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MINI-MONSUN IM MITTELMEER - Science-Artikel zum Klimapuzzle im Nahen Osten

01.04.2003 - (idw) Forschungszentrum Ozeanränder

Unser nacheiszeitliches Klima ist längst nicht so stabil wie gemeinhin behauptet wird. Dafür liefern Geowissenschaftler des Bremer DFG-Forschungszentrums Ozeanränder in der kommenden Ausgabe der Zeitschrift Science neue Belege. Sie untersuchten Meeresablagerungen aus dem nördlichen Roten Meer und fanden heraus, dass die heute sehr trockene Region zwischen 9.000 und 6.500 Jahren vor heute von einer langen Feuchteperiode geprägt war. Damals etablierte sich ein monsunartiges Wettersystem. Nicht auszuschließen ist, dass dieser mediterrane Monsun bei anhaltendem Treibhauseffekt zukünftig erneut das Niederschlagsgeschehen im Nahen Osten mitbestimmt.


Der Science-Artikel basiert auf Untersuchungen, die auf dem Forschungsschiff "Meteor" durchgeführt wurden. Dr. Helge Arz, Dr. Frank Lamy und ihre Bremer Kollegen untersuchten Meeresablagerungen, die im Frühjahr 1999 auf einer Fahrt mit dem Forschungsschiff "Meteor" unter wissenschaftlichen Leitung von Dr. Jürgen Pätzold im nördlichen Roten Meer gewonnen wurden. U.a. nahmen sie die Überreste von Mikroorganismen unter die Lupe. In deren winzigen Kalkschalen sind Umweltinformationen aus jenen Epochen gespeichert, in denen die Tiere das Rote Meer besiedelten. So fanden sie heraus, dass das Oberflächenwasser des Roten Meers in der Zeit zwischen etwa neun- und siebentausend Jahren vor heute einen deutlich geringeren Salzgehalt aufwies als gegenwärtig. Er lag kurz nach dem Ende der letzten Eiszeit bei nur etwa 37 Gramm Salz pro Liter Meerwasser (=Promille). Das sind rund drei Promille weniger als heute. Die Daten zeigen zudem, dass sich diese Aussüssung auf die obersten 100 Meter der Wassersäule beschränkte.

Die Geowissenschaftler untersuchten zudem Sedimentationsraten und Tongehalte der Meeresablagerungen - und registrierten dramatische Veränderungen. Vor 7.000 Jahren, also am Ende des oben erwähnten Zeitabschnitts, gingen die Ablagerungsraten relativ rasch um 25 Prozent, die Tongehalte gar um die Hälfte zurück. Der Sedimenteintrag über Flüsse und Bäche spielte eine deutlich geringere Rolle als zuvor. Jetzt war es der Wind, der den Modellrechnungen zufolge Sand und Staub vom Land ins Meer wehte.

Deutliche Abnahmen des Salzgehalts im Roten Meer, drastische Veränderungen im Sedimentationsgeschehen - die Bremer Wissenschaftler führen dies auf höhere Temperaturunterschiede zwischen Land und Meer zurück. "Einerseits lagen die Meerwassertemperaturen im östlichen Mittelmeerraum so kurz nach dem Ende der letzten Eiszeit niedriger als heute", stellt Dr. Frank Lamy fest. "Andererseits erwärmten sich das Land und die darüber liegenden Luftmassen im Sommer sehr schnell. Die warme Luft stieg auf, vom Mittelmeer strömten kühlere, feuchtere Luftmassen nach. Ein monsunartiger Witterungstypus, wie wir ihn heute aus dem Indischen Ozean kennen, war die Folge", konstatiert der Geoforscher. Dieser mediterrane Monsun dominierte zweitausend Jahre lang das Wettergeschehen im Nahen Osten. Vor allem im Sommer regnete es deutlich häufiger und mehr als heute. Untersuchungen an Blütenpollen und israelischen Höhlenablagerungen erhärten das Monsun-Szenario.

Ob ähnliche Monsunlagen im künftigen Klimageschehen des Nahen Ostens eine Rolle spielen könnten, bleibt Spekulation. Regionale Klimamodelle sagen bei weiter ansteigendem Treibhauseffekt zukünftig geringeren Sommerregen für den Mittelmeerraum voraus. Vor dem Hintergrund des Science-Artikels stellt sich die Frage, ob auch andere Szenarien denkbar sind: größere Temperaturunterschiede zwischen Land und Mittelmeer, mediterrane Monsun-Wetterlagen, tendenziell mehr Niederschläge. "Unser Probenmaterial läßt nur Aussagen über das Klima der Vergangenheit zu", meint Science-Autor Dr. Helge Arz. "Aber vielleicht geben unsere Befunde ja Anlaß, eingehender über Klimamodellierungen und Messergebnisse zu diskutieren. Dies auch deshalb, weil wir festgestellt haben, dass es offenbar eine Wechselwirkung zwischen dem Wettergeschehen im Nahen Osten und dem über dem Nordatlantik gibt. Im Nahen Osten regnet es immer dann besonders viel, wenn die Luftdruckschaukel zwischen Azorenhoch und Islandtief eine bestimmte Konstellation annimmt."

Weitere Informationen/Interviewanfragen/Bildmaterial:

Albert Gerdes
DFG-Forschungszentrum Ozeanränder
- Öffentlichkeitsarbeit -
Tel. 0421 - 218-7761
mail: agerdes@rcom-bremen.de
www.ozeanraender.de
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