - 13:29:08    Titel:

coffeinjunky hat folgendes geschrieben:
Ferner würde ich immer noch gerne wissen, welche Änderungen das Gesetz zugunsten der Industrie mitgemacht hat. Ich habe den Gesetzgebungsprozess wirklich nicht verfolgt und würde dies wirklich gerne wissen, um diese Lücke zu schließen. Wenn du oder andere mitlesende Personen mich darüber aufklären (oder mir Links geben) können wäre ich sehr dankbar.


Ich suche mir das Ganze auch noch zusammen, zumal ich wohl in absehbarer Zeit auch beruflich damit zu tun bekommen werde. In der ursprünglichen Version, die zudem Antidiskriminierungsgesetz statt wie jetzt Gleichbehandlungsgesetz hieß, gab es wohl ein oder zwei Diskriminierungstatbestände mehr und die Rechte der Gewerkschaften und Diskriminierungsverbände aus eigenem Anlass heraus gegen Unternehmen auf dem Klageweg vorzugehen, gingen weiter.

An sich eine durchaus sinnvolle Sache. Aber man hat speziell in Deutschland im Umfeld des in Teilen völlig verunglückten gewerblichen Rechtsschutzes üble Erfahrungen mit Abmahnbetrug (Serienabmahnungen auf Kosten Dritter wegen Bagatellen…) im großen Stil gemacht. Daher wollte man in diesem Fall wohl "den Deckel drauf lassen".

Die wohl deutlichste positive Auswirkung des AGG sehe ich in der nun deutlich schwieriger werdenden Altersdiskriminierung. Alles andere ist Pillepalle. In etlichen Ländern Europas gibt es solche Gesetze schon länger. Prozesslawinen gab es deswegen dort nicht. Am klagefreudigsten ist man innerhalb Europas bzgl. Diskriminierung in Großbritannien, da das dortige Gesetz oft als Ersatz für den fehlenden Kündigungsschutz genutzt wird.

Im deutschen Arbeitsrecht kommen die meisten Prozesse daher, dass wichtige Rechtsbegriffe unklar oder von Gesetz zu Gesetz unterschiedlich geregelt sind. Sowie daher, dass der Gesetzgeber im Rahmen von Bürokratieabbauprogrammen bewusst darauf setzt, dass Streitigkeiten ausgehandelt werden. Dieses Aushandeln findet dann i.d.R. vor dem Arbeitsgericht statt. Die Hälfte aller Arbeitsgerichtsprozesse betrifft Kündigungsgeschichten.
Bürger
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BeitragVerfasst am: 19 Aug 2006 - 16:08:44    Titel:

coffeinjunky hat folgendes geschrieben:

Das Problem aber trifft gerade diejenigen, die nicht die bessere formale Qualifikation haben und normalerweise durch ihre Persönlichkeit im Einzelgespräch überzeugen würden. Auf diese Menschen zielt meine Argumentation ab, die ich immer noch für gültig halte.


Ach? Wie soll ich das verstehen und wie soll das mit dem Gleichbehandlungsgesetz zusammenhängen?

Das Gleichbehandlungsgetz bezieht sich auf Herkunft, Geschlecht, Religion, Hautfarbe etc. und nicht auf berufliche Qualifikation. Die berufliche Qualifikation ist nicht nur ein erlaubtes sondern auch gewolltes Mittel im Kampf um einen Arbeitsplatz. Das Menschen mit einer besseren beruflichen Qualifikation eher zum Bewerbungsgespräch eingeladen werden ist in der Tat normal und hat überhaupt nichts mit dem Gleichbehandlungsgesetz zu tun. Das gilt auch unter deutschen Bewerbern.
Das dabei Menschen das nachsehen haben, die im Bewerbungsgespräch eher überzeugen mag schon sein, nur wie gesagt das hat mir dem Geichbehandlungsgesetz nun wirklich nichts zu tun.

Das Gleichbehandlungsgesetz wirkt sich auf Menschen die auf Grund ihrer niedrigen beruflichen Qualifikation ngar icht zum Bewerbungsgespräch eingeladen werden im Grunde auch überhaupt nicht aus, denn ein solche Gesetz zwingt niemanden einen niedrig Qualifizierten einzustellen, noch hält es einen davon ab.

Deine Argumentation wird immer wirrer. Vielleicht solltest Du das ganze noch einmal überdenken und dann so vortragen, dass es irgendwie kausal nachzuvollziehen ist und einen Sinn ergibt.


Mit freundlichen Grüßen
ein
Bürger
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Anmeldungsdatum: 27.11.2005
Beiträge: 2016
Wohnort: Dortmund

BeitragVerfasst am: 19 Aug 2006 - 16:33:58    Titel:

coffeinjunky hat folgendes geschrieben:

Adolf Hitler ist bekanntlich ein sehr sehr schlechter Mensch. Aber wenn Adolf Hitler sagt: "Es regnet" und diese Aussage wahr ist (es also tatsächlich regnet), dann ist die Feststellung, dass es regnet, nicht deswegen falsch, weil Adolf Hitler dies festgestellt hat.


Dieses Argument wird auch wenn Du nicht dazu gehörst von Rechtsextremen verwandt um antisemitische und rassistische Parolen zu rechtfertigen. Es ist ein schlechtes Argument weil in deinem Beispiel die inhaltliche Aussage mit der Person in keinerlei Zusammenhang steht, anders wöre es wenn wir sagen Hitler hätte gesagt, "Die Juden sind unser Unglück". In diesem Fall steht der Inhalt der Aussage und die historische Person Adolf Hitlers in einem sehr konkreten Zusammenhang und man kann durchaus Querbezüge zwischen Rechtsextremen die solche Aussage bestätigen und der Person Adolf Hitlers ziehen.

Folglich kann ein Argument unabhängig von der Person betrachtet werden muss es aber nicht, und zwar dann nicht, wenn eine gewisse ideologische Nähe oder jeweilige Interessen dies nahelegen.

Wenn ein Spirituosenverkäufer und ein Vertreter der Getränkeindustrie sagt Alkoprops sollten ab 14 freigegeben werden hat das wohl eine ganz andere Überzeugungskraft, als wenn ein Arzt, ein Pädagoge oder ein Sozialarbeiter sich zu einer solchen Aussagen hinreissen lassen würde, was eher unwahrscheinlich ist.

Argumentativ ist das was Du betreibst durchaus vergleichbar mit dem Sprirituosenverkäufer der uns erzählt dass es keinerlei Bedeutung hat, dass er als Schnapsverkäufer dafür ist, noch mehr Schnaps zu verkaufen und das man das Argument unabhängig von demjenigen ganz neutral betrachten muss und nicht in Abhängigkeit von den Interessen die dahinterstehen.

Ähnliche Ansichten werden seltsamerweise immer von denen vertreten die zumindestens in Verdacht stehen bestimmte Interessen zu vertreten und diese zu rechtfertigen trachen, indem jeder Zusammenhang zwischen Ideologie bzw. Interesse und Aussage strikt geleugnet wird.

Wie Du siehst beschäftige ich mich aber mit beiden Untersuchungsgegenständen. Es ist durchaus legitim nicht nur zu untersuchen was jemand sagt sondern wer etwas sagt und warum er das wohl sagt. Das ist weder verboten noch unklug oder unseriös, sondern schlicht vernünftig. Denn das Sein bestimmt immer noch größtenteils das Bewusstsein und es ist unerlässig die Interessen zu erkennen, die sich hinter bestimmten Aussagen verbergen um zu verstehen. Jeder Kommentar im Fernsehen oder in den Medien versucht die Interessen die sich hinter bestimmten Aussagen verbergen zu durchleuchten.


Mit freundlichen Grüßen
ein
Bürger
coffeinjunky
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BeitragVerfasst am: 19 Aug 2006 - 17:36:06    Titel:

Bürger hat folgendes geschrieben:
Ach? Wie soll ich das verstehen und wie soll das mit dem Gleichbehandlungsgesetz zusammenhängen?


Ganz einfach. Es gebe zwei Bewerber um eine Stelle zur Ausbildung als Fachkraft in der Systemgastronomie bei McDonalds. Der eine Bewerber hat einen Realschulabschluß (wasp), der andere Bewerber hat einen Hauptschulabschluß und ist schwarzer homosexueller Moslem (Hautfarbe, Religion, ...). Der Franchise-Nehmer sieht die Bewerbungen auf seinem Tisch und denkt: "Na ja, die Qualifikation ist ja bei mir eigentlich nicht so wichtig, aber wenn ich den schwarzen homosexuellen Moslem erstmal eingeladen habe und nicht nehme, dann verklagt der mich wegen Diskriminierung. Also lade ich ihn erst gar nicht ein. Das ist besser so, da ich sonst möglicherweise nur Arbeit am Hals habe".

Da hast du deine Verbindung. Aber eigentlich habe ich dies in meinen ersten Beiträgen auch geschrieben.

Zitat:
Es ist durchaus legitim nicht nur zu untersuchen was jemand sagt sondern wer etwas sagt und warum er das wohl sagt. Das ist weder verboten noch unklug oder unseriös, sondern schlicht vernünftig.


Das stimmt. Aber in der Form, wie du dies anwendest, ist es nicht mehr vernünftig, sondern lächerlich. Dir ist über mich nur bekannt, dass ich Wirtschaftswissenschaften studiere. Daraus schlußfolgerst du, dass ich die Interessen des BDI vertrete und keinen eigenen Verstand habe, der selber denken kann. Ferner benutzt du dieses Hinterfragen der dahinterliegenden Interessen unter anderem um deine Diskussionspartner zu diskreditieren um deine argumentative Stellung zu festigen. Wenn ich dich nun als verbitterten Alt-68er bezeichnen würde, der immer noch kommunistischem Gedankengut anhängt (um deine Argumente anzugreifen) wäre dies genauso lächerlich und menschlich schwach. Es hat nichts mit dem Thema zu tun, bringt die Diskussion nicht weiter und entbehrt jeglicher Grundlage.

Daher finde ich es sinnvoller sich auf begründete Argumente zu beschränken. Ich bitte dich also davon abzusehen nun zu behaupten, ich würde die Flucht nach vorne antreten um von meinen düsteren Interessen abzulenken. Solche Gedanken sollte eher im Weltverschwörungsthread diskutiert werden.

Beste Grüße
coffeinjunky
Guido
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Anmeldungsdatum: 08.06.2005
Beiträge: 717
Wohnort: Süddeutschland

BeitragVerfasst am: 20 Aug 2006 - 11:12:26    Titel:

Macabre Deified hat folgendes geschrieben:
Wenn sich jemand bewirbt muss ich ihn noch nicht zu einem Gespräch einladen.


Nach meinen derzeitigen (unvollständigen) Kenntnissen des AGG kann er aber bereits dann eine Klage anstrengen, indem er eine mögliche Diskriminierung glaubhaft macht. Die betreffende Firma hat das dann zu widerlegen (teilweise Umkehr der Beweislast). Dazu benötigt sie u.a. klar geregelte und gerichtsfest dokumentierte Rekruiting-Abläufe (ein neuer Markt für Personaldienstleister...).

Macabre Deified hat folgendes geschrieben:
Wenn ich kein Gespräch führe kann ich kaum etwas über die Person rauskriegen.


Nein, aber man könnte deine Vorauswahlprozesse rechtlich in Frage stellen, indem man eine mittelbare Diskriminierung unterstellt. Dann bist Du wieder dran, das zu widerlegen. Wenn dein Auswahlvorgehen auf Bauchgefühl und Nasenfaktor basiert, hast du verloren und die Diskriminierungsstrafgebühr ist fällig.

Macabre Deified hat folgendes geschrieben:
Auch muss ein Arbeitgeber nicht begründen, warum er mit jemandem ein Bewerbungsgespräch führt oder nicht führt.


Irrtum, Umkehr der Beweislast s.o.
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