Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBcherForenFreitag, 28. November 2014 

Die Republik der Phrasendrescher. Wortwörtliches einer verunglückten Sprache


von Karl H. Pruys

Kategorie: Guter Stil
ISBN: 3861245701

Kommentar abgeben
Die Abholerkriegen hier genauso ihr Fett weg wie die Zukünftigen und alle anderen 75 alphabetisch geordneten Redewendungen, aus denen beim Versuch ihrer Sprecher, besonders bedeutsam zu klingen, nur heiße Luft entströmt. Karl Hugo Pruys stellt sie vor, die Abgründe und Fettnäpfchen, in die der übereifrige und/oder oberflächliche Verwender der deutschen Sprache nur allzu gern hineintaumelt oder –tritt. Dass dem Autor die Sprache wirklich am Herzen liegt, ist schon daran zu erkennen, daß er sein Buch im Format von ca. 19x11 cm nach der alten Rechtschreibung eingerichtet hat. Und so horcht er unsere Alltagssprache wie ein gewissenhafter Doktor ab und entdeckt: Sie kränkelt. Ist befallen von Modewörtern und leidet unter Wortblähungen. Bei vielen von Pruys` Beispielen kann der ebenso um die Sprache besorgte Leser nur stirnrunzelnd mit dem Kopf nicken. An allen Ecken lauern die Häufungen sinngleicher oder sinnähnlicher Wörter. Politiker und Fußballer, die mal davon ausgehen obwohl sie noch gar nicht wissen können, was die Zukunft für sie bereithält oder mit also ich persönlich sag mal kostbare Lebenszeit des Zuhörers verschwenden. Tumbe Tore, die offensichtliche und versteckte Anglizismen von sich geben, um ihr Gegenüber an lifestyle und in-feeling zu toppen quälen unsere Sprache ebenso wie jene Zeitgenossen, die auf schiefen Metaphern ins Rutschen kommen. Pruys verhält sich diesen bedauerlichen Auswüchsen gegenüber allerdings nicht wie ein radikaler Phrasenmäher, sondern versteht sich als behutsam Kritisierender bzw. Korrigierender. Zu Beginn seines Buches läßt er Sprachkritikerkollegen wie Flaubert, Twain und Henscheid zu Wort kommen und der geneigte Leser wird angeregt, mal wieder oder endlich in Karl Kraus und Kurt Tucholsky hineinzuschauen. --Anne Hauschild

Sprachbewußtsein wird geschärft
Fast hätte ich in der Überschrift dieser Rezension geschrieben daß mich das Buch für Sprachschlamperei sensibilisiert hat. Doch "sensibel" ist ein im Buch (nein, nicht thematisiert [=Phrase], sondern treffender:) angeprangertes Wort. Man sollte eigentlich immer, wenn man etwas schreibt, das Inhaltsverzeichnis (die Wörter sind alphabetisch geordnet) dieses gelungenen Essays über die Verwendung der Wörter neben sich liegen haben; entweder sind Wörter ganz zu vermeiden (da falsch oder nichts aussagend) oder nur im passenden Zusammenhang einzusetzen.
Die behandelten Phrasen stammen meist von Politikern, weil nur die es nötig haben, Bedeutung vorzugaukeln oder das Volk dumm zu reden. Die Verstärker aus der Jugendsprache, wie "brutal" oder "voll gut", kommen zurecht nicht vor, da sie ob ihrem fluthaften Auftreten leicht als solche erkennbar sind.
Manche Wörtern, wie beispielsweise "Priorität", scheinen mir inzwischen so vertraut, daß die deutschen Synonyme fremd wirken würden.
Insgesamt ein köstliches und erhellendes Buch für Leute, die sich um eine zielgenaue Sprache bemühen.

Zum Teil gut, zum Teil unbefriedigend
Meine Erwartungshaltung bezüglich des Buches war groß, da in einer Zeitung überschwenglich für das Buch geworben wurde. Leider konnte das Buch meinen Erwartungen nur bedingt genügen.

Die ersten Kapitel des Buches sind in guter Sprache geschrieben und motivierten mich, meinen aktiven Wortschatz zu erweitern, bzw. zu verbessern. Leider kommen im anschließenden Hauptteil die behandelten Phrasen zum größten Teil aus dem Bereich Politik, bzw. aus der Journalistensprache. Ebenso wirken die Äußerungen des Autors zu den jeweiligen Phrasen teilweise unklar. Man erkennt nicht immer, ob der Autor ironisch oder ernsthaft einen phraseologischen Ausdruck kommentiert.

Das Buch hat einige sehr schöne Anregungenen zum Überdenken von Sprache, bleibt aber doch zu sehr im politisch-journalistischen Bereich.
Siehe auch:

Guter Stil > Die Republik der Phrasendrescher. Wortwörtliches einer verunglückten Sprache
ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenSeite drucken

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/buecher/isbn/3861245701/">Die Republik der Phrasendrescher. Wortwörtliches einer verunglückten Sprache </a>