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Mindestlohn: sinnvoll oder nicht?
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Foren-Übersicht -> Politik-Forum -> Mindestlohn: sinnvoll oder nicht?
 
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Wirtschaftsinformatiker
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Anmeldungsdatum: 30.06.2006
Beiträge: 7083

BeitragVerfasst am: 14 Sep 2006 - 13:17:43    Titel:

Code:
Herr Joshka Fischer hat mWn auch nie studiert aber seine Sache ganz gut gemacht. Oder Johannes Rau, der ebenfalls nie ein Studium absolviert hat bleibt mir auch positiv in Erinnerung.


Das sind meiner Meinung nach positive Ausnahmen, wobei Joschka Fischer zwar nicht offiziell studiert hat, er war jahrelang Gasthörer an der Uni Frankfurt, so daß er schon relativ gebildet ist.
Aber auch Rau, hat eine gute Arbeit gemacht.

Zitat:
Holen sich die Politiker denn wirklich Rat von Leuten, die Ahnung haben ?

Mir klingt die Aussage von Michael Burda im Ohr, der gesagt hat er habe Angie seine Hilfe angeboten, aber sie würde sich weiterhin nur von Juristen beraten lassen ......


Das ist schon schlecht für Deutschland, wenn Juristen Wirtschaftspolitik machen. Das ist doch genauso, als würden Verkehrsjuristen einen Motor bauen, mit der Begründung, sie sind ja Verkehrsexperten. Das dieser Motor dann nicht oder nur schlecht läuft, ist dann kein Wunder.
Am schliemsten finde ich solche Leute, die sich selbst Finanzexperten nennen. Da gibt es z.b. einen von den Grünen, der mal Jura studiert hat, dies nicht beendet, sondern dann einen Copy Shop eröffnet hat. Er war dann eine Weile in der Kommunalverwaltung, er soll zwar sehr gute Kenntnisse im Kommunalrecht haben, aber ob man so jemanden als Experte für Staatsfinanzen bezeichnen kann ( dies tun die Grünen und er selbst auch ), bezweifle ich.
Guido
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Anmeldungsdatum: 08.06.2005
Beiträge: 717
Wohnort: Süddeutschland

BeitragVerfasst am: 14 Sep 2006 - 19:11:16    Titel:

coffeinjunky hat folgendes geschrieben:
Ich hege Zweifel daran, dass unsere Politiker sich nicht in Themen einarbeiten können und somit ein Fachstudium notwendig ist. Ein allgemeines Studium wäre in der Tat von Vorteil, da damit wenigstens signalisiert wird, dass der entsprechende Politiker in Lage ist sich kompliziertes Wissen anzueignen. Aber können dies nicht studierte Menschen nicht auch?


Das dürfte ein grundsätzliches Problem sein. Wir haben in Deutschland keine verbindlich festgelegten Qualifikationen für politische Amtsinhaber. Da führt dann auch der Hinweis auf deren üppig ausgestatteten Ministerialbürokratien, Expertenpanels und Beraterkommissionen leider ins Leere, da der jeweilige Minister deren Empfehlungen mangels entsprechendem Grundlagenwissens meist nicht mal richtig einordnen kann. Das macht Politik ja auch so anfällig für Manipulation und Korruption. Sie muss letztlich systembedingt erratisch und zufällig bleiben, da ein vernunftorientiertes rationales Handeln unter diesen Umständen kaum möglich ist.

Mittelfristig werden wir aber um Mindestqualifikationen nicht herumkommen. Die Probleme werden eher mehr als weniger. Vieles ist aufgrund der zugrunde liegenden Komplexität und Dynamik schon heute politisch kaum noch lösbar. Und in zahlreichen anderen Bereichen kommen Politiker aufgrund des enormen Wissensfortschrittes schon lange nicht mehr mit.
Wirtschaftsinformatiker
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Anmeldungsdatum: 30.06.2006
Beiträge: 7083

BeitragVerfasst am: 14 Sep 2006 - 21:09:17    Titel:

Zitat:

Das dürfte ein grundsätzliches Problem sein. Wir haben in Deutschland keine verbindlich festgelegten Qualifikationen für politische Amtsinhaber. Da führt dann auch der Hinweis auf deren üppig ausgestatteten Ministerialbürokratien, Expertenpanels und Beraterkommissionen leider ins Leere, da der jeweilige Minister deren Empfehlungen mangels entsprechendem Grundlagenwissens meist nicht mal richtig einordnen kann


Sehe ich auch so.
Vorallem gibt es ja gerade in der großen Koalition, bzw. während ihrer Gründungszeit, sehr viele Gepräche ohne Berater.
Da verhandeln dann Lehrer, Juristen, Verwaltungsbeamte und Müllermeister über die Wirtschasftspolitik Deutschlands.
Solche Leute würden in vielen Unternehmen warscheinlich noch nichteinmal Budget Verantwortung bekommen
coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 27.07.2005
Beiträge: 3784
Wohnort: Europa

BeitragVerfasst am: 15 Sep 2006 - 09:07:25    Titel:

Guido hat folgendes geschrieben:
Das dürfte ein grundsätzliches Problem sein. Wir haben in Deutschland keine verbindlich festgelegten Qualifikationen für politische Amtsinhaber. Da führt dann auch der Hinweis auf deren üppig ausgestatteten Ministerialbürokratien, Expertenpanels und Beraterkommissionen leider ins Leere, da der jeweilige Minister deren Empfehlungen mangels entsprechendem Grundlagenwissens meist nicht mal richtig einordnen kann.


Ja, die Argumentation ist mir durchaus bekannt, aber irgendwie überzeugt sie mich nicht, auch wenn ich ihr grundsätzlich zustimme. Ich sehe das Problem darin festzulegen, welche Mindestqualifikation denn benötigt wird?

Ein Fachstudium zu fordern halte ich für überzogen. Ich verstehe nicht, warum ein Finanzminister den Hickschen Substitutions- und Einkommenseffekt ausrechnen und mit der Generalised Method of Moments vertraut sein muss. Ebensowenig wie ein Schriftsteller promovierter Germanist sein muss. Und dann dürfte eine Physikerin auch keine Bundeskanlzerin sein. Denn das könnten ja nur Volkswirte, Soziologen oder Politologen bewerkstelligen, oder?

Ein allgemeines Studium ist da schon besser geeignet, da es als Signal gelten dürfte, dass sich der entsprechende Mensch Wissen aneignen kann. Besagte Lehrer und Verwaltungsbeamte zählen also auch dazu.

Prinzipiell gehe ich aber davon aus, dass diese Menschen auch niemals in die Positionen gekommen wären, wenn nicht wenigstens ein gewisses Maß an Auffassungsgabe vorhanden wäre. Im Marsch durch die Institutionen bzw. Ochsentour durch die Partei wären sie irgendwann untergegangen, wenn sie strunzdämlich wären. Unser Müllermeister ist da leider ein Negativbeispiel. Aber genausowenig kann man meiner Meinung nach die Menschen auf ihr Studienfach reduzieren und sagen, dass Menschen für alle Tätigkeiten außerhalb des durch das Studium vermittelten Könnens und Wissens ungeeignet sind.

Was im Studium gelehrt wird ist auch oftmals ohne Belang für die Arbeit eines Ministers. Warum sollte ein Minister Eigenwerte von Matrizen berechnen oder Thomas Hobbes zitieren können (wobei ich Hobbes schon sinnvoll finde)? Meistens reicht ein gesunder Menschenverstand, eine akzeptable Auffassungsgabe und ein Informations- und Wissensmanagement, d.h. Angestelle im Ministerium, die die Sachverhalte aufbereitet und konkret darstellen können.

Beste Grüße
coffeinjunky
Bürger
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Anmeldungsdatum: 27.11.2005
Beiträge: 2016
Wohnort: Dortmund

BeitragVerfasst am: 15 Sep 2006 - 13:37:53    Titel:

Ein Politiker der erfolgreich sein will, braucht Beziehungen, ein Netz gegenseitiger Gefälligkeiten, ein gerütteltes Maß an Skrupellosigkeit, Duchsetzungswillen und eine gewisse Fähigkeit mit Medien umzugehen und öffentlich aufzutreten. Er muss also gute rethorische Fähigkeiten besitzen und noch wichtiger ein gewisses Image möglichst glaubwürdig verkörpern und dafür sorgen mit diesem Image in der Erinnerung der Öffentlichkeit zu gelangen und dort zu bleiben.

Er muss die Fallstricke der Politik rechtzeitig erkennen, muss immer vehement und überzeugend klingen wenn die Mikrofone in der Nähe sind und muss sich auf seine Redenschreiber verlassen können. Das ist die Qualifikation, die ein Politiker benötigt um sich nach oben durchzusetzen. Ach ja das richtige Parteibuch muss er natürlich auch besitzen.

Anhand dieser Qualifikationen ist das Verhalten der Politiker zu messen:

1. Wichtig ist, dass das eigene Image gut rüberkommt. Der Politiker steht hier nicht nur in Konkurrenz zum politischen Gegener. Der schlimmere Feind aus Sicht des Politikers ist oft der eigene Parteigenosse.

2. Wichtig ist, dass die Zielgruppen, die der Politiker und seine Partei bedienen, mit dem Verhalten des Politikers zufrieden sind. Das ist viel wichtiger als die Frage, wie sinnvoll das für irgendeinen Zweck ist. Gerade in der Sicherheitspolitik lässt sich das beobachten. Guit verkaufter Aktionismus ist aus Sicht des Law&Order Politiker, der damit sein Image verkörpert allemal erfolgreicher, als eine sinnvolle Verbesserung die sich ohne viel Aufhebens und ohne entsprechende Aufwertung des Image in der Sache wesentlich effizienter gewesen wäre.

3. Erfolgreiche Politiker haben wenig Zeit um sich in der Sache umfassend zu informieren, dazu haben sie Berater, Sekretäre.

Bevor ich jedoch weiter aushole, sei ein Text von Max Weber empfohlen der 1919 einen Vortrag über Politik als Beruf:

Hier ein Ausschnitt:
Zitat:

Die Politik kann entweder »ehrenamtlich« und dann von, wie man zu sagen pflegt, »unabhängigen«, d.h. vermögenden Leuten, Rentnern vor allem, geführt werden. Oder aber ihre Führung wird Vermögenslosen zugänglich gemacht, und dann muss sie entgolten werden. Der von der Politik lebende Berufspolitiker kann sein: reiner »Pfründner« oder besoldeter »Beamter«. Entweder bezieht er dann Einnahmen aus Gebühren und Sporteln für bestimmte Leistungen – Trinkgelder und Bestechungssummen sind nur eine regellose und formell illegale Abart dieser Kategorie von Einkünften –, oder er bezieht ein festes Naturaliendeputat oder Geldgehalt, oder beides nebeneinander. Er kann den Charakter eines »Unternehmers« annehmen, wie der Kondottiere oder der Amtspächter oder Amtskäufer der Vergangenheit oder wie der amerikanische Boss, der seine Unkosten wie eine Kapitalanlage ansieht, die er durch Ausnutzung seines Einflusses Ertrag bringen lässt. Oder er kann einen festen Lohn beziehen, wie ein Redakteur oder Parteisekretär oder ein moderner Minister oder politischer Beamter. In der Vergangenheit waren Lehen, Bodenschenkungen, Pfründen aller Art, mit Entwicklung der Geldwirtschaft aber besonders Sportelpfründen das typische Entgelt von Fürsten, siegreichen Eroberern oder erfolgreichen Parteihäuptern für ihre Gefolgschaft; heute sind es Ämter aller Art in Parteien, Zeitungen, Genossenschaften, Krankenkassen, Gemeinden und Staaten, welche von den Parteiführern für treue Dienste vergeben werden. Alle Parteikämpfe sind nicht nur Kämpfe um sachliche Ziele, sondern vor allem auch: um Ämterpatronage. Alle Kämpfe zwischen partikularistischen und zentralistischen Bestrebungen in Deutschland drehen sich vor allem auch darum, welche Gewalten, ob die Berliner oder die Münchener, Karlsruher, Dresdener, die Ämterpatronage in der Hand haben. Zurücksetzungen in der Anteilnahme an den Ämtern werden von Parteien schwerer empfunden als Zuwiderhandlungen gegen ihre sachlichen Ziele. Ein parteipolitischer Präfektenschub in Frankreich galt immer als eine größere Umwälzung und erregte mehr Lärm als eine Modifikation des Regierungsprogramms, welches fast rein phraseologische Bedeutung hatte. Manche Parteien, so namentlich die in Amerika, sind seit dem Schwinden der alten Gegensätze über die Auslegung der Verfassung reine Stellenjägerparteien, welche ihr sachliches Programm je nach den Chancen des Stimmenfangs abändern...
Quelle: http://www.textlog.de/weber_politik_beruf.html


Da finden sich viele Prinzipien die auch heute noch Gültigkeit haben. Wenn wir das Handeln der Politik verstehen wollen, müssen wir immer die Interessen der Beteiligten sehen. Die Interessen der Personen, sowohl das individuelle Interesse des einzelnen Politikers, als auch das Interesse der Parteien, als auch das Interesse anderer gesellschaftlicher Gruppen die Parteien finanzieren bestimmen in der Regel die Entscheidungen. Die Fähigkeit des Politikers eben ein fähiger Politiker zu sein, besteht nicht darin besonders effiziente Entscheidungen zu treffen, sondern den Eindruck zu vermitteln er könne das.

Wir beschäftigen uns hier viel zu viel damit was ein Politiker fachlich kann. Das steht oft gar nicht zur Diskussioen, es kommt darauf an, was ein Politiker will. Ist das was wir fachlich für richtig und gut erachten auch im Interesse des Politikers? Kann er damit sein Image weiter ausbauen, eine der Grundlagen seines Erfolges? Hilft es ihm (an erster Stelle) und seiner Partei (an zweiter Stelle, meist fällt das nur nicht auf, weil sich beides deckt) an der Macht zu bleiben oder diese zu erobern? Das Scheitern eines Projektes ist dabei nicht unbedingt die Katastrophe als die wir sie sehen, solange sie mit diesem Politiker nicht verbunden wird.

Wenn das Interesse der eigenen Person, der Amigos im gegenseitigen Beziehungsgeflecht, der Partei und natürlich auch denen, die die Partei mit finanzieren, gegen die fachliche Vernunft steht, kann und wird sich ein Politiker in der Regel auch nicht für die fachlich vernünftige Lösung entscheiden. Es wäre sein politisches Todesurteil.

Was Experten davon halten ist den Politikern nicht so wichtig, als der Eindruck den sie in der Allgemeinheit erzeugen

Von daher, ist eine fachliche Qualifikation auch nicht notwendig, weil sie das Problem nicht tangiert. Es würde sich im Prinzip nichts ändern.
Ein Beispiel mag das illustrieren. Der Berufsstand des Lehrers ist in der Politik besonders häufig vertreten, die Vorstellung, dass damit eine bessere Bildungspolitik verbunden sei ist eine völlig irrige Annahme. Manche der Lehrer haben sich als Bildungspolitiker sogar besonders intolerant gegenüber den Interessen ihres ehemaligen Beufsstandes erwiesen, sobald sie nicht mehr betroffen waren.

Wichtiger ist, dass wir die Interessen der Politiker richtig einschätzen, bewerten und kontrollieren lernen, soweit dies möglich ist. Ganz entscheidend wäre auch eine politische Kontrolle über das Mittel des Volksentscheid, der bei großen richtungsweisenden Entscheidungen das oft an anderen Interessen als dem des Allgemeinwohl orientierte Treiben der Politik korrigieren könnte. Allein die Möglichkeit eines solchen Volksentscheides würde die Politik in vielen Bereichen ändern.


Mit freundlichen Grüßen
ein
Bürger
Guido
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BeitragVerfasst am: 18 Sep 2006 - 11:35:19    Titel:

coffeinjunky hat folgendes geschrieben:
Ja, die Argumentation ist mir durchaus bekannt, aber irgendwie überzeugt sie mich nicht, auch wenn ich ihr grundsätzlich zustimme. Ich sehe das Problem darin festzulegen, welche Mindestqualifikation denn benötigt wird?

Ein Fachstudium zu fordern halte ich für überzogen. Ich verstehe nicht, warum ein Finanzminister den Hickschen Substitutions- und Einkommenseffekt ausrechnen und mit der Generalised Method of Moments vertraut sein muss. Ebensowenig wie ein Schriftsteller promovierter Germanist sein muss. Und dann dürfte eine Physikerin auch keine Bundeskanlzerin sein. Denn das könnten ja nur Volkswirte, Soziologen oder Politologen bewerkstelligen, oder?

Ein allgemeines Studium ist da schon besser geeignet, da es als Signal gelten dürfte, dass sich der entsprechende Mensch Wissen aneignen kann. Besagte Lehrer und Verwaltungsbeamte zählen also auch dazu.


Ich denke man sollte bei Mindestqualifikationen weniger den konkreten Abschluss als vielmehr die generelle beruflich-professionelle Ausrichtung betrachten. Wer also Gesundheitsminister sein will, sollte einen der knapp Zeit Dutzend Heilberufe erlernt oder was Einschlägiges studiert haben. Wer im Wirtschaftsbereich Politik machen will, sollte eine kaufmännischen Beruf erlernt haben. Und wer sich mit Verteidigungsfragen beschäftigen will, sollte m.E. eine Offiziersakademie mal für einige Zeit von innen gesehen haben.

Auf diese Weise wird vermieden, dass Müllermeister über Konzernbesteuerung, Lehrer über Pharmafragen oder komplett gescheiterte Existenzen über Europapolitik zu befinden haben.

coffeinjunky hat folgendes geschrieben:
Prinzipiell gehe ich aber davon aus, dass diese Menschen auch niemals in die Positionen gekommen wären, wenn nicht wenigstens ein gewisses Maß an Auffassungsgabe vorhanden wäre. Im Marsch durch die Institutionen bzw. Ochsentour durch die Partei wären sie irgendwann untergegangen, wenn sie strunzdämlich wären.


Im Marsch durch die Institutionen spielen in erster Linie soziale Kompetenzen und politisch-strategisches Geschick eine Rolle. Ein sehr gutes Beispiel hierfür war Joschka Fischer. Man muss netzwerken können, Beziehungen aufbauen und pflegen, die richtigen Verbündeten finden …


coffeinjunky hat folgendes geschrieben:
Aber genausowenig kann man meiner Meinung nach die Menschen auf ihr Studienfach reduzieren und sagen, dass Menschen für alle Tätigkeiten außerhalb des durch das Studium vermittelten Könnens und Wissens ungeeignet sind.


Daher sollte man auch nicht auf bestimmte Studienfächer oder Ausbildungen abstellen sondern nur eine generelle berufliche Grundausrichtung heranziehen. Selbst dann wäre immer noch in Risiko dabei. Aber es wäre geringer als heute.

coffeinjunky hat folgendes geschrieben:
Meistens reicht ein gesunder Menschenverstand, eine akzeptable Auffassungsgabe und ein Informations- und Wissensmanagement, d.h. Angestelle im Ministerium, die die Sachverhalte aufbereitet und konkret darstellen können.


In der Regel fehlt es Politikern nach jahrelanger hauptberuflicher Ochsentour durch die Apparate aber genau an diesen Dingen. Auch können sie die Ideen, Konzepte und Ratschläge ihrer Fachleute nicht einordnen, da keine gemeinsame Wissensbasis existiert. Bestes Beispiel hierfür war Helmut Kohl, der seinerzeit auf eine Journalistenfrage zum Thema „Datenautobahnen“ auf die Zuständigkeit des Straßenbauamts verwies.
coffeinjunky
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BeitragVerfasst am: 18 Sep 2006 - 11:52:38    Titel:

Guido hat folgendes geschrieben:
Ich denke man sollte bei Mindestqualifikationen weniger den konkreten Abschluss als vielmehr die generelle beruflich-professionelle Ausrichtung betrachten. Wer also Gesundheitsminister sein will, sollte einen der knapp Zeit Dutzend Heilberufe erlernt oder was Einschlägiges studiert haben. Wer im Wirtschaftsbereich Politik machen will, sollte eine kaufmännischen Beruf erlernt haben. Und wer sich mit Verteidigungsfragen beschäftigen will, sollte m.E. eine Offiziersakademie mal für einige Zeit von innen gesehen haben.


Und ein Verkehrsminister muss Bus- oder Taxifahrer gewesen sein? Und ein Physiker kann sich dennoch nicht in das Wissen aneignen, was ein Kaufmann für Bürokommunikation hat, wenn er in den Wirtschaftsbereich will?

Wie ich bereits gesagt habe: prinzipiell erkenne ich auch an, dass es eine Mindestqualifikation geben sollte, aber ich finde es sehr schwer zu entscheiden, wie diese denn nun aussehen soll. Die bisherigen Vorschläge überzeugen mich nicht wirklich und spiegeln die typisch deutsche Mentalität wieder. In D gilt einfach, dass man nur das kann, was man nachweisen kann. In anderen Ländern ist dies sehr viel flexibler und weniger auf formale Qualifikation beschränkt.

Beste Grüße
coffeinjunky
Guido
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BeitragVerfasst am: 18 Sep 2006 - 13:23:10    Titel:

coffeinjunky hat folgendes geschrieben:
Und ein Verkehrsminister muss Bus- oder Taxifahrer gewesen sein? Und ein Physiker kann sich dennoch nicht in das Wissen aneignen, was ein Kaufmann für Bürokommunikation hat, wenn er in den Wirtschaftsbereich will?

Wie ich bereits gesagt habe: prinzipiell erkenne ich auch an, dass es eine Mindestqualifikation geben sollte, aber ich finde es sehr schwer zu entscheiden, wie diese denn nun aussehen soll. Die bisherigen Vorschläge überzeugen mich nicht wirklich und spiegeln die typisch deutsche Mentalität wieder. In D gilt einfach, dass man nur das kann, was man nachweisen kann.


Einfach ist es ganz bestimmt nicht. Und auch die Idee die Sache an Formalqualifikationen aufzuhängen ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss. Zwei andere Ansätze, die ich in diesem Zusammenhang mal erlesen habe, wären:

1. Die unbedingte Beschränkung der politischen Tätigkeit auf eine Anzahl X Jahre pro Person.

2. Das Loslösen von Wissen von Personen und dessen Integration in Prozesse. Beispielweise durch verpflichtend vorgeschriebene Gesetzesfolgenabschätzungen nach international akzeptierten Standards (Quatsch wird ausgefiltert, egal wer ihn vorträgt). Durch Normenkontrollräte, die den Regelungswildwuchs eindämmen sollen (Quantitätsansatz – wo viel gemacht wird, entsteht auch viel Mist). Oder durch strikte und sehr weit reichende Informationsfreiheit (so was wirkt ungemein disziplinierend auf alle Apparate, da jedes Sitzungsprotokoll und jede Mauschelei morgen im Internet stehen kann).

coffeinjunky hat folgendes geschrieben:
In anderen Ländern ist dies sehr viel flexibler und weniger auf formale Qualifikation beschränkt.


Und wie macht man es dort genau?
coffeinjunky
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BeitragVerfasst am: 18 Sep 2006 - 13:29:50    Titel:

Guido hat folgendes geschrieben:
Und wie macht man es dort genau?


Dies war weniger auf die politischen Amtsträger, als auf die Mentalität bezogen. Es ist z.B. in UK oder USA sehr viel einfacher ohne formale Qualifikation in eine gehobene oder höhere Position (zumindest in der Wirtschaft) zu kommen, da die Menschen eher nach ihrem Potential als nach dem bisher erreichten bewertet werden.

Beste Grüße
coffeinjunky
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Anmeldungsdatum: 30.07.2009
Beiträge: 11495
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BeitragVerfasst am: 12 Jun 2015 - 16:53:31    Titel:

Da das Thema ja gerade aktuell angesprochen wurde...

eine erste Bilanz:

http://www.rolandtichy.de/tichys-einblick/mindestlohn-massive-arbeitslosigkeit/

Nachrichten über breite Schichten, die nun nicht mehr auf den Staat angewiesen sind, die Geldtöpfe der BA müßten ja quasi überquellen, halten sich in Grenzen, dafür wurden breite Schichten mit einem Arbeitsverbot belegt.

>>Der Mindestlohn ist ein Arbeitsplatzkiller, ermittelte jetzt das Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Hunderttausende Stellen seien bereits vernichtet worden. Einer der Hautpgründe: Wer einen Minijob vergibt, macht sich schnell strafbar – auch ohne böse Absicht. Und: Es trifft besonders Menschen in prekären Situationen, Schüler, Studenten, Rentner, Mitverdienet, Berufseinsteiger. Der Mindestlohn werde Hunderttausende von Arbeitsplätzen kosten, hatten Wirtschaftsweise und Forschungsinstitute die schwarz-rote Regierung gewarnt. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hatte Jobverluste stets bestritten, der Effekt des Mindestlohns werde “beschäftigungsneutral” sein.<<

>>Jetzt rächt sich die Kriminalisierung von Arbeitgebern

Warum die Mini-Jobs verschwinden, hat nicht nur etwas mit der Lohnhöhe zu tun. Es geht vielmehr auch um Bürokratie und Kontrolle: Denn wer einen Mini-Jobber beauftragt, steht gewissermaßen schon mit einem Fuß im Gefängnis. Wenn die geplante Arbeit von einem durchschnittlichen Arbeitnehmer nicht in der unterstellten Zeit erledigt werden kann, sinkt ja der Stundenlohn auf unter 8,50 – und der Arbeitgeber macht sich damit strafbar. Entscheidend ist dabei nicht, wie lange der Austräger tatsächlich braucht – es geht um einen Normwert. Nachzahlungen für den zu niedrigen Lohn, aber auch bis zu 250.000 € Strafe drohen.

Ein Beispiel: Ein Minijobber erhält 50 € für das Austragen von Prospekten, wofür 5 Stunden veranschlagt werden. Wenn wegen der Entfernung aber normalerweise 6 Stunden als Aufwand veranschlagt werden, oder der Austräger besonders bummelt und längere Laufzeit nachweist, sinkt der Mindestlohn unter 8,50 – und die Strafbarkeit ist gegeben. Dies ist kein konstruiertes Beispiel – praktisch für alle Zeitungsausträger werden jetzt die Routen per Schrittzähler vermessen, um dieses Risiko auszuschließen.<<

jetzt ist es natürlich nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die Ministerin um die Opfer ihrer Politik kümmern wird, noch höhere Renten fr zwangsweise untätige Rentner und natürlich höheres Bafög und Hartz IV.

>>Rund die Hälfte von ihnen sind Rentner, Studenten oder ohnehin schon arbeitslos gemeldete Aufstocker. Die andere Hälfte könne sich zwar sehr wohl arbeitslos melden, allerdings fehle oft der finanzielle Anreiz, dies zu tun, da kein Anspruch auf Arbeitslosengeld bestehe. Auch Hartz IV könnten die arbeitslosen Minijobber oft nicht beantragen, da ein Drittel der Minijobber in einem Haushalt lebt, in dem der Partner oder ein anderes Familienmitglied ausreichend verdient.<<

tja eine Arbeitsministerin, die nie gearbeitet hat...
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