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Ernteglück durch Pechnelke

17.05.2000 - (idw) Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Bonner Wissenschaftler entschlüsseln biochemisches Geheimnis der Mittelmeerpflanze. Ertragsteigerung durch Pflanzen-Extrakt.

Mönche, die vor 200 Jahren am Mittelmeer Ackerbau betrieben, wußten es schon lange: Ein Extrakt aus den Samen der Pechnelke fördert das Wachstum anderer Pflanzen.

Neue Studien belegen 20% bis 40% höhere Erträge, wenn Saatgut, beispielsweise von Weizen oder Roggen, zuvor mit einer Lösung behandelt wird, die nur wenige Mikrogramm dieses Extrakts enthält. Zudem zeigten sich die so behandelten Pflanzen auch widerstandsfähiger gegen Streß, wie z.B. Krankheitserreger oder Luftschadstoffe.

Bonner Wissenschaftlern unter der Leitung von Prof. Dr. Heide Schnabl (Institut für Landwirtschaftliche Botanik) gelang nun die Lösung des Rätsels. Zwei in der Pechnelke enthaltene Pflanzenhormone aus der Klasse der sog. "Brassinosteroide" sind der Schlüssel zum Ernteerfolg.Eines der beiden Hormone war bisher als natürlich vorkommendes Molekül völlig unbekannt. Durch die wissenschaftliche Absicherung des bisherigen Erfahrungswerts haben sich beispielsweise einige Provinzen der Volksrepublik China dazu entschlossen, ihre Kulturpflanzen mit diesem Extrakt zu behandeln.

Bauernregeln und der Glaube an die homöopatische Wirkung "obskurer" Wundermittel wie Gesteinsmehl, Brennesselsud oder auch das Extrakt aus der Saat von Pechnelken haben eins gemeinsam: Sie werden von der Forschung kritisch beäugt und lassen sich wissenschaftlich nur schwer belegen. Pflanzenhormone hingegen sind chemisch hervorragend untersucht, sie sind katalogisiert und registriert. Ihre Wirkung auf Wurzel- und Blattwachstum werden sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der Industrie für die Entwicklung neuer Pflanzensorten und -wirkstoffe ausgiebig genutzt. Auch die Klasse der Brassinosteroide ist als Wachstumsförderer wohlbekannt. Daß es hier unentdeckte Molekülvarianten geben sollte - und dazu noch eine, die nicht nur das Wachstum anderer Pflanzen ankurbelt, sondern darüber hinaus auch noch gegen Mehltau bei Gurken, das Tabakmosaikvirus bei Tabakpflanzen und Grauschimmel bei Tomaten schützen sollte, das schien ausgeschlossen.

Prof. Dr. Heide Schnabl vermutete aber, daß sich hinter der erstaunlichen Wirkung des Saatgutpulvers ein neues Molekül verbirgt, das sich der chemischen Enttarnung bisher erfolgreich entzogen hatte. Nach dreijähriger intensiver Suche gelang es dem Team, zwei Pflanzenhormone aus der Pechnelke zu isolieren, von denen eines wohlbekannt und - das ist die chemische Sensation - das zweite als natürlich vorkommendes Molekül völlig neu war. Beide Hormone gehören zu der Klasse der Brassinosteroide. Für Kenner: Das erste wird mit 24-epi-castasteron bezeichnet, das zweite - neu entschlüsselte Molekül - als 24-epi-secasteron. Die Langfassung liest sich so: (22R, 23R, 24R)-22,23-dihydroxy-2ß,3ß-epoxy-24-methyl-5a-chole-stan-6-one. Daß Brassinosteroide überhaupt in der weitverzweigten Pflanzenfamilie der Pechnelke (Lychnis viscaria) vorkommen, war bisher ebenfalls unbekannt.

Unklar bleibt, auf welchem Weg die Pflanze diese Stoffe produziert. Die Wirkung allerdings überzeugt mittlerweile Saatgutexperten aus 24 Ländern: Sie haben Interesse angemeldet, das Extrakt zu kaufen und flächendeckend anzuwenden. Mit der Gründung der Firma Maxiplant Biotechnologie GmbH und einem national und international gültigen Patent gelingt es den Forschern, dieser Nachfrage nachzukommen und den internationalen Vertrieb von wuchs- und ertragssteigernden Produkten auf der Basis von Pflanzen-Extrakten auszubauen.

Info: Prof. Dr. Heide Schnabl, Tel.: (0228) 73 28 30, Fax: (0228) 73 16 96, e-mail: ilb@uni-bonn.de

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